HOTEL GÜTSCH: Wer hat beim «Gütsch» das Sagen?

Neu führt eine tschechische Firma den «Gütsch». Diese will erst einmal durchgreifen, wie der Geschäftsführer sagt.

Sarah Weissmann
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Das Château Gütsch in Luzern. (Bild: Roger Grütter/neue LZ)

Das Château Gütsch in Luzern. (Bild: Roger Grütter/neue LZ)

Sarah Weissmann

Mit dem Abgang des Hoteldirektors Olaf Galaburda wurde bekannt, dass ein neuer Protagonist im «Gütsch» am Drücker ist (Ausgabe von gestern). Die tschechische Firma Castle Holdings GmbH ist seit dem 1. Januar dieses Jahres für den Hotel- und Restaurantbetrieb zuständig. Somit sind inzwischen vier Unternehmen im Gütsch involviert. Richard Horton (52), Chef der Castle Holding, erklärt die Struktur auf Anfrage unserer Zeitung.

Ein Management plus Betreiber

Ganz oben an der Spitze steht der russische Besitzer Alexander Lebedew. Er ist Mitbegründer der russischen National Reserve Corporation (NRC) und kaufte das Luzerner Wahrzeichen im Jahr 2007 der UBS für einen der Öffentlichkeit unbekannten Preis ab. Die Château Gütsch Immobilien AG (CGI) sowie die Château Gütsch Management AG (CGM) sind Tochtergesellschaften der NCR und haben ihren Sitz in Luzern. Verwaltungsratspräsident der CGI und CGM ist der Brite Michael Millership. Geschäftsführerin der beiden Firmen ist die Deutsche Gesa Eichler. Sie sind die Repräsentanten des russischen Besitzers Lebedew und ihm unterstellt. Die CGI ist Eigentümerin der Immobilie und für diese zuständig, die CGM ist die Betriebsgesellschaft.

Michael Millership war es, der die tschechische Verwaltungsgesellschaft Castle Holdings GmbH engagiert hat. Besitzer dieser Firma sind der Kanadier Richard Horton und seine tschechische Frau Eva. Sie haben die operativen Aufgaben im «Gütsch» inne und betreiben das Hotel. «Es handelt sich dabei um eine sehr normale Hotelstruktur», erklärt Richard Horton. Ein Eigentümer, der kein erfahrenes Managementteam habe, würde oft ein unabhängiges Management-unternehmen engagieren, welches sich um das Tagesgeschäft kümmert. «Solche Unternehmen sind nicht im Besitz der Hotels, sondern managen anderer Leute Hotels, und das ist mittels Vertrag klar geregelt», so Horton.

Zwei Hoteltypen unterscheiden

Andreas Deuber, Leiter des Instituts für Tourismus und Freizeit an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur, ist Experte für Tourismusfinanzierung. Gemäss ihm gilt es, zwei Hoteltypen zu unterscheiden: neue, städtische Hotels, bei denen in der Regel Eigentum und Betrieb auseinanderfallen; und traditionelle, ländliche Hotels, die durch den Eigentümer selber geführt werden. «Im ersten Konzept ist auf der einen Seite der Eigentümer und auf der anderen das Management», erklärt Deuber. «Der Eigentümer besitzt das Hotel, und die Betriebsgesellschaft führt dieses, auf eigene Rechnung oder auf Rechnung des Eigentümers.»

Im Fall des Hotels Gütsch mit der Beraterfirma aus Prag handle es sich wohl um eine solche Konstruktion oder um ein Zwischenmodell. «Das ist nicht untypisch. Das ‹Gütsch› ist sehr klein und schwierig, profitabel zu führen», sagt Deuber. Für den Eigentümer dürfe es schwierig sein, einen Pächter zu finden oder einen Partner für einen Managementvertrag. Dies seien die beiden in der Hotellerie verwendeten Vertragstypen. «So hat man sich offenbar dafür entschieden, eine Beratungsgesellschaft – die tschechische Castle Holding – einzuschalten.» Welche Aufgaben diese genau hat, könne er ohne Einsicht in die Verträge nicht abschliessend beurteilen. «Typisch wären verschiedene operative Tätigkeiten, wie sie im Zusammenhang mit dem Betrieb eines Hotels anfallen. Es liegt im Interesse des Eigentümers, dass die beigezogene Beratungsfirma Erfahrung im Hotelmanagement hat, um dadurch das ‹Gütsch› auf den Erfolgspfad zurückzuführen.»

Castle stellt Mitarbeiter ein

Gemäss Richard Horton verlangt das Schweizer Gesetz in jedem Hotel einen Hotelbetreiber mit der entsprechenden Ausbildung oder mit umfangreicher Erfahrung im Betreiben eines Hotels, der auch die Wirtschaftsbewilligung innehat. Im «Gütsch» ist das Eva Horton. Sie habe sowohl die Bewilligung als auch 30 Jahre Betriebserfahrung. Mit Alexander Lebedew kam Richard Horton in Kontakt, als er Teil eines Investment-Teams war. «Wir haben in St. Petersburg ein historisches Gebäude aus dem 18. Jahrhundert restauriert und daraus das Radisson Royal Hotel entstehen lassen. Durch diese Arbeit wurde ich Alexander Lebedew empfohlen», sagt Horton.

Im Falle des Château Gütsch seien er und Eva Horton für das Tagesgeschäft verantwortlich und in regelmässigem Austausch mit Millership. «Castle Holding ist für das Wachstum und die Entwicklung des Hotels Gütsch verantwortlich. Wir sind deshalb auch für alle Mitarbeiter und deren Einstellungen sowie Entlassungen zuständig.»

Nur repräsentative Aufgabe

Was ist dann die Aufgabe des Hoteldirektors? Der Österreicher Tim Moitzi ist in der angelsächsischen Sprache der Hotel Manager beziehungsweise Resident Manager und somit der General Managerin Eva Horton unterstellt. Moitzi habe weder finanzielle Verantwortung, noch treffe er strategische Entscheidungen. Er hat eine repräsentative Aufgabe und ist vor Ort dafür zuständig, dass das Tagesgeschäft funktioniert.

Horton sagt, er sei sich bewusst, dass das Château Gütsch in den letzten Jahren für grosses Aufsehen sorgte, und räumt ein, dass das Unternehmen Fehler gemacht habe. «Es ist nun die Aufgabe von Castle Holdings, diese Fehler zu korrigieren und das Unternehmen mit einer starken und gesunden finanziellen Basis zu positionieren.» Zudem sei in der Vergangenheit zu viel Personal eingestellt worden. Als Folge hat die Holding nun Personal abgebaut.

Die Kritik der Kunden am Restaurant wird auch berücksichtigt: «Zwar stimmt die Qualität der Lebensmittel und das Präsentieren der Menüs. Doch wurde kritisiert, dass die Portionen zu klein und zu teuer sind und der Service zu langsam ist», so Horton. Deshalb arbeite man zurzeit an einer neuen Menükarte. Lokale Küche mit herausragender Qualität und schnellem Service lautet das Motto. «Deshalb haben wir beschlossen, einen neuen Küchenchef einzustellen», erklärt Horton. Der jetzige Küchenchef Andreas Haseloh habe sich entschlossen, das «Gütsch» auf Ende März zu verlassen. «Wir suchen nach jemandem, der aus Luzern kommt und internationale Erfahrung mitbringt.» Wie unsere Zeitung aus sicherer Quelle weiss, ist ein Luzerner im Gespräch.