HORW: Nur er will Gemeindepräsident werden

Ruedi Burkard (FDP, 59) ist einziger Kandidat für das Horwer Gemeindepräsidium. Dennoch fürchtet er den zweiten Wahlgang.

Raphael Gutzwiller
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Ruedi Burkard (59) in seinem Wohnzimmer am Neumattweg in Horw. Er will neuer Gemeindepräsident von Horw werden. (Bild Pius Amrein)

Ruedi Burkard (59) in seinem Wohnzimmer am Neumattweg in Horw. Er will neuer Gemeindepräsident von Horw werden. (Bild Pius Amrein)

Wer die Liste der Horwer Gemeinderatskandidaten anschaut, staunt nicht schlecht: Nur ein einziger Name findet sich bei den Kandidaten für das Gemeindepräsidium. Es ist dies Ruedi Burkard, 59-jährig, langjähriger FDP-Kantonsrat.

Wir treffen ihn in seinem Einfamilienhaus am Neumattweg. Von dort sieht man bei gutem Wetter über die Gemeinde, die er bald regieren möchte. Bereits seit 34 Jahren wohnt der ursprüngliche Krienser in Horw. «Hier Gemeindepräsident zu werden, wäre der krönende Abschluss meiner politischen Karriere», sagt Burkard. Für die FDP sitzt er seit 2009 im Kantonsrat. Von 1993 bis 2000 war er zudem im Horwer Einwohnerrat, 1998 als Präsident.

«Arbeit gut weiterführen»

Was will er als Gemeindepräsident ändern? «Ich denke, das Hauptziel muss es sein, die gute Arbeit, die geleistet wurde, weiterzuführen», so Burkard. Horw stehe auch dank dem Gemeinderat auf gesunden Beinen – auch in finanzieller Hinsicht. «Uns geht es im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden in der Region gut», so Burkard. Einige Verbesserungen gäbe es aber schon noch: «Die Verwaltung soll bürgernah sein. Sie muss den Bürger als Kunden behandeln.» Das habe er in der Vergangenheit nicht immer so erlebt. Mit der Horwer Verwaltung habe er als Präsident der Baugenossenschaft Steinergrund, Horw, mehrfach zu tun gehabt.

Ein weiterer wichtiger Punkt für Horw dürften in den nächsten Jahren die Bautätigkeiten sein. Zuletzt gerieten die Projekte Horw Mitte sowie Luzern Süd ins Stocken. «Dort soll es rasch vorwärtsgehen», findet Burkard. Beim Projekt Luzern Süd gehe dies nur durch eine gute Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden Kriens und Luzern. «Der Dialog zwischen den Gemeinden ist entscheidend», sagt Burkard. In diesem Drei-Gemeinden-Eck hat Horw jeweils eine spezielle Stellung eingenommen, wirkt oft isoliert. Dazu sagt der designierte Gemeinderat: «Die anderen Gemeinden haben vielleicht noch andere Probleme als Horw. Für mich ist klar, dass die Zusammenarbeit vor allem durch Dialoge funktionieren soll. Finanziell werden wir natürlich den anderen Gemeinden nicht helfen.»

Kämpfer für Horwer Hochschule

Im Kantonsrat hat sich Burkard auch dafür eingesetzt, dass Horw den Standort Informatik der Hochschule behalten sollte, dieses Vorhaben scheiterte jedoch. Auch im Horwer Gemeinderat möchte er nun für den Hochschulstandort in Horw kämpfen. «Die Hochschule hat für Horw eine grosse Bedeutung. Für uns ist es wichtig, dass wir diese wie versprochen weiter ausbauen können», so Burkard.

Burkard ist zwar der einzige Kandidat für das Amt des Gemeindepräsidenten. Dennoch sieht er sich noch nicht gewählt. «Ich bin lang genug in der Politik, um zu wissen, dass alles passieren kann.» Da Burkard sowohl als Gemeindepräsident als auch als Gemeinderat gewählt werden muss, ist ein zweiter Wahlgang durchaus realistisch.

Dass keine andere Partei einen Kandidaten gestellt hat, überrascht Burkard. «Ich sehe es aber auch als Zeichen dafür, dass die FDP das Präsidium gut geführt hat und weiterführen soll.» Markus Hool war in den letzten zehn Jahren Präsident der Gemeinde (siehe Box).

«Kandidat kommt aus dem Nichts»

Bei den anderen drei Horwer Parteien gibt es verschiedene Gründe für eine Nichtkandidatur für das Präsidium. SVP-Fraktionschef Jörg Conrad sagt: «Mit nur einem Sitz im Gemeinderat erheben wir momentan keinen Anspruch auf das Gemeindepräsidium.» Warum aber auch die anderen Parteien der FDP den Sitz überlassen, wisse er nicht. Dass mit Kantonsrat Burkard einer aus dem «Nichts» komme und sogleich das Gemeindepräsidium möchte, finden nicht alle gut. «Mir wäre es lieber, ein bisheriger erfahrener Gemeinderat würde das Präsidium übernehmen», so Conrad.

Auch CVP-Fraktionschef Jürg Luthiger sagt, dass Burkard in Horw unbekannt sei. «Das muss aber nicht schlecht sein. Auch Markus Hool hat man in der Gemeinde kaum gekannt, und er hat seine Sache sehr gut gemacht», so Luthiger. Die CVP selber stelle keinen Kandidaten für das Präsidium, weil Gemeinderat Hans-Ruedi Jung und Kandidat Thomas Zemp diesem Amt keine hohe Priorität geben. Und: «Wir wollen die wichtigen Departemente Finanzen und Bau behalten», erklärt Luthiger. «Das Präsidium ist dagegen in erster Linie repräsentativ.»

Nach der CVP die zweitstärkste Partei in Horw ist die L20. Der bisherige Gemeinderat Oskar Mathis (Sozialvorsteher) möchte nicht Präsident werden. «Und wir finden, dass es jemand sein soll, der in der Gemeinde eine höhere Bekanntheit geniesst», sagt L20-Einwohnerrat Hannes Koch (L20), der den Rat aktuell präsidiert. Da nun mit Ruedi Burkard ein Unbekannter kandidiere, sei es nicht ausgeschlossen, dass die L20 im zweiten Wahlgang doch auf das Präsidium schiele, so Koch.

Gemeinderat und Kantonsrat?

Ruedi Burkard ist in Luzern wohl bekannter als in Horw. Schliesslich ist er seit Jahren Speaker des Luzerner Fasnachtskomitees (LFK). Zudem ist er Ehrenmitglied der Maskenliebhaber-Gesellschaft, wo er 2000 bis 2003 Präsident war. Sportlich betätigte er sich jahrelang beim HC Kriens, heute ist er dort Speaker. Burkard arbeitet seit 2013 beim Kissen- und Matratzenhersteller Elsa. Davor war er bei der Firma CKW Connex in der Geschäftsleitung tätig. Bei Elsa bliebe er auch im Falle einer Wahl als Gemeindepräsident angestellt, allerdings nur noch 30 Prozent. Ob er auch noch Kantonsrat bliebe, sei hingegen offen, so Burkard. Er möchte nämlich auf seine Kollegen in der Exekutive hören: «Wenn der Gemeinderat will, dass ich im Kantonsrat bleibe, bleibe ich. Falls es aber dort kritische Worte gäbe, würde ich aus dem Kantonsrat austreten.» Klar ist für ihn aber: «Ich ziehe zwei verschiedene Hüte an, denn im Kantonsrat bin ich nicht als Gemeindevertreter gewählt und muss dafür schauen, die beste Lösung für den Kanton zu finden.»

Und was sagt der designierte Gemeindepräsident auf die Kritik, man kenne ihn in Horw nicht? «Ich bin weder im Gewerbeverein noch im Jodelclub, das stimmt. Jedoch bin ich nach acht Jahren im Einwohnerrat und sieben Jahren im Kantonsrat bestimmt kein Unbekannter.» Und warum sieht er sich gleich als Gemeindepräsident? «Ich glaube, dass ich der Richtige für dieses Amt bin.»

Raphael Gutzwiller