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HOTELS: So kam es zum Abriss des Luzerner Nobelhotels Tivoli

Heute schützt die Stadt Nobelhotels vor dem Abriss. Noch vor wenigen Jahren sah das ganz anders aus.
Luca Wolf
So wie auf dieser undatierten, vermutlich aus den 70er-Jahren stammenden Aufnahme hat das Hotel Tivoli lange ausgesehen. 1985 wurde die Fassade aufgestockt. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

So wie auf dieser undatierten, vermutlich aus den 70er-Jahren stammenden Aufnahme hat das Hotel Tivoli lange ausgesehen. 1985 wurde die Fassade aufgestockt. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Ab 2008 zogen in die neue Luxusresidenz die ersten Bewohner ein. (Bild: Roger Grüter / Neue LZ)

Ab 2008 zogen in die neue Luxusresidenz die ersten Bewohner ein. (Bild: Roger Grüter / Neue LZ)

Es darf in der Stadt Luzern keinen zweiten «Fall Tivoli» geben! Diese Forderung war in den letzten Monaten sowohl aus dem Stadthaus als auch quer durch die Parteien zu hören. Das 1838 erbaute und bis 1985 erweiterte altehrwürdige «Carlton Hotel Tivoli » an der Haldenstrasse 57 wurde 2003 abgerissen. An seiner Stelle baute die Karl Steiner AG 2008 eine Residenz mit 59 Wohnungen für Gutbetuchte.

Neue Zone verbietet Abriss

Der «Fall Tivoli» war nach der Umnutzung des nahe gelegenen Hotels Eden in ein Wohn- und Geschäftshaus für viele Politiker ein Argument für die umstrittene Tourismuszone. Diese Zone war Teil der vom Volk im Sommer 2012 angenommenen revidierten Bau- und Zonenordnung (BZO). 13 Nobelhotels, hauptsächlich entlang des Sees oder an speziellen Standorten wie auf dem Gütsch, dürfen neu nicht mehr abgerissen oder komplett umgenutzt werden. Nur wenn ein Gutachten aufzeigt, dass das Haus nicht mehr rentabel bewirtschaftet werden kann, ist eine Umnutzung erlaubt. Die Stadt will so verhindern, dass weitere Hotels an bester Lage aus Renditegründen zu Luxusresidenzen umgebaut werden. Entsprechende Entwicklungen waren bei den Hotels Palace und Europe im Gang – beim National gibts schon länger einen Teil mit Privatwohnungen. Gegen die Hotelzone gingen Einsprachen ein, bis zum Sommer entscheidet der Regierungsrat darüber.

Vorfreude auf gute Steuerzahler

Es darf also keinen zweiten «Fall Tivoli » mehr geben. Da könnte man meinen, dass sich die Stadt und die Politik damals mit Händen und Füssen gegen den «Tivoli»-Abriss gewehrt hätten. Doch falsch gedacht. Vielmehr freuten sich alle auf die zahlungskräftigen Bewohner der geplanten Luxussiedlung. So sagte der damalige Finanzdirektor Franz Müller 2003: «In Luzern mangelt es an Bewohnern mit starker Steuerkraft, die überdurchschnittlich zum Budget beitragen.» Und der damalige Baudirektor und «Vater» der Tourismuszone, Kurt Bieder, lobte «die hohe Qualität» des Neubauprojekts. Dass ein stolzes Seehotel verschwand, war damals keine Schlagzeile wert. Gestritten wurde zwar, aber wegen anderer Sachen. Etwa über Bäume, die als Ersatz auf dem Tennisclub- Areal gepflanzt werden sollten.

Glanzmann kaufte auch «Gütsch»

Rückblick: Ab Anfang 90er-Jahre gerät das «Tivoli», das während des Zweiten Weltkriegs als Internierten- und Rückwandererheim diente, in die Negativschlagzeilen. Das Haus gehört seit vier Jahrzehnten dem Hotelier Fritz Furler, in dessen Besitz sich auch das «Gütsch» und das «Wilden Mann» befinden. Wegen Nachfolgeproblemen sucht Furler einen Käufer für das «Tivoli» und das «Gütsch». Den Zuschlag erhält 1989 die bis dato völlig unbekannte Clamai Holding AG. Deren Präsident Bernhard Burkhart verspricht, die beiden Häuser sollten «noch besser» werden. Zirka 7 bis 10 Millionen Franken wolle man investieren. Doch wie ernst es Burkhart ist, woher er das Geld dazu hat und wer genau hinter der Clamai AG steht, darüber kursieren diverse Gerüchte. Kurze Zeit später übernimmt der Immobilienhändler Franz Glanzmann die Clamai AG. 1991 vergibt Glanzmann das «Tivoli » an die Rappi AG unter Lukas Kunz im Baurecht, 1994 kauft dieser das Hotel. Wegen Kunz’ Finanzproblemen geraten sich die Parteien aber heftig in die Haare. Schliesslich kauft sich 1995 die Clamai AG das «Tivoli» zurück. Allerdings nur, um es 1999 an die Karl Steiner AG zu veräussern. Deren erstes Konzept sieht vor: Ein Drittel des Gebäudes dient weiter als Hotel, zwei Drittel als Altersresidenzen. Das ist schnell Makulatur. Der damalige Stadtarchitekt Jean-Pierre Deville mahnt zwar noch, wichtig sei, abzuklären, was vom alten «Tivoli» erhalten werden könne. Vergebens. Nun heisst es seitens der Investorin, sanieren sei doch keine Option, die Bausubstanz viel zu schlecht. Auch Hotelzimmer sind keine mehr vorgesehen. Begründung: «In letzter Zeit sind hinreichend neue Hotels gebaut worden.» 2003 liegt die Baubewilligung vor – das Haus wird abgerissen.

2008 ziehen die ersten Bewohner in die neuen Wohnungen, die sich gut verkaufen. Wer Interesse hat: Aktuell steht eine 205 Quadratmeter grosse 4½-Zimmer-Mietwohnung frei. Geschätzter Mietpreis: zwischen 8000 und 12 000 Franken. Wie viel die Wohnung genau kostet, will die Verwaltung nicht sagen – aus Diskretionsgründen.

«Wir sahen das nicht als Problem»

Heute sagt alt Stadtrat Kurt Bieder zur stadträtlichen Kehrtwende in Sachen Abriss von Nobelhotels: «Damals schätzten wir den ‹Tivoli›-Abriss nicht als problematisch ein. Wir sahen das nicht als Präjudiz, sondern als Einzelfall.» Erst als weiteren Seehotels eine Umnutzung drohte, habe der Stadtrat begonnen, sich für den Erhalt der Liegenschaften einzusetzen. Der damalige Stadtarchitekt Jean-Pierre Deville fügt an: «Wir hatten dazumal rechtlich auch keine Möglichkeiten, den Abriss zu verhindern.

Aber wir konnten hohe Auflagen betreffend Qualität des Neubaus stellen.» Zudem hat die Stadt mit
der Investorin einen Deal ausgehandelt. Diese durfte das Bauvolumen erweitern, dafür trat sie der Stadt
gratis den 2300 Quadratmeter grosse Landstreifen zwischen Haldenstrasse und See ab. Dass mit Luxuswohnungen «erfolgreich» die Steuereinnahmen erhöht werden konnten, sei natürlich ebenfalls das Ziel der Stadt gewesen, so Bieder.

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