Horwer Gemeinderat: Kaum im Amt, ruft für sie beiden schon wieder der Wahlkampf

Mit Claudia Röösli und Jörg Stalder politisieren erstmals zwei Linke im Gemeinderat. Sie sagen, weshalb dies auch künftig keine Übervertretung sei – und blicken zurück auf ihre ersten fünf Monate im Amt.

Roman Hodel
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Jörg Stalder und Claudia Röösli im Gemeindehaus.

Jörg Stalder und Claudia Röösli im Gemeindehaus.

Bild: Roger Grütter, Horw 11. Februar 2020 

Spricht man Claudia Röösli (L0) auf die bevorstehenden Wahlen vom 29. März an, dann sagt sie unverblümt: «Es stresst mich etwas – auch wenn viele auf der Strasse zu mir sagen ‹du wirst sowieso wiedergewählt›, denn sicher ist nichts.» Stress, weil schon wieder Wahlkampf angesagt ist. Man kann die 55-Jährige verstehen. Erst seit Oktober ist Röösli Sozialvorsteherin von Horw. Man kann aber auch die Aussagen auf der Strasse nachvollziehen – den Sitz von Oskar Mathis hatte sie im Mai mit einem Glanzresultat verteidigen können. 

Ebenso glänzend ist Röösli laut eigenen Angaben gestartet: «Dank den guten Mitarbeitenden um mich herum.» Als Beispiel nennt sie die wirtschaftliche Sozialhilfe. «Die meisten sind langjährige Angestellte, das ist ein gutes Zeichen.» Ihre Einarbeitungszeit war von kurzer Dauer: Rasch standen erste Geschäfte an. So die Verhandlungen zu den Pflegetarifen oder bald jene zu den Leistungsvereinbarungen mit der Spitex Horw für deren neuen Stützpunkt. Neben ihrem 70-Prozent-Pensum als Gemeinderätin ist die Pflegefachfrau und Wundexpertin immer noch 30 Prozent für die Spitex Stadt Luzern tätig. Das bedeutet manchmal lange Tage. «Doch die Arbeit als Sozialvorsteherin ist spannend und vielseitig – deshalb will ich mein Amt unbedingt weiterführen», sagt sie.

Zu dieser Arbeit gehören auch Dämpfer – den ersten hat Röösli bereits hinter sich: Der Einwohnerrat lehnte im November die Ausdehnung der offenen Jugendarbeit auf Kindergärtler und Primarschüler ab (wir berichteten). «Immer wenn es um Stellenerhöhungen geht, wird es im Parlament schwierig, das weiss ich als ehemalige Einwohnerrätin nur zu gut», sagt sie und räumt gleichzeitig ein, dass es wohl besser gewesen wäre, die Ausdehnung zunächst auf die Sechstklässler zu beschränken. Trotz des Neins wolle sie aus dem 2019 erarbeiteten Kinder- und Jugendleitbild aber «etwas Gutes» machen. Ebenfalls als gut bezeichnet Röösli die Zusammenarbeit im Gemeinderat, namentlich mit den drei Bürgerlichen:

«Ich hatte Bedenken, ob wir wohl öfter ausgegrenzt oder nicht die richtigen Diskussionen stattfinden würden – doch die ersten Sitzungen waren wirklich konstruktiv.»

Man merke, dass es hier um Sach- und nicht Parteipolitik gehe. Dennoch sei es ein Vorteil, dass mit Jörg Stalder ein Parteikollege in der Exekutive sitze. Ihr Vorgänger Oskar Mathis habe es alleine teils nicht einfach gehabt. 

Guter Umgang im Gemeinderat? Ja, da pflichtet Stalder bei: «Aber ab und zu gibt es sicher mal einen Ausreisser». Im Gegensatz zu Röösli hat der 54-Jährige für die L20 keinen Sitz verteidigt, sondern einen dazu gewonnen, jenen der SVP. Entschieden haben natürlich die Wähler – doch die Partei nutzte geschickt den Umstand, dass SVP-Kandidat Oliver Imfeld bei der Ersatzwahl letzten Mai im ersten Wahlgang nicht gut abgeschnitten hatte und bei allen anderen Parteien ohnehin nur wenig Kredit genoss. Im zweiten Wahlgang schickte die L20 ihren im Dorf bestens vernetzten und politisch erfahrenen Präsidenten für das frei werdende Immobilien- und Sicherheitsdepartement ins Rennen – und schaffte die Überraschung.

«Mein beruflicher Hintergrund kommt mir sehr gelegen», sagt der Architekt mit eigenem Büro nach fünf Monaten im Amt. So habe er in dieser ersten Zeit unter anderem diverse Miet- und Baurechtverhältnisse verlängert, den Kaufvertrag für den Spitex-Stützpunkt abgeschlossen und neue Lösungen zur Stärkung der Vereine finden können, so startet etwa der Verein Horban Gardening im April auf einem Gemeindegrundstück. Die Verwaltung, die er von seinem Vorgänger Robert Odermatt (SVP) übernommen hat, sei sehr gut geführt und arbeite mit einem Ziel – für die Horwerinnen und Horwer beste Dienstleistungen zu erbringen. «In Sachen Organisation sind Robert Odermatt und ich ähnlich unterwegs, aber ich setze die Schwerpunkte woanders», sagt Stalder und macht ein Beispiel:

«Das Flachdach des eben sanierten Mattli-Schulhauses in Kastanienbaum ist prädestiniert für eine Photovoltaikanlage. Wäre ich früher im Amt gewesen, hätte ich mich für eine solche stark gemacht.» 

Überhaupt soll die Gemeinde Horw ein Vorbild in Bezug auf erneuerbare Energien werden. Passend dazu will sich Stalder in der neuen Legislatur für eine bessere Aufenthaltsqualität im Horwer Dorfzentrum einsetzen, insbesondere im Hinblick auf die immer heissere Sommerzeit. Er denkt da an mehr Bäume und Grünanlagen, gerade auch im Gebiet Horw Mitte, wo momentan zahlreiche Neubauten in die Höhe wachsen – was in Teilen der Bevölkerung mitunter Unbehagen auslöst. «Ich merke selber, dass wir Gemeinderäte den Leuten viel erklären müssen, damit sie die Bautätigkeit als Chance und nicht als Bedrohung wahrnehmen», sagt Stalder. Verbesserungspotenzial sieht er überdies in der internen Kommunikation. «Man muss die Sparten besser aufeinander abstimmen.»

Stalder will am 29. März unbedingt wiedergewählt werden, «um Horw als lebenswerte Gemeinde weiterzuentwickeln». Dass die L20 keinen Anspruch auf zwei Sitze habe, wie manche Bürgerliche monieren, verneint er entschieden und verweist wie bereits nach seiner Wahl auf die über 30 Prozent Wähleranteil bei den Kantonsratswahlen 2019. Die Kandidatur von Astrid David Müller, die für die SVP den an Stalder verloren gegangenen Sitz zurückholen soll, macht ihn denn auch nur bedingt nervös. Er sagt: «Die Wähler haben mich im letzten Juni gewählt und gewisse Hoffnungen in mich gesetzt – um diese zu erfüllen, reichen die paar Monate bis jetzt niemals aus, deshalb habe ich ein gutes Gefühl.»

Hinweis: Bereits erschienen ist das Porträt der drei Horwer Gemeinderäte Ruedi Burkard, Hans Ruedi Jung und Thomas Zemp, die ebenfalls zur Wiederwahl antreten. Es folgt in den nächsten Tagen noch jenes der SVP-Herausforderin Astrid David Müller.

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