Horw
Technik soll den Menschen dienen – und nicht umgekehrt

Ein Anlass der Hochschule Luzern zeigt, wie der technische Fortschritt unseren Alltag verändern kann. Andrea Weber Marin, Vizedirektorin der Hochschule Luzern – Technik & Architektur, gibt Auskunft.

Interview: Stefan Dähler
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Am 19. Oktober organisiert die Hochschule Luzern – Technik & Architektur auf dem Campus in Horw ihren ersten öffentlichen Anlass seit der Pandemie. Am «Abend der Wirtschaft» geht es darum, wie neue Technologien den Alltag der Menschen verbessern sollen.

Mit dieser Anwendung können Querschnittsgelähmte virtuelle Wanderungen unternehmen.

Mit dieser Anwendung können Querschnittsgelähmte virtuelle Wanderungen unternehmen.

Bild: PD/Zentrum für Schmerzmedizin

Dabei werden auch Prototypen gezeigt, welche die Hochschule gemeinsam mit Firmen oder Gesundheitsinstitutionen entwickelt hat. Zum Beispiel ein Stuhl, der sich mittels Sensoren an den Körper anpasst, eine Anwendung, mit der Paraplegie-Patienten eine virtuelle Wanderung machen können und dank der simulierten Bewegung eine Steigerung des Wohlbefindens erzielen. Oder ein Tool zur Schaffung einer angenehmen Raumatmosphäre mittels Farben in Spitälern. Andrea Weber Marin, Vizedirektorin und Leiterin Forschung und Entwicklung der HSLU Technik & Architektur, gibt Auskunft über die Möglichkeiten und Pflichten der technischen Innovationstreiber.

Andrea Weber Marin, Vizedirektorin und Leiterin Forschung und Entwicklung der HSLU Technik & Architektur.

Andrea Weber Marin, Vizedirektorin und Leiterin Forschung und Entwicklung der HSLU Technik & Architektur.

Bild: PD

Wie werden technische Innovationen unseren Alltag in den nächsten Jahren verändern?

Andrea Weber Marin: Die Grenzen zwischen Technik und Gesellschaft lösen sich immer mehr auf. Technik wird Teil des Alltags, was man bereits am Beispiel des Smartphones gut sieht. Das Ziel muss dabei sein, dass die Technik im Dienst des Menschen steht und nicht umgekehrt. Sie soll nicht etwas vorgeben, was man eigentlich nicht will, beispielsweise das Aufgeben der Privatsphäre.

Wie kann man das erreichen?

In der Forschung müssen wir schauen, dass bei der Entwicklung technischer Innovationen die Bedürfnisse der Zielgruppen berücksichtigt werden. Dazu müssen wir mögliche Nutzende im Prozess miteinbeziehen, etwa, indem sie Prototypen testen können. Weiter müssen ethische und ökologische Kriterien mehr Gewicht erhalten. Dafür braucht es auch Regulierungen.

Vom Staat?

Hier sind alle gefragt: Die Universitäten und Hochschulen brauchen interne ethische Richtlinien. Solche sind oft schon vorhanden. Es braucht staatliche Regeln und auch ein Bekenntnis der Wirtschaft, wo es punkto Nachhaltigkeit noch Nachholbedarf gibt.

Besteht nicht ein Widerspruch zwischen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit?

Das kommt auf die Betrachtung an. Rechnet man die Vollkosten ein, lohnt sich Nachhaltigkeit in den meisten Fällen. Eine Reduktion des CO2-Ausstosses etwa führt auch zu Kostensenkungen. Problematisch ist, nur das Jahresbudget im Auge zu haben. Änderungen benötigen oft mehr Zeit.

Der Abend der Wirtschaft ist der erste grössere öffentliche Anlass der Hochschule seit Corona. Wie hat sich die Pandemie auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Wir entwickeln Produkte gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus der Wirtschaft. Einzelne Firmen hatten finanzielle Probleme und stellten Projekte ein, doch im Grossen und Ganzen gab es keinen spürbaren Einbruch von Firmenanfragen. Die Arbeitsweise war natürlich wegen Homeoffice anders, wir konnten etwa weniger praktisch in Labors oder in der Produktion unserer Partnerfirmen arbeiten. Workshops konnten wir online zwar durchführen, aber so ist es schwieriger, Emotionen und Reaktionen einzufangen. Andererseits erhielt ich Rückmeldungen, dass Mitarbeitende zu Hause fokussierter arbeiten konnten. Jetzt wollen wir uns aber wieder vermehrt treffen.

Infos zum Anlass finden Sie auf der Website der HSLU – Technik & Architektur unter Veranstaltungen: www.hslu.ch/de-ch/technik-architektur