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HOTELS: Hotel Palace steht vor Besitzerwechsel

Der chinesische Unternehmer Yunfeng Gao schickt sich an, das Luzerner Fünfsternehotel Palace zu erwerben. Der Kauf steht offenbar vor dem Abschluss.
Rainer Rickenbach
Das Hotel Palace in Luzern könnte noch in diesem Jahr den Besitzer wechseln. (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ))

Das Hotel Palace in Luzern könnte noch in diesem Jahr den Besitzer wechseln. (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ))

Rainer Rickenbach

Toni Bucher von der Sarner Eberli AG bestätigt, dass die Kaufverhandlungen für das traditionsreiche Luzerner Luxushotel bereits sehr weit gediehen sind. «Unter Dach und Fach ist der Kauf zwar noch nicht. Doch sollte ihm eigentlich nichts mehr im Weg stehen», kommentiert Bucher Recherchen unserer Zeitung. Er gehört dem Verwaltungsrat der Frutt Resort AG an, deren Präsident der chinesische Geschäftsmann Yunfeng Gao ist.

Drei Hotels in der Zentralschweiz

Der Aktiengesellschaft gehören das Hotel Frutt Loge und Family Lodge auf der Melchsee-Frutt, im Familienhotel geht nächste Woche die Eröffnungsparty über die Bühne. Gao steht auch hinter dem Engelberger Hotelprojekt am Kurpark, dessen Um- und Neubau nach Verzögerungen durch Einsprachen auf den nächsten Frühling terminiert ist. Die Hotels auf der Frutt hat Gao vor drei Jahren für 52 Millionen Franken erworben, das Engelberger Projekt ist mit 100 Millionen Franken veranschlagt.

Mit dem Hotel Palace käme eine Hotelgruppe von drei Häusern in der Viersternehotel-Plus- und der Fünfsternehotel-Kategorie zusammen. «Die drei Destinationen repräsentieren für mich die Vielfalt und die Schönheiten der Zentralschweiz», lässt sich Gao zu den Beweggründen der konkreten Kaufabsicht zitieren. Das «Palace» hält er für ein «Architektenjuwel an bester Lage», das er unbedingt als Hotel erhalten wolle. Die Geschichte des Luxushauses reicht 111 Jahre zurück, das Grundstück an bester Lage am Ufer des Vierwaldstättersees umfasst knapp 3300 Quadratmeter.

Immobilienfonds besitzt «Palace»

Grundstück und Gebäude befinden sich heute im Besitz von Credit Suisse Immobilienfonds CS REF Hospitality. Dort äussert man sich noch nicht zum Besitzerwechsel. Die strikten Börsenregeln untersagen der Grossbank, sich zu äussern, bevor die Verkaufstrans­aktion ihr gutes Ende genommen hat. Der Fonds hat die Immobilie im Sommer 2011 erworben, der damalige Kaufpreis dürfte bei rund 30 Millionen Franken gelegen haben. Seither flossen jedes Jahr mehr als 1 Million Franken in Sanierungs- sowie Renovationsarbeiten. Es gilt indes als offenes Geheimnis: Der Immobilienfonds verfolgt eine neue Strategie. Darin spielen Hotelliegenschaften eine weniger bedeutende Rolle als heute. Verkaufsgerüchte zum «Palace» gibt es darum schon seit einigen Wochen (Ausgabe vom 4. Oktober).

Erworben hatte der CS-Fonds vor vier Jahren das «Palace» von der Hotelgruppe Victoria Jungfrau Collection. Diese wurde vor zwei Jahren zu einem Übernahmekandidaten und kam in den Besitz der Westschweizer Gruppe Aevis Victoria. Seither betreibt die Hotelgruppe das «Palace» als Aevis-Tochtergesellschaft. Die zuletzt ausgewiesenen Zahlen der Victoria Jungfrau Collection zeigen, wie das «Palace» – wie viele Schweizer Luxushotels – mit stagnierenden bis rückläufigen Umsätzen und Gästeübernachtungen zu kämpfen hat (Grafik). Hauptursache dafür sind die Eurokrise und der als Folge davon starke Franken.

Neuer Besitzer übernimmt Personal

Die Victoria Jungfrau Collection wird nach dem sich abzeichnenden Besitzerwechsel das «Palace» weiter betreiben. «Gao hat signalisiert, Personal und Management zu übernehmen», so Bucher. Im «Palace» sind 110 Mitarbeitende beschäftigt. Sie werden in diesen Tagen über den Besitzerwechsel informiert.

Der chinesische Geschäftsmann plant, mittelfristig eine zweistellige Millionensumme in die Hotelliegenschaft zu investieren. Saniert werden unter anderem die 20 der insgesamt 129 Gästezimmer und Suiten, wo die Handwerker noch nicht am Werk waren. Das Sanierungsprogramm umfasst zudem die Lagerräume, die Küche und den Eingangsbereich der Restaurationsbetriebe. Die Fassade und das Dach sollen ebenfalls überholt werden.

Als Zielpublikum haben Gao und Bucher die internationale Kundschaft im Visier. Von den Verbindungen Gaos in seiner Heimat verspricht man sich, wohlhabende Chinesen ins «Palace» zu lotsen. Luzern Tourismus dürfte dieser Teil der Strategie gefallen, denn für die Tourismusvermarkter ist es wichtig, nach den Gruppentouristen auch mehr gut betuchte Kleingruppen und Alleinreisende aus dem Reich der Mitte nach Luzern zu bringen. Ein weiterer Fokus gilt den traditionellen Märkten in Europa und Nordamerika sowie den arabischen Golfstaaten, von wo seit einigen Jahren eine zunehmende Gästezahl im «Palace» absteigt.

Treffpunkt für die Luzerner

Das «Palace» solle aber auch wieder zu einem Treffpunkt für die Einheimischen werden, sagt Bucher. «So wie es uns gelang, auf Melchsee-Frutt die einheimische Bevölkerung für das Hotel Frutt Lodge zu gewinnen, sollen sich die Luzerner im Hotel Palace wie Zuhause fühlen.» Für dieses Ziel beabsichtigen Gao und Bucher, das gastronomische Angebot und den Barbetrieb neu auszurichten. Einen Zeitplan für die Neuerungen gibt es noch nicht. Gemäss den Recherchen unserer Zeitung dürfte der «Palace»-Immobilien-Deal bis Ende Jahr in trockenen Tüchern sein. Die neuen Besitzer brauchen danach wohl noch ein Jahr für die Planung der Renovations- und Sanierungsarbeiten.

Gao investiert langfristig

Was die Stadthotels angeht, hat Luzern nicht nur gute Erfahrungen mit ausländischen Investoren gemacht. Die russischen Besitzer des «Gütsch» etwa sind recht eigenwillig zur Sache gegangen, gelten als unberechenbar, und eine gute Lösung von Bestand lässt noch immer auf sich warten.

Der chinesische Unternehmer Gao lasse sich mit den Russen nicht vergleichen, betont Bucher. «Ich kenne und schätze Gao seit Jahren. Sein Interesse gilt dem langfristigen Engagement. Die Beteiligung an der Eberli AG, der Kauf der beiden Hotels auf der Melchsee-Frutt und das Projekt Hotel am Kurpark in Engelberg machen es deutlich», so Bucher. Vor allem aber habe Gao in 20 Jahren eine Firma im Bereich der Lasertechnlogie mit 9500 Mitarbeitenden in seiner südchinesischen Heimatstadt Shenzhen aufgebaut (siehe Box).

Gao wurde vor zwei Jahren bereits einmal mit dem «Palace» in Verbindung gebracht. Damals hatte er vor, bei der Victoria Jungfrau Collection einzusteigen. Das Vorhaben zerschlug sich dann aber aus verschiedenen Gründen.

Der Investor aus China

Der chinesische Unternehmer Yunfeng Gao (49, Bild) und seine Familie sind mit der Schweiz eng verbunden. Er reist oft im Jahr hierher, manchmal begleiten ihn dabei auch seine Frau und seine zwei Kinder.

Industriefirma mit 9500 Leuten

Geschäftspartner Toni Bucher charakterisiert ihn als «zuverlässigen Schnelldenker und -handler». Gao gilt als einer der reichsten Chinesen, er taucht im Listing des amerikanischen Wirtschaftsmagazins «Forbes» unter den ersten 50 wohlhabendsten Geschäftsleuten im Reich der Mitte auf. Er hat in 20 Jahren das Firmenimperium Han’s Laser Technology mit heute rund 9500 Mitarbeitern aufgebaut. Kerngeschäft des Hightech-Unternehmens ist die Herstellung von Lasergeräten. Unter anderem beliefert er Apple-Zulieferer mit Lasergeräten, mit denen sich Leiterplatten für iPhones zuschneiden lassen. Schwerpunkt der Geschäfte bildet indes nicht der Export, sondern der chinesische Binnenmarkt. Die Firmengruppe ist auch in der Immobilienbranche tätig.

Gao hat Ingenieurwissenschaften und Betriebswirtschaft studiert und lehrte vor der Firmengründung an der Universität Nanking. Der Unternehmer lebt in Shenzhen, einer Millionenstadt, die an den Distrikt Hongkong grenzt.

Bild: Oliver Marx / Neue LZ

Bild: Oliver Marx / Neue LZ

Der Investor Yunfeng Gao möchte das Hotel Palace kaufen. (Bild: Roger Gruetter (Neue LZ))

Der Investor Yunfeng Gao möchte das Hotel Palace kaufen. (Bild: Roger Gruetter (Neue LZ))

Ein Mitarbeiter deckt die Tische im Frühstücksraum des Hotels Palace. (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ))

Ein Mitarbeiter deckt die Tische im Frühstücksraum des Hotels Palace. (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ))

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