HORW: Zahlreiche Auflagen für Bauherrin

Die Gemeinde will das Areal an der Allmendstrasse im Baurecht an die Genossenschaft Pilatus abgeben. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge. Zu reden gab auch die Zahl der Parkplätze.

Stefan Dähler
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Die geplante 80 Meter lange Überbauung an der Allmendstrasse. (Bild: Visualisierung: Hofstetter AG, Horw)

Die geplante 80 Meter lange Überbauung an der Allmendstrasse. (Bild: Visualisierung: Hofstetter AG, Horw)

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Eine weitere Überbauung im Horwer Zentrum nimmt Formen an – wenn auch zwei Jahre später als erwartet. Anstelle der beiden Allmendhäuser, in denen heute Asylsuchende wohnen, entstehen gleich neben dem neuen Hochhaus 64 Genossenschaftswohnungen. Nach längeren Verhandlungen hat die Gemeinde Horw nun einen Baurechtsvertrag für die Abgabe des 2250 Quadratmeter grossen Grundstücks an der Allmendstrasse an die Baugenossenschaft Pilatus erarbeitet. Ursprünglich sollte dieser Mitte 2015 vorliegen.

Falls es keine Verzögerungen gibt, soll der Baubeginn nun im Frühjahr 2018 erfolgen, der Bezug ist im Herbst 2020 geplant. Die Überbauung wird 80 Meter lang sein und fünf Geschosse aufweisen, die Baukosten betragen rund 32 Millionen Franken. In der Mitte gibt es eine Unterführung, die unter anderem der Erschlies­sung der Migros dient.

25 Prozent der Bewohner müssen Rentner sein

Weiter ist eine Tiefgarage mit 52 Plätzen geplant. Diese sorgte denn auch für Diskussionen zwischen der Gemeinde und der Genossenschaft. «Trotz Nähe zu Bus und Bahn sind wir nach wie vor überzeugt, dass auch ältere Leute sehr gerne ihre Mobilität erhalten wollen», sagt Gianmarco Helfenstein, Präsident der Baugenossenschaft Pilatus und CVP-Kantonsrat. Mit der tiefen Parkplatzzahl trage man «ein nicht geringes Vermietungsrisiko».

Die Genossenschaft bezahlt künftig einen Baurechtszins von rund 175 000 Franken pro Jahr. Darin ist bereits ein Rabatt von 20 Prozent berücksichtigt. Im Gegenzug muss sie zahlreiche Auflagen einhalten, die ebenfalls für Diskussionen gesorgt haben. So müssen 25 Prozent der Bewohner Rentner sein. «Das Ziel ist daher, dass möglichst viele kleine Wohnungen entstehen, da diese den Bedürfnissen älterer Menschen eher entsprechen», sagt Gemeinderat Oskar Mathis (L20). Geplant ist, dass die Hälfte der Wohnungen 21/2 Zimmer aufweisen. «Allerdings haben kleinere Wohnungen auch höhere Investitionen zur Folge, da mehr Nasszellen, Küchen etc. gebaut werden müssen.» Darum sieht die Gemeinde als finanziellen Anreiz eine Sonderregelung für Kleinwohnungen vor: Bei einer Grösse bis zu 73 Quadratmetern beträgt die Mietzinsobergrenze 270 Franken pro Quadratmeter. Für das obige Beispiel ergibt dies eine Monatsmiete von 1640 Franken.

Bei grösseren Wohnungen liegt die Obergrenze bei 250 Franken pro Quadratmeter. Diese Bedingungen gelten übrigens auch für die Baugenossenschaften Familie und Steinengrund, die im Horwer Zentrum bereits Überbauungen realisiert haben.

Neben Rentnern sollen auch einkommensschwache Familien in die Überbauung einziehen. Das Einkommen der Mieter darf höchstens viermal höher sein als der Bruttomietzins. «Die Genossenschaft muss mit einem Mieterspiegel nachweisen, dass sie diese Auflagen erfüllt», sagt Mathis. Weiter sollen Wohnungen «in der Regel» nur an Personen vermietet werden, die seit mindestens zwei Jahren ihren Wohnsitz in Horw haben, so Helfenstein. Bei Verstössen kann die Gemeinde den Rabatt auf den Baurechtszins kürzen und im Extremfall gar das Baurecht kündigen. Eigentumswohnungen im Attikageschoss wird es keine geben, auch wenn die Genossenschaft gerne welche realisiert hätte.

Im Parterre sind 577 Quadratmeter Fläche für Gewerbenutzungen und Ateliers vorgesehen, diese können mit Einverständnis der Gemeinde auch verkauft werden. Geplant ist ein sogenanntes Mezzanin-Geschoss, also ein hohes Stockwerk mit Zwischenboden. So könnten Ateliers auch mit Wohnbereichen kombiniert werden, so Mathis. Vorgesehen ist, dass «kleinere Dienstleistungsbetriebe» dort einziehen, ergänzt Helfenstein. Weitere 876 Quadratmeter Fläche sind mehrheitlich für die Spitex Horw bestimmt. Diese Räume will die Gemeinde im Stockwerkeigentum erwerben. Der Kaufpreis steht noch nicht fest, er werde aber den Erstellungskosten entsprechen, die Genossenschaft macht keinen Gewinn damit, so Mathis.

Asylsuchende sollen möglichst lange bleiben

Derzeit wohnen rund 35 Asylsuchende in den Allmendhäusern. Wann diese abgerissen werden, steht noch nicht fest. «Mit dem Kanton ist eine sechsmonatige Kündigungsfrist festgelegt», sagt Mathis. «Die Asylsuchenden sollen dort so spät wie möglich ausziehen.» Das Ziel sei, an einem anderen Ort in Horw weiterhin «oberirdische» Plätze für Asylsuchende anzubieten, wenn auch in geringerer Anzahl, so Mathis.

Der Einwohnerrat behandelt den Baurechtsvertrag an der Sitzung vom 1. Juni.