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HORW: Wo Haare schneiden zur Kunstform wird

200 Lernende leben ihr kreatives Können im Föhnen, Stylen, Toupieren aus. An der Haarkunst 18 gibt es für einmal auch nicht Alltagstaugliches zu sehen.
Hillary Allevato vom Coiffeurteam Graf in Luzern im Einsatz in der Horwerhalle. (Bild: Roger Grütter (Horw, 21. Januar 2017))

Hillary Allevato vom Coiffeurteam Graf in Luzern im Einsatz in der Horwerhalle. (Bild: Roger Grütter (Horw, 21. Januar 2017))

Da noch ein kurzer «Brush» aus der Spraydose, dort noch eine Haarnadel überprüft, eine Locke durch die Finger gezogen, die Toupierbürste kurz angesetzt. Es herrscht emsiges Treiben am Sonntagmorgen in der Horwerhalle. Nichts von Sonntagsruhe für die anwesenden und angehenden jungen Coiffeusen und Coiffeure – oder vielmehr: Haarkünstler. Mittendrin ist die junge Sempacherin Andrina Vogel. Immer wieder begutachtet sie mit kritischem Blick die Kreation, die da in knapp 40 Minuten unter ihren flinken Händen entstanden ist. Da bleibt keine Zeit, die Konkurrenz links und rechts zu beobachten, allenfalls gar «Werkspionage» zu betreiben.

Der Countdown läuft unerbittlich, der Speaker verkündet eben die letzten paar Minuten. Dann müssen die 3.-Lehrjahr-Coiffeur-Lehrlinge mit ihrer Aufgabe fertig sein. Ein letztes Mal wirft Andrina Vogel einen prüfenden Blick auf ihr Modell: Ja, sie ist offensichtlich zufrieden mit der Hochsteck-Kreation, die sie da mit der Haarpracht ihrer Kollegin Martina Stadelmann aufgebaut oder vielmehr hingezaubert hat. Die kunstvolle Galafrisur ergänzt das raffinierte Abendkleid ihres Modells perfekt. Aufatmen, einen Moment geniessen und dann geht’s über den Laufsteg, durchs Publikum – der Applaus darf genossen werden. Die Jury ergänzt ihre Notizen. Schön wäre es für Andrina Vogel, wenn ihre Nummer 3019 zu den drei Kreationen gehören würde, die gar einen Sonderpreis erhalten. Eine Rangliste gibt es nicht, dafür ein Diplom für die erfolgreichen Teilnehmer.

Alle zwei Jahre findet das Lehrlingsfrisieren statt – seit 1962 ist es die 55. Durchführung. «Toll. Wir haben über 200 Lernende vom ersten bis dritten Lehrjahr dabei», freut sich Erika Bruttel-Kurmann vom Organisationskomitee. Der Wettbewerb «Haarkunst 18» wird von der Zentralschweizer Sektion des Verbandes Coiffeur Suisse organisiert.

Frisieren ohne Alltagsgrenzen

Die Idee des Anlasses: Die Teilnehmer sollen selbstsicheres Auftreten auf der Bühne lernen, zudem bietet sich den Lernenden gleichzeitig eine ideale Vorbereitung für die Teil- respektive die Lehrabschlussprüfung. «Die Teilnahme ist freiwillig», sagt Erika Bruttel-Kurmann, die selber in Sempach einen Coiffeur-Salon führt. Andrina Vogel und ihre jungen Kollegen haben aber noch eine zusätzliche Motivation, dabei zu sein. «Für einmal können wir uns richtig ausleben. Kreationen erfinden und umsetzen, die im üblichen Alltag weniger gefragt sind. Das macht natürlich besonders Spass.»

«Dress to impress» war das Thema für das 3. Lehrjahr. «Frühlings- und Sommertrends» kreieren – dies die Aufgabe für das 2. Lehrjahr, «Trendiges Herren- und Damen-Brushing» war die Aufgabe für das 1. Lehrjahr. Kritisch begutachtet wurden die Kreationen des 3. Lehrjahres auch von ebendiesen Letzteren. Etwa von der 17-jährigen Valeria Gianguzzo. Sie steckt im 1. Lehrjahr, und sie hatte eben ihrer Kollegin Emma Gubser eine «freche, wilde Sommerfrisur» verpasst. Ja, sie ist glücklich in ihrem gewählten Beruf. «Schon als kleines Mädchen war für mich klar, ich will einmal Coiffeuse werden», berichtet sie lebhaft. «Meine Mutter hat diesen Beruf schon ausgeübt.» Ihr Ziel: «Selber einmal ein Geschäft haben.» Erika Bruttel-Kurmann bestätigt, dass die Möglichkeit, später selbstständig zu werden, für viele ein Anreiz sei, in den Beruf einzusteigen. Aber auch die verbesserten Arbeitsbedingungen und der gestiegene Lohn trügen zur gesteigerten Attraktivität des Berufs bei. Gerade auch bei jungen Männern. Schön wäre es gewesen, sagt Erika Bruttel-Kurmann, wenn die Einladung an die Oberstufenschulen in der Region noch mehr Echo ausgelöst hätte. Nun, einige Schüler waren da – sie haben sich davon überzeugen können, wie viel Kreativitätspotenzial in diesem Beruf tatsächlich drinsteckt.

Hannes Bucher

region@luzernerzeitung.ch

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