HÜSWIL: Einwohner schenkte Bauplatz für Kirche

Als einziges Dorf im Kanton besitzt Hüswil eine reformierte, aber keine katholische Kirche. Beim Bau des Gotteshauses spielten Berner eine wichtige Rolle.

Roseline Troxler
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Der reformierte Friedhof bei der Kirche in Hüswil sucht im Kanton Luzern seinesgleichen. (Bild Philipp Schmidli)

Der reformierte Friedhof bei der Kirche in Hüswil sucht im Kanton Luzern seinesgleichen. (Bild Philipp Schmidli)

Roseline Troxler

Die Kirche Hüswil ist von weitem sichtbar. Die von Architekt Albert Fiechter entworfene Kirche steht auf einem Hügel über der ehemaligen Käserei. Von dort schweift der Blick über das hügelige Napfbergland. Die Kirche Hüswil ist das religiöse Zentrum von Zell, Ufhusen, Luthern und Fischbach, der weitläufigen reformierten Diasporagemeinde Willis­au-Hüswil im Luzerner Hinterland.

75-Jahr-Jubiläum wird gefeiert

Dieses Jahr feiert die Kirche, die auf dem Gemeindegebiet von Zell steht, Jubiläum – das 75. Erbaut wurde sie kurz vor und während des Zweiten Weltkriegs. «Im Jubiläumsjahr wollen wir als Kirchgemeinde Willisau-Hüswil auch im kleineren Pfarrkreis Hüswil präsent sein», sagt Thomas Heim, Pfarrer von Hüswil. Rund 10 Prozent der Bevölkerung von Zell sind laut Heim reformiert – dies entspricht etwa dem Durchschnitt im Kanton Luzern.

An der Kirche Hüswil gefällt dem reformierten Pfarrer das viele Holz im Innern, das «Wärme ausstrahlt und dennoch schlicht wirkt». Ausserdem sei die Grösse – die Kirche bietet rund 150 Personen Platz – ideal. «Sie ist grösser als eine Kapelle, und man kommt sich dennoch nicht verloren vor.»

Gottesdienste auf Bauernhöfen

Zum 100-Jahr-Jubiläum der Kirchgemeinde Willisau-Hüswil hat deren ehemaliger Präsident, Heinz Kägi, die Geschichte aufgearbeitet. Zum Hüswiler Bau sagt er: «Das Kirchlein am Südhang des Dorfes wirkt trotz seiner bescheidenen Grösse erhaben.»

Bevor die Kirche gebaut wurde, haben die Reformierten im Grenzgebiet auf Bauernhöfen Gottesdienst gefeiert. Später stellte der Hüswiler Hans Düby in seinem Haus zwei Zimmer zur Verfügung. Im einen nahmen die Frauen Platz, im anderen die Männer. Der Pfarrer predigte von der Türschwelle aus. «Seit längerer Zeit bestand damals der Wunsch nach einer Kirche», sagt Kägi. In den späten 30er-Jahren begannen die Vorarbeiten für einen Kirchenbau. Dies, nachdem Hans Düby der Kirchgemeinde den Bauplatz auf dem Hügel am Dorfrand geschenkt hatte – mit der Bedingung, dort eine Kirche mit Friedhof zu errichten. Trotz Kriegsmobilmachung schritten die Arbeiten zügig voran. Spenden, kostenlose Holzlieferungen und Frondienstarbeiten ermöglichten neben Beiträgen der Berner Kirche und staatlichen Subventionen aus Gründen der Arbeits­beschaffung die Finanzierung. Im September 1940 konnte Hüswil seine Kirche einweihen. In den 50er-Jahren folgte der Pfarrhausbau, ein Jahrzehnt später ersetzte eine Orgel das Harmonium. «Vereine haben sich beteiligt, und Haussammlungen wurden durchgeführt», erzählt Thomas Heim.

Der von Düby gewünschte Friedhof grenzt an die Kirche Hüswil. Es ist der wohl einzige reformierte Friedhof im Kanton. «Im Jahr 2011 wurde hier erstmals ein Katholik beerdigt», sagt Heim.

Berner finanzierten Kirchenfenster

Der Kirchenbau in Hüswil gelang 1940 vor allem auch durch die Unterstützung von Bernern, die sich ennet der Grenze in den kirchlichen Hilfsvereinen organisiert hatten, sowie auf Initiative der Hinterländer Protestanten. Heinz Kägi erklärt: «Die ersten Reformierten im Luzerner Hinterland waren nach Gründung des Bundesstaates vor allem ­Berner Bauern.» Luzern litt unter den Folgen des Sonderbundkrieges. «So konnten Emmentaler Bauern günstig Heimätli im Luzernbiet kaufen.»

Das Juwel der Kirche Hüswil ist das Chorfenster «Jesus und die Familie» von 1943. «Der Wiggertaler Käserverband hat dieses gesponsert», erzählt Thomas Heim. Gemalt wurde es von Walter Soom aus Heimiswil. Der Pfarrer sagt zum Geschenk: «Die Käser hatten grösstenteils Berner Wurzeln. Sie waren reformiert und wollten daher auch den Kirchenbau in Hüswil unterstützen.»

Ein Geheimtipp für Brautpaare

Heute finden in der Kirche dreimal im Monat Sonntagsgottesdienste statt, weiter gibt es Gottesdienste für Kleinkinder und viermal pro Jahr einen Abendgottesdienst. Auch Hochzeiten finden immer wieder in Hüswil statt. Thomas Heim sagt: «Die Kirche ist für Brautpaare noch ein Geheimtipp.»

Seit einigen Monaten besitzt die Kirche Hüswil das Label «Velowegkirche». Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund zeichnet alle Kirchen aus, welche die Kriterien betreffend Öffnungszeiten, Raumgestaltung und Angebote für Velofahrer erfüllen. Thomas Heim erklärt: «Die Herzroute führt gleich neben der Kirche vorbei. Wir hoffen, dass wir Velofahrer mit dem Label zu einem Abstecher bewegen können. Im nächsten Jahr möchten wir für Velofahrer Neues bieten», sagt Heim. Seine Idee: einen Gottesdienst mit anschliessender Velotour.

Hinweis

Quelle: «Mach uns stark im Glauben – Das erste Jahrhundert der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Willisau-Hüswil», von Heinz Kägi. Ab Frühling ist die Kirche in Hüswil wieder täglich geöffnet.

Blick in die Kirche von Hüswil. (Bild Philipp Schmidli)

Blick in die Kirche von Hüswil. (Bild Philipp Schmidli)