Horwer Grünliberale werden im Parlament von allen Seiten umgarnt

Alle Fraktionen bieten den beiden ersten Horwer GLP-Einwohnerräten Unterschlupf an - zwei davon sind besonders interessiert.

Roman Hodel
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Hier in der Aula des Schulhauses Zentrum finden die Horwer Einwohnerratssitzungen jeweils statt.

Hier in der Aula des Schulhauses Zentrum finden die Horwer Einwohnerratssitzungen jeweils statt.

(Bild: hor)

Mit Bier haben sie auf ihren erstmaligen Einzug in den Horwer Einwohnerrat angestossen, die Grünliberalen. «Allerdings nur per Skype», wie Präsident Daniel Rose sagt. Der Freude tat dies keinen Abbruch - auch wenn es für ihn als Fünftplatzierten nicht zur Wahl reichte. «Zwei Sitze lautete unser Minimalziel - gestützt auf die kantonalen und nationalen Erfahrungen - und das haben wir erreicht», sagt Rose. Zumal bei ihm der Draht seither heiss läuft, denn weil die GLP mit zwei Sitzen keine Fraktionsstärke aufweist, wird sie nun von allen Seiten umgarnt. «Andere Parteien standen deswegen schon vor den Wahlen mit uns in Kontakt, sagt Rose. «Dies werden wir nun vertiefen, es ist jedenfalls spannend.» 

Interessiert ist natürlich die grün-rote L20. Mit ihr sind die Schnittmengen laut veränderten Wahllisten am grössten. «Sofern wir genügend Übereinstimmung finden, werden wir vertiefte Gespräche führen», sagt L20-Einwohnerrat Martin Eberli. Seine Partei ist in Feierlaune - erstmals stellt sie mit 10 Sitzen einen Drittel des Parlaments und ist damit die grösste Fraktion. «Nach den Wahlen letztes Jahr durften wir mit Zuwachs rechnen», sagt Eberli und fügt an:

«Die L20 hat sich seit drei Jahrzehnten dank guter Gemeindepolitik und Engagement als grüne und soziale Kraft etabliert.»

Dass heute viele Fraktionsmitglieder jung sind, sieht Eberli als grosse Chance: «Unsere Altersdurchmischung ist ausgewogen. Von jungen Politikstudenten über Eltern von Schulkindern bis zum alt Gemeinderat sind alle dabei.»

Nichts zu feiern gibt es derweil bei der CVP: Sie verlor zwei Sitze und hat nun noch sieben. Die Gründe dafür ortet Präsident Ivan Studer an zwei Orten: «Urbane Gebiete ticken zunehmend rot-grün und die GLP mischt in Horw neu in der Mitte mit.» Von wegen Mitte: Man könne sich eine enge Zusammenarbeit mit der GLP vorstellen. Ein grosser Verlust bedeutet für die CVP-Fraktion die überraschende Abwahl von Markus Bider. Er ist seit 2009 im Rat, präsidiert die Geschäftsprüfungskommission und wäre im Juni zum höchsten Horwer vorgeschlagen worden. Warum es ausgerechnet ihn traf, darüber kann Studer nur mutmassen: «Als GPK-Präsident hat man zwar viel Arbeit, aber man steht selten im Rampenlicht.» Klar ist für Studer, dass die bürgerlichen Parteien mit Blick auf die neuste Entwicklung künftig enger zusammenarbeiten müssen.

Diese Forderung stellt SVP-Co-Präsident Reto von Glutz seit längerem - bisher vergeblich. Er sagt:

«Der Wahlsonntag dürfte ein Weckruf für alle Bürgerlichen sein. Wenn wir nicht politische Verhältnisse wie in Kriens wollen, müssen wir jetzt zusammenstehen.»

Bezüglich GLP zeigt sich von Glutz offen, «sollte die Partei auf uns zu kommen». Die SVP hat bei den Wahlen einen Sitz eingebüsst und kommt noch auf fünf Sitze. Abgewählt wurde mit Jörg Conrad ein Einwohnerrat, der seit 2011 engagiert im Parlament politisiert. «Offenbar wurde sein Schwerpunktthema Alterspolitik zu wenig gehört, das ist schade», sagt von Glutz. 

Auch bei der FDP, deren Fraktion von sieben auf sechs Mitglieder schrumpfte, wurde mit Ueli Nussbaum ein langjähriger Einwohnerrat abgewählt. Eine Erklärung hat Präsident Stefan Maissen nicht: «Zuerst müssen wir die Wahlen analysieren.» Auch für ihn ist klar, dass die Bürgerlichen die Zusammenarbeit in zentralen Themen verstärken müssen. Zudem sähe er die GLPler gerne bei ihnen, «sofern sie das Liberale hoch gewichten». Wenigstens etwas bereitete ihm am Wahlsonntag noch Freude:

«Der Frauenanteil in unserer Fraktion beträgt nun 50 Prozent.»

CVP empfiehlt im zweiten Wahlgang SVP-Kandidatin

Um den fünften Horwer Gemeinderatssitz zu besetzen, ist ein zweiter Wahlgang nötig. Der Kanton wird am 9. April über das weitere Vorgehen entscheiden. Klar ist: Die CVP wird SVP-Kandidatin Astrid David Müller im Sinne der Konkordanz zur Wahl empfehlen. Dies hat die Parteileitung am Montagabend beschlossen. Die FDP wird ihren Parteimitgliedern die gleiche Wahlempfehlung beliebt machen - wann die Versammlung stattfinden wird, ist noch offen. Das freut SVP-Co-Präsident Reto von Glutz, der diese Unterstützung aber auch erwartet. Die L20 wiederum setzt laut Parteisprecher Martin Eberli alles daran, um die Wiederwahl von Jörg Stalder zu sichern: «Er ist ein grüner Politiker, freier Unternehmer, seine Sachkompetenz ist anerkannt und er setzt als Pandemie-Verantwortlicher des Gemeinderats seine ganze Kraft zum Schutz der Bevölkerung ein.» Stalder hatte die Wiederwahl am Sonntag um 21 Stimmen verpasst.

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