HORW: Stolze Preise im Hochhaus

Für den Neubau des Hochhauses im Zentrum Horw fehlt noch die Bewilligung. Doch die Wohnungen sind schon ausgeschrieben: Für bis zu zwei Millionen Franken.

Raphael Gutzwiller
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So soll das Horwer Hochhaus aussehen. (Bild: Visualisierung: PD)

So soll das Horwer Hochhaus aussehen. (Bild: Visualisierung: PD)

Im Horwer Zentrum ist ein 44 Meter hohes Haus geplant. Es wird das erste Hochhaus in der Gemeinde Horw. Doch ob es tatsächlich gebaut werden kann, ist noch ungewiss. Gegen das Haus sind vier Einsprachen eingegangen (Ausgabe vom 9. Februar). Gemäss Angaben der Bauherrin, der Thurgauer HRS Real Estate AG, geht es bei den Einsprachen primär um gestalterische Anliegen, wie die Dach- und Fassadengestaltung sowie die Höhe des Gebäudes.

Bürofläche kostet 3,2 Millionen

Die Baubewilligung ist noch immer nicht erteilt, wie es bei der Firma HRS auf Anfrage heisst. «Wir gehen davon aus, dass die Einsprachen bald erledigt sind», sagt HRS-Mediensprecherin Cornelia Ackermann. Auch die Gemeinde Horw bestätigt, dass die Baubewilligung für den hohen Bau noch nicht vorliegt.

Trotzdem sind die Wohnungen des Hochhauses auf der Homepage der Firma Stalder Immobilien bereits ausgeschrieben. Fast zwei Millionen Franken kostet die 4?-Zimmer-Wohnung in der obersten Etage des Hochhauses – das sind auf die Nettowohnfläche gerechnet rund 17 400 Franken pro Quadratmeter. Die Immobilien-Beratungsfirma Wüest und Partner hat Wohnungspreise in der Gemeinde Horw analysiert. Bei der Analyse liegen bereits Eigentumswohnungen über 11 100 Franken pro Quadratmeter im teuren Segment. In diesem Rahmen bewegen sich die Wohnungen der unteren Stockwerke: Im 5. Stock bezahlt der Käufer 11 560 Franken pro Quadratmeter. Bei neu gebauten Wohnungen an bester Lage sei es grundsätzlich so, dass sie im teuersten Segment liegen, sagt Jacqueline Schweizer von Wüest und Partner. «Insofern liegen die Wohnungen im 5. Stock innerhalb unserer Preisspanne.» Das Erdgeschoss des hohen Hauses, wie das Hochhaus von der HRS und der Gemeinde Horw bezeichnet wird, soll als Bürofläche genutzt werden. Die 411-Quadratmeter-Fläche kostet rund 3,2 Millionen Franken.

Was sagt die Gemeinde zu den auch für Horwer Verhältnisse hohen Wohnungspreisen? «Das Haus war von uns nie für günstigen Wohnraum vorgesehen», sagt Gemeinderätin Manuela Bernasconi (CVP). «Im Ortskern soll durchmischtes Wohnen möglich sein, und alle Bedürfnisse der Bevölkerung sollen befriedigt werden können.»

Ausschreibung nicht unüblich

Die Wohnungen stehen bereits jetzt zum Verkauf, obwohl noch Einsprachen hängig sind. «Dass bereits vor der Baubewilligung Wohnungen zur Reservation ausgeschrieben sind, ist nicht aussergewöhnlich», sagt Rechtsanwalt und Baurechtsexperte Mischa Berner von der Advokatur Walder Haas Berner AG in Sursee, Willisau und Zofingen. Der Reservationspreis für die Wohnungen werde dann, wenn die Baubewilligung nicht erteilt würde, hinfällig. Berner: «Dann müsste der Verkäufer der Wohnungen den Preis für die Reservationen zurückerstatten.» Zudem würde die Reservation in vielen Fällen zum Kaufpreis dazu gerechnet und einzeln nur dann fällig, wenn der Käufer sich gegen die Wohnung entscheidet. «Bei Nichterteilung der Baubewilligung ist der Vertrag allerdings unmöglich und gemäss Obligationenrecht nichtig», so Berner. Solche Reservationen der Bauherrschaft würden oft dazu dienen zu analysieren, ob das Projekt realisiert werden soll. «Dies ist meist dann der Fall, wenn die Finanzierung des Objektes noch nicht gesichert ist», so Berner. Dann werde mit dem Baubeginn oftmals gewartet, bis die Hälfte der Wohnungen reserviert oder verkauft sind.

Bauzeit von bis zu zwei Jahren

Wird sich nun der Bau verzögern? Cornelia Ackermann von der Firma HRS sagt einzig: «Sobald die Baubewilligung vorliegt, rechtsgültig ist und wir alle Auflagen kennen, kann das weitere Vorgehen definiert werden.» Die HRS Real Estate AG rechnet aber mit einer Bauzeit von 1,5 bis 2 Jahren. Das 985 Quadratmeter grosse Stück Land kostet HRS stolze zehn Millionen Franken.

Das neue Hochhaus im Horwer Dorfzentrum wird auch architektonisch für Aufsehen sorgen (siehe Visualisierung). Hinter den Entwürfen steckt das Zürcher Architekturbüro von Tilla Theus. International bekannt wurde es mit dem Bau des Hauptsitzes des Weltfussballverbandes Fifa in Zürich.