HOTELS: Hotelgäste lassen Kurioses mitlaufen

«Souvenirs» wie Badetücher oder Seifen sind bei Hotelgästen beliebt. Doch auch überraschende Gegenstände landen schon mal im Koffer, wie Luzerner Hoteliers berichten.

Sarah Weissmann
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Auch bei ihm werden kuriose Gegenstände gestohlen: Markus Conzelmann, General Manager des Radisson Blu in Luzern. (Bild: Pius Amrein  / Neue LZ)

Auch bei ihm werden kuriose Gegenstände gestohlen: Markus Conzelmann, General Manager des Radisson Blu in Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Ob aus Nervenkitzel oder als Andenken: Hotelgäste lassen öfters mal ein Handtuch oder einen Bademantel – gerne auch mit dem Logo des Hauses – mitlaufen. Das sind auch die beliebtesten Hotel-«Souvenirs», wie eine neue, internationale Studie der deutschen Hotelbewertungs-PlattformWellness-Heaven.de ergeben hat. Unter den Top 5 sind weitere Gegenstände wie Kleiderbügel, Stifte und Besteck. Doch dabei bleibt es nicht immer: In einigen Fällen wurden laut der Studie sogar Kunstwerke, Fernseher und Matratzen entwendet.

Schweres Gerät entwendet

Eine Umfrage bei Luzerner Hotels durch unsere Zeitung zeigt: Auch hier haben die Gäste allerlei Ideen, was man aus dem Hotel doch alles auch für zu Hause brauchen könnte. Dies zeigt ein aktueller Fall im Hotel Radisson Blu in Luzern: «Soeben ist uns aufgefallen, dass einige Hanteln und eine Gymnastikmatte im Fitnessraum entwendet wurden. Das Gesamtgewicht der Beute beträgt zirka 20 Kilogramm», sagt General Manager Markus Conzelmann.

Ein interessantes Vorgehen wählten Gäste des Hotels Waldstätterhof.«Einmal haben Hotelgäste einen Bettüberwurf zur Schifffahrt mitgenommen und als Wärmedecke benutzt. Im Abreisestress haben sie diesen dann mitgehen lassen», sagt der Direktor Patric Graber. Man habe sie aber kontaktieren können, und die Decke fand ihren Weg wieder zurück. «Ein anderes Mal wurde ein Wasserkocher entwendet. Den haben wir den Gästen auf der Kreditkarte verrechnet. Dieses Vorgehen müssen wir aber sehr selten anwenden», so Graber, der auch Präsident des Verbandes Luzern Hotels ist.

WC-Papier gehortet

Im Hotel Park Weggis werden laut dem Vizedirektor Rolf Tinner nur wenige bis keine Verluste verbucht. Dafür ist es im Schwesterhotel Post in Weggis schon zu einem absurden Vorfall gekommen. «In unserem 4-Sterne-Hotel haben wir einmal bemerkt, dass Gäste WC-Papier und Kaffeekapseln, die wir gratis zur Verfügung stellen, gehortet haben», sagt Tinner. Ehe die Gäste ihr «Diebesgut» ausser Haus bringen konnten, wurde es von den Hotelangestellten entdeckt. Es würde sich jedoch immer um kleine Dinge handeln, die eingepackt werden. «Grösseres, wie beispielsweise ein Fernseher oder eine Playstation, ist noch nie abhandengekommen.»

Erinnerung an die Flitterwochen

Im Hotel Monopol in Luzern haben es die Gäste vor allem auf die Hotelwäsche abgesehen. «Wir müssen einmal jährlich Wäscheersatz bestellen. Aber auch Sparlampen sowie LED-Lampen werden gerne mal mitgenommen. Die LEDs gerade, weil sie zurzeit noch sehr teuer sind», sagt Direktorin Brigitte Heller.

Auch im Luzerner Romantik Hotel Wilden Mann fehlt laut dem Direktor Arno Affolter mal ein Handtuch oder auch ein Silberlöffel, doch sieht er das Positive an der Sache. «Wir haben alles mit unserem Firmenlogo angeschrieben, das ist dann auch ein Stück weit Werbung für unser Hotel. Immer wenn die Gäste das zu Hause benutzen, denken sie an uns.» In seiner Zeit als Hoteldirektor hat Affolter auch schon eine aussergewöhnliche Geschichte erlebt. «Ein Paar aus Amerika war bei uns in den Flitterwochen; neben ihrer Zimmertüre hing im Gang ein Kupferstich.» Plötzlich habe ein Mitarbeiter bemerkt, dass das Bild fehle. «Als die Gäste am nächsten Tag abreisen wollten, habe ich sie auf das Bild angesprochen und gefragt, ob ihnen etwas aufgefallen sei. Der Mann geriet in Verlegenheit und gestand mir, dass er das Bild eingepackt hatte, weil er es seiner Frau als Andenken an die Flitterwochen schenken wollte.»

Die Gäste des Hotels Ibis Styles Luzern City ihrerseits statten sich für ihre Tagesausflüge gerne mal mit etwas Proviant vom Hotelbuffet aus. «Für die Zwischenmahlzeit werden Joghurts oder Früchte mitgenommen, und der Löffel, den man zum Essen dafür benötigt, wird auch gleich entwendet», sagt der Direktor Peter Tanner.

Auch Mitarbeiter greifen zu

Dass sich nicht nur Hotelgäste gerne bedienen, weiss Bruno Hunkeler, Chef der Hunkeler Gastro AG in Luzern, welche Hotels und Restaurants mit Produkten versorgt. «Hoteliers mit vielen Saisonarbeitern berichten mir öfters, dass nach der Saison Besen oder Putzmittel fehlen», sagt Hunkeler. Zwischen den Nachbestellungen und allfälligem Diebstahl aus Hotels kann er zwar keine Verbindung herstellen. «Allerdings weiss ich, dass früher in Luzerner Hotels schon einmal Türgriffe und Garderoben abmontiert und gestohlen wurden.»

Einige der 711 Hoteliers, die an der Studie von Wellness Heaven teilgenommen haben, berichten ausserdem von skurrilen Diebstählen. So hätten Gäste eines Berliner Hotels «in hohem Masse handwerkliche Fähigkeiten aufbringen» müssen, um sämtliche Badarmaturen, darunter eine Hydromassage-Dusche, einen Toilettensitz, ein Abflussrohr oder gleich ein ganzes Waschbecken zu entwenden. In einem Hotel in Frankreich wurde ein Gast bei dem Versuch erwischt, einen ausgestopften Wildschweinkopf zu stibitzen.

Föhn für Schweizer unwiderstehlich

Weiter werden in der Studie auch die diebischen Vorlieben nach Nationalitäten unterteilt. So lassen die Schweizer am liebsten den Föhn in ihrem Gepäck verschwinden, während die Österreicher vor allem Geschirr und Kaffeemaschinen bevorzugen. Die Franzosen mögen es spektakulär: Sie lassen von allen Nationen mit Abstand am meisten Fernsehgeräte und Fernbedienungen mitgehen.