Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

HORW: Um jede Parzelle wird gekämpft

Die Halbinsel liess vor 50 Jahren Städte­planer träumen – aber auch Naturschützer entdeckten den schönen Flecken. Seither ist er ein politisches Dauerthema.
Winkel_Horw

Winkel_Horw

Simon Bordier

Im Herbst stimmen die Horwerinnen und Horwer über den Bebauungsplan Winkel ab. Dieser soll am Seeufer neben dem Hotel Sternen den Bau von vier Wohnhäusern ermöglichen. Aus Sicht vieler Anwohner und Landschaftsschützer ist das Projekt «überdimensioniert», ja «grossklotzig». Auf der anderen Seite steht die Mehrheit des Gemeinderat und des Einwohnerrats: Für sie scheint es nur natürlich, dass am Horwer Seeufer verdichtet gebaut wird.

Kein anderes Thema hat die Horwer Bevölkerung in den letzten Jahren mehr gespalten als die Nutzung des grünen Sporns am Vierwaldstättersee. Es war Ende der 1960er-Jahre, als sich ein ideologischer Graben auftat. Der Gemeinderat hatte grosse Pläne: Horw sollte von damals 10 000 auf dereinst bis zu 40 000 Einwohner wachsen. Teil dieser Vision war auch die Halbinsel: Sie sollte entlang des Ufers einen Bauzonengürtel von 200 bis 500 Meter erhalten. Über eine Höhenstrasse wollte man das Gebiet neu erschliessen (siehe Grafik). Das Horwer Stimmvolk stimmte dem entsprechenden Bau- und Zonenreglement 1969 zu.

Ein Lehrer greift ein

Noch bevor der Bauboom um sich greifen konnte, trat der Horwer Lehrer Otto M. Bucher auf den Plan. «Das Bild des vollständig überbauten Zürichsee­ufers vor Augen, sammelte Bucher mit Hilfe seiner Familie und Schülern 26 600 Unterschriften für eine Petition zur Erhaltung der Horwer Halbinsel als regionalen Naherholungsraum.» So steht es in einer Würdigung des 2003 verstorbenen Aktivisten.

Bucher kam in seinem Kampf das 1973 erlassene Schutzzonenkonzept des Kantons entgegen. Denn das Bau- und Zonenreglement von Horw war mit diesem neuen Konzept nicht konform. Anwohner und Naturschutzorganisationen erhielten nun die Möglichkeit, Einspruch zu erheben. Dazu gründete Bucher im selben Jahr die Natur- und Landschaftsschutzorganisation Pro Halbinsel Horw, die noch heute aktiv ist. Von dieser Mitwirkungsmöglichkeit profitieren auch andere Organisationen, namentlich der Quartierverein Winkel, der Natur- und Vogelschutzverein Horw, die Genossenschaft Pro Zollhaus, der Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee, Pro Natura, WWF und der Verein Pro Seestrasse.

Mit den erwähnten Petitionsstimmen gelangte Bucher 1973 an den Regierungsrat. Damit konnte er den Bau der Höhenstrasse verhindern; doch das Bau- und Zonenreglement als Ganzes zu Fall bringen vermochte er nicht. Vielmehr kam es in den Folgejahren zu unzähligen Einsprachen, Referenden und Initiativen. Dabei standen die Horwer Stimmbürger oft, aber nicht immer, hinter den Anliegen der Anwohnerschaft und Landschaftsschützer. So lehnten sie 1977 mit 53 Prozent Nein-Stimmen einen Kaufvertrag ab, mit dem die Krebsbären-Krete oberhalb des Horwer Ortskerns als Naherholungsgebiet hätte erhalten werden sollen. Nach dem Urnen-Nein wurde das Gebiet teilweise überbaut.

Einen Erfolg erzielten die Landschaftsschützer 1980 mit ihrer Winkel-Initia­tive. Darin wurde die Rückzonung des Baulands am Hang oberhalb des Weilers Winkel verlangt. Die Vorlage wurde mit 52 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Auch zur Rückzonung von Bauland im Gebiet Felmis sagten die Stimmbürger 1989 mit 69 Prozent Ja.

Wiederholt gab es Pläne, Teile des Steinibach-Rieds zur Überbauung freizugeben und das Ried mit einer Strasse zu durchqueren. Zum Schutz des Biotops wurde 1987 eine Initiative lanciert. Sie wurde zurückgezogen, nachdem deren Hauptanliegen in einen Gegenvorschlag des Gemeinderats aufgenommen worden war. Pläne für einen Sport- und Freizeithafen im Gebiet Ennethorw sorgten ebenfalls für hitzige Debatten. Gegner sahen die Umwelt im Horwer Seebecken beeinträchtigt – und überzeugten die Mehrheit der Horwer Stimmbevölkerung: 1996 sagte sie mit 63 Prozent Nein zu einer Hafenzone und 2009 mit 61 Prozent Ja zu einem Bau­moratorium für Hafenbauten bis 2022.

«Zu radikal»

Ein neues Kapitel wurde 2010 mit der Revision der Ortsplanung aufgeschlagen. Der Vorschlag des Gemeinderats für einen Freizeitpark im Felmis hatte im Vorfeld für Aufregung gesorgt, wurde aber bald wieder verworfen. Mit der überarbeiteten Planung wollte der Gemeinderat grundsätzlich dafür sorgen, «dass die Halbinsel grün bleibt». Ein Streitpunkt blieben fünf kleinere Gebiete, darunter 13 000 Quadratmeter Land im Felmis. Der Gemeinderat wollte diese Gebiete als Bauland einzonen und dafür andernorts auf der Halbinsel etwa gleich grosse Flächen auszonen. Der Verein Pro Halbinsel Horw be­absichtigte hingegen mit seiner Landschaftsschutzinitiative, jegliche Neu­einzonungen zu verhindern. Die Stimmberechtigten folgten der Empfehlung des Gemeinderats und lehnten die als «zu radikal» kritisierte Initiative ab.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.