Horwer Parlament versenkt die vom Gemeinderat geplante Kinderförderung

Die Gemeinde Horw wollte die offene Jugendarbeit auf Kindergärtler und Primarschüler ausdehnen. Doch im Parlament fand die Idee nur bei den Linken Anklang.

Roman Hodel
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Die Offene Jugendarbeit – im Bild das Schulhaus Zentrum – bleibt auch künftig den Oberstufenschülern vorbehalten. (Bild: hor)

Die Offene Jugendarbeit – im Bild das Schulhaus Zentrum – bleibt auch künftig den Oberstufenschülern vorbehalten. (Bild: hor)

Erst elfjährig und schon in Besitz eines Smartphones. Das ist heute keine Seltenheit. Nicht zuletzt deshalb werden Kinder immer früher mit Themen wie Medienkonsum, aber auch Sexualität, Suchtmittel oder dem Umgang mit Mobbing konfrontiert. Um früh mit der Prävention anzusetzen, wollte die Gemeinde Horw die bestehende offene Jugendarbeit zur offenen Kinder- und Jugendarbeit erweitern.

Dadurch hätten soziokulturelle Animatoren neu auch Primarschüler und Kindergärtler fördern und erreichen sollen. Zudem hätten sie insbesondere sozial benachteiligte Familien über mögliche Freizeitaktivi­täten informiert und deren Kinder zur Teilnahme animiert. Schliesslich war eine Info- und Koordinationsstelle geplant. «Die Jugendanimation betreut heute nur Kinder ab der ersten Sekundarstufe. So lange sollte man nicht zuwarten mit Prävention», sagte Gemeinderätin Claudia Röösli (L20) am Donnerstag im Horwer Einwohnerrat und fügte an:

«Dies wollen wir ändern, wenigstens zuerst einmal für die Fünft- und Sechstklässler, denn der Bedarf dafür ist ausgewiesen.»

Letzteres war zumindest dem entsprechenden Planungsbericht zu entnehmen. Diesen hat der Einwohnerrat zwar zur Kenntnis genommen – allerdings mehrheitlich ablehnend. Nur die L20 war dem Vorhaben wohlgesinnt. Es hagelte denn auch massiv Kritik von den anderen Parteien: «Die Grundidee ist zwar richtig und wichtig, denn es gibt benachteiligte Kinder, und da ist es bis zu einem gewissen Grad Aufgabe des Staates, zu helfen», sagte Markus Bider (CVP). Jedoch sei das heutige Angebot für Kinder in Horw mit Blick auf die Ganztagesbetreuung an den Schulen oder die vielen Vereine ausreichend. Zu begrüssen sei hingegen ein verbessertes Info- und Koordinationsangebot.

Die FDP wollte schon gar nicht auf das Geschäft eintreten, was aber abgelehnt wurde. «Wir haben doch Pfadi oder Jungwacht – man würde besser dies fördern», sagte Ulrich Nussbaum (FDP). Zudem existierten Angebote wie der Treffpunkt Rüteliwiese oder Familie plus. Er befürchtete eine Konkurrenz für die etablierten Vereine. Ruth Strässle (FDP) doppelte nach: «Ich habe selber drei Kinder – es gibt Sportwochen, Kreativwochen, Lager, Schulanlässe – unglaublich, wie viel den Kindern ja schon geboten wird.» Der SVP ist der Ausbau eines staatlichen Angebots generell suspekt – Oliver Imfeld kritisierte:

«Es ist eine Einladung an alle Eltern, Verantwortung an den Staat abzugeben.»

In seiner Partei tauchte auch die Frage auf, warum nicht die Schulsozialarbeit die Kinderförderung übernehmen könne. Imfeld fragte sich, wie hoch der Bedarf an diesem neuen Angebot überhaupt ist.

«Der Bedarf ist nicht aus der Luft gegriffen, es hat eine Analyse stattgefunden – und die Schulsozialarbeit hat andere Aufgaben», gab Richard Kreienbühl (CVP) zu bedenken, obschon er selber den Projektbericht ebenfalls ablehnend zur Kenntnis genommen hat. Zumindest ein bisschen konnte sich Jörg Conrad (SVP) im Namen der Gesundheits- und Sozialkommission für die Kinderförderung durch die Gemeinde erwärmen:

«Denn die öffentlichen Einflüsse auf die Jungen sind so gross wie noch nie – jeden Abend Krimis und Totschlag am TV, ganz zu schweigen von den Auswirkungen der Digitalisierung.»

Derweil wunderte sich Jonas Heeb (L20) über die breite Ablehnung: «Wir sind weit von den Idealvorgaben des Dachverbands offene Kinder- und Jugendarbeit entfernt. Das passt nicht gerade zu einer Gemeinde, die sich als familienfreundlich bezeichnet.» Von der umfassenden Kinderförderung würden laut Heeb alle profitieren, «nicht nur einzelne wie etwa bei den Steuerrabatten.»

Einige Traktanden später, bei der Beratung des Aufgaben- und Finanzplans, machte der Einwohnerrat der geplanten Kinderförderung definitiv den Garaus: Er halbierte den im Globalbudget vorgesehenen Betrag für das Jahr 2020 auf Antrag der CVP auf 30'000 Franken – die SVP wollte sogar auf 20'000 runter. «Das verbesserte Info- und Koordinationsangebot ist bekanntlich unbestritten und kann so finanziert werden, aber wir brauchen kein Geld für die Phasen 2 und 3», begründete Ivan Studer und meinte damit die Ausdehnung der offenen Jugendarbeit in zwei Etappen auf Primarschüler und Kindergärtler.