HORW: Widerstand gegen neuen Horwer Dorfkern

Gegen den Bebauungsplan Dorfkern Ost sind verschiedene Einsprachen eingegangen. Neben der Verdichtung wird auch der alte Spycher zum Streitpunkt.

Beatrice Vogel
Merken
Drucken
Teilen
Der Spycher der Egli-Zunft an der Neumattstrasse im Horwer Dorfkern. (Bild: Dominik Wunderli (11. Januar 2017))

Der Spycher der Egli-Zunft an der Neumattstrasse im Horwer Dorfkern. (Bild: Dominik Wunderli (11. Januar 2017))

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Der Bebauungsplan Dorfkern Ost, der das Gebiet südwestlich der Horwer Pfarrkirche betrifft, soll schützenswerte Bausubstanz erhalten und bauliche Erneuerung ermöglichen. Daneben findet eine Verdichtung statt (Ausgabe vom 12. März 2016). Letztes Jahr wurde der Bebauungsplan öffentlich aufgelegt. In der Zwischenzeit sind sechs Einsprachen dagegen eingegangen.

Gemäss dem Horwer Bauvorsteher Thomas Zemp (CVP) stammen vier Einsprachen von Landbesitzern, die Interessen betreffend ihres Eigentums geltend machen. Zwei Einsprachen betreffen allgemeine Anliegen. «Diese bemängeln vor allem die Dichte, die durch die neu geplanten Gebäude entsteht, und fehlende Freiräume», sagt Zemp. So ist auf den zwei Grundstücken, auf denen das alte Pfarrhaus und das Villigerhaus stehen, der Bau von je einem zusätzlichen Haus vorgesehen. «Das Villigerhaus und das alte Pfarrhaus gelten als erhaltenswert. Da beide unter Auflagen aufwendig saniert werden müssen, sind die zusätzlichen Baukörper als Ausgleich gedacht – damit auf den Grundstücken auch Neues entstehen kann», erklärt Zemp. Die Verdichtung gehe den Einsprechern zu weit.

Parallelen zum Bebauungsplan Winkel?

Auch die linke Partei L20 kritisiert im Gemeindeblatt «Blickpunkt» den Bebauungsplan hinsichtlich der Dichte: «Es hat sich gezeigt, dass die Bevölkerung sich vehement gegen eine verdichtete Bauweise im Ortsteil Winkel wehrt – auch im Bebauungsplan Dorfkern Ost muss eine verdichtete Bauweise auf die Umgebung abgestimmt werden.» Bekannterweise hat das Stimmvolk den Bebauungsplan Winkel deutlich abgelehnt (Ausgabe vom 26. September).

Die geplanten Gebäudevolumen im Dorfkern würden das Mass der schützenswerten historischen Gebäude überschreiten. Sie verdrängten zudem wertvolle Grünflächen und Gartenanlagen. «Es besteht die grosse Gefahr, dass der Charme und der Charakter dieses Ortsteils für immer verloren geht», so das Fazit der L20.

Spycher stammt aus Ettiswil

Betroffen vom Bebauungsplan ist auch der Spycher der Egli-Zunft. Dieser soll gemäss Bebauungsplan nicht am heutigen Standort erhalten bleiben, weil er nicht zum historischen Dorfkern gehört. Der Spycher aus dem 18. Jahrhundert stammt aus Ettiswil, wurde in den 1980er-Jahren nach Horw gebracht und dient der Zunft als Vereinslokal.

Das Gebäude gehört der Zunft, der Boden der katholischen Kirchgemeinde. «Wir haben einen Mietvertrag mit der Kirchgemeinde», erklärt Zunftmeister Max Studhalter. «Soviel wir wissen, soll das Grundstück mittelfristig nicht bebaut werden, sodass der Spycher noch eine Weile stehen bleiben kann.» Trotzdem ist es möglich, dass er irgendwann weg muss, weshalb die Egli-Zunft Einsprache erhoben hat. «Der Spycher und der kleine Park, in dem er steht, sind sehr beliebt», so Studhalter. Zwar sei der Zunft bewusst, dass sie kaum rechtliche Chancen hat, trotzdem wolle sie versuchen, den Spycher zu erhalten. «Und wenn wir doch weg müssen, muss die Zunft entscheiden, ob der Spycher abgerissen oder versetzt wird.» Die Kirchgemeinde dagegen unterstütze den Bebauungsplan, sagt deren Präsident Michael Bussmann. Sie werde dereinst entscheiden, was mit dem Grundstück geschehen soll.

Gemeinderat bleibt zuversichtlich

Wie geht es jetzt weiter? «Wir versuchen jetzt, die Einsprachen zu bereinigen, damit wir den Bebauungsplan im Frühling dem Einwohnerrat vorlegen können», so Thomas Zemp. Bei grösseren Veränderungen aufgrund der Einsprachen müsste das Dossier allerdings nochmals aufgelegt werden.

Wird nach der Behandlung durch den Einwohnerrat das Referendum ergriffen, kommt es zur Volksabstimmung – wie beim Bebauungsplan Winkel. Dort muss der Gemeinderat nochmals über die Bücher. Zemp ist aber zuversichtlich, dass es für den Dorfkern keine Volksabstimmung braucht: «Der Bebauungsplan Dorfkern Ost ist nicht so umstritten wie jener zum Winkel.»