Kommentar
Horwer Ersatzwahl: Ein SVP-Desaster mit Ansage

Die SVP hat mit ihrem Kandidaten Oliver Imfeld kein glückliches Händchen bewiesen. Die L20 profitiert derweil von der Uneinigkeit der Bürgerlichen – und einer guten Kandidatur, schreibt Roman Hodel, Redaktor Stadt/Region Luzern, in seinem Kommentar.

Roman Hodel
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Roman Hodel.

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Für die SVP war am Sonntag ein schwarzer Tag. Sie, die ohnehin Mühe hat, in Gemeinde- und Stadträten Einsitz zu nehmen, ist in Horw ab Oktober nicht mehr am Regieren. Das ist unter dem Aspekt der Konkordanz zwar bedauerlich, aber nicht aussergewöhnlich: Die Linke kann davon auf Kantonsebene das gleiche Lied singen.

An der Nase nehmen muss sich in erster Linie die SVP selber. Sie bewies mit dem Kandidaten Oliver Imfeld kein glückliches Händchen. Das zeigte bereits das Resultat des ersten Wahlgangs. Gewiss, der Mann ist rhetorisch begabt, sattelfest in den Themen und umgänglich im direkten Kontakt. Doch für manche politisiert er zu rechts. Vor allem aber stiess er mit einzelnen Äusserungen etwa nach dem ersten Wahlgang nicht wenige Horwer vor den Kopf. Hinzu kam der Wirbel um das Wahlpodium. Es sind Dinge, die ihm geschadet haben.

Zwar kann es nicht sein, dass die anderen Parteien diktieren, wen man zu portieren hat. Andererseits ist es eine Binsenwahrheit, wonach gemässigtere Politiker bessere Chancen haben, gewählt zu werden. Denn wer in die Exekutive will, braucht Stimmen über die Parteigrenzen hinaus.

Alles richtig gemacht hat derweil die L20. Man kann ihr zwar vorwerfen, die Konkordanz nicht zu respektieren. Nur: Wenn die Bürgerlichen sich nicht einigen können und am Ende jeder gegen jeden schiesst, dann gibt es automatisch einen lachenden Dritten. Zumal die L20 eben auch im richtigen Moment den richtigen Kandidaten gebracht hat. Jörg Stalder hat mit seiner politischen Erfahrung und seinen fachlichen Qualitäten wohl längst nicht nur im eigenen Lager Stimmen geholt.

Klar ist: Die Gesamterneuerungwahlen nächstes Jahr werden spannend. Alle Bisherigen dürften erneut antreten. Und ebenso klar ist, dass die SVP ihren verloren gegangenen Sitz zurückholen will. Bloss, auf wessen Kosten? Eine Rechnung hätte sie eigentlich mit allen anderen Parteien offen.