HORW: Winkel-Pläne unter Beschuss

Mit einer Petition wehren sich Anwohner gegen den Bebauungsplan Winkel. Die geplanten Gebäude seien zu massiv, so die Kritik.

Olivia Steiner
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So könnten die vier geplanten Häuser im Winkel dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung Andy Keller, Marques Architekten)

So könnten die vier geplanten Häuser im Winkel dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung Andy Keller, Marques Architekten)

«Masslos überdimensioniert und in keinem Verhältnis zum historischen Gebäudeensemble» – die Kritik am Bebauungsplan Winkel ist deutlich. So formuliert in einer Petition, lanciert von Bewohnerinnen des Winkel-Quartiers. Mitinitiantin Susanne Wicki Manser: «Wir sind nicht gegen eine Bebauung, aber sie muss massvoll sein.» Wicki, die keine direkte Anwohnerin ist und somit nicht durch eine eingeschränkte Aussicht durch die vier geplanten Häuser am See tangiert ist, sagt: «Die Bauten gliedern sich nicht in die Umgebung ein. Der historische Charakter der Siedlung wird massiv beeinträchtigt.»

Blick auf Ried verbaut

Konkret kritisieren die Petitionäre Folgendes: Im Grobentwurf Bebauungsplan, der vor zwei Jahren vorgestellt wurde, seien die Gebäudehöhe und die Dichte der Bebauung deutlich geringer gewesen. Damals habe man von maximal drei Vollgeschossen (unter Ausschluss von zusätzlichen Dach- oder Attikageschossen) gesprochen, im aktuellen Bebauungsplan seien bis zu fünf Geschosse und Gebäudehöhen von 15 Metern möglich. «Das steht in keinem Verhältnis zu den umliegenden Bauten, die meist zweistöckig, maximal dreistöckig sind.» Auch sei die Ausnutzungsziffer rund verdoppelt worden. «Es ist in den Sondervorschriften nicht angegeben, aber nach unseren Berechnungen liegt die Ausnutzungsziffer bei etwa 1, was mehr ist als in den meisten Zentrumszonen. Das ist schlicht unverständlich. Immerhin liegt das Gebiet in einer Kernzone, nicht in einer normalen Wohnzone.» Kritik üben die Bewohner auch an den zu kleinen Freihalteflächen. Wicki: «Der Blick von der Winkelstrasse auf das Ried und den See wird fast zugebaut. Spaziergänger müssen fast zirkeln, um noch etwas zu sehen.»

Kritik auch von Pro Halbinsel

Der Bebauungsplan Winkel wurde von der Gemeinde an einer öffentlichen Infoveranstaltung von Anfang April vorgestellt. Bis heute läuft das Mitwirkungsverfahren. Deshalb werden die Petitionäre heute die innert fünf Tagen über 280 gesammelten Unterschriften einreichen. «Wir erwarten aber noch einige mehr, die wir nächste Woche nachreichen», so Wicki. Denn gegen das Projekt hat sich breiter Widerstand formiert. So hat auch der Quartierverein Winkel eine Stellungnahme eingereicht, wie Präsident Jörg Gilg auf Anfrage sagt. «Wir wünschen uns ein massvolleres Projekt», so Gilg.

Aber auch der Verein Pro Halbinsel Horw ist mit dem vorliegenden Bebauungsplan nicht einverstanden, denn Natur- und Landschaftsschutz, aber auch die Wahrung des Ortsbildes seien gefährdet. Vereinspräsident René Gächter: «Die Durchblicke von der Winkelstrasse in Richtung See sind unzureichend. Das ist aber ein öffentliches Interesse.» Gächter sieht zwei mögliche Lösungen: Entweder sollen höchstens drei jeweils nur zwei- bis dreistöckige Gebäude erstellt werden oder ein ganz neues Konzept müsse erarbeitet werden. Der Verein Pro Halbinsel schlägt etwa vor, die Gebäude auf Säulen zu stellen, sodass der Blick auf das Ried und den See unter den Häusern hindurch möglich wird. «Das würde eine massvolle Anhebung der Ausnutzung rechtfertigen.»

Gefährdet Parkhaus das Ried?

Weiter befürchtet Pro Halbinsel negative Auswirkungen auf das Steinibachried, ein kantonales Naturschutzgebiet. Gemäss Bau- und Zonenreglement darf der Wasserhaushalt des Rieds nämlich nicht gestört werden. «Das ist aber der Fall, wenn wie geplant ein unterirdisches Parkhaus gebaut wird», so Gächter. Deshalb schlägt er vor, die Parkplätze in den Baubereich Nord zu verschieben.

Auch die Genossenschaft Pro Zollhaus hat sich im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens gegen den Bebauungsplan ausgesprochen. «Der Winkel ist ein sensibles Gebiet mit schützenswerten Objekten wie der Kapelle und dem Dormen-Haus. Die nun geplanten Häuser sind viel zu gewaltig und erdrücken die historischen Bauten wie das direkt angrenzende Zollhaus», sagt Präsident Herbert Blaser. Auch er betont, man sei nicht gegen eine Überbauung, aber sie müsse in ihren Dimensionen angepasst werden.

Gemeinderätin und Bauvorsteherin Manuela Bernasconi war gestern an der Klausurtagung und für eine Stellungnahme nicht erreichbar.