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HUNDEGESETZE: Kampfhunde – die Zahl steigt im Kanton Luzern

In Zürich gibt es immer weniger umstrittene Hunderassen. Umgekehrt ist es in Luzern – wo es kein Verbot gefährlicher Hunde gibt.
Gabriela Jordan
American Pit Bull – in einigen Kantonen ein sogenannter Rassenlistenhund. (Bild: Keystone)

American Pit Bull – in einigen Kantonen ein sogenannter Rassenlistenhund. (Bild: Keystone)

Forderungen wie «Verbietet die Pitbulls» oder «Weg mit den aggressiven Hunden» sorgten auf politischer Ebene für kontroverse Diskussionen. Mit unterschiedlichen Folgen in den letzten Jahren: In nicht wenigen Kantonen wurden daraufhin Einschränkungen oder Verbote für das Halten gewisser Hunderassen eingeführt – sogenannte Rassenlisten. In anderen Kantonen hingegen existieren nach wie vor keine solchen Listen. So in Luzern, wo nur die gesamtschweizerisch geltende Meldepflicht bei Vorfällen mit Hunden (etwa Beissunfälle) sowie die kantonale Hundegesetzgebung bestehen (siehe auch Kasten).

Auslöser für die nationale Verbotswelle war ein sechsjähriger Knabe aus Oberglatt (Zürich), der auf dem Weg zum Kindergarten von drei Pitbulls zu Tode gebissen wurde. Das war 2005. Der Kanton Zürich erliess daraufhin eines der schärfsten Hundegesetze der Schweiz. 2010 trat das Gesetz inklusive Kampfhundeverbot in Kraft. Beissattacken haben in Zürich aber trotz Hundegesetz in den letzten Jahren zugenommen.

177 Kampfhunde in Luzern

Während das Verbot das «Aussterben der Kampfhunde» in Zürich zur Folge hatte, wie der «Tages-Anzeiger» in diesen Tagen schrieb, ist in Luzern das Gegenteil der Fall: Im Jahr 2010 waren der Hundedatenbank Amicus zufolge noch 116 Rassenlistenhunde registriert (nach Zürcher Definition – ohne Rottweiler). Heute sind es bereits 177. Zum Vergleich: In Zürich, wo das Gesetz den Erwerb, die Zucht oder den Zuzug gewisser Rassen mit einem «erhöhten Gefährdungspotenzial» verbietet, gab es 2010 noch 350 Listenhunde. Ende 2015 sank die Anzahl auf 259.

Ein Grund für die Entwicklung in Zürich ist, dass die Hundehalter von Listenhunden in Kantone umziehen, in denen es bislang kein solches Gesetz gibt. So entstand gemäss «Tages-Anzeiger» eine Art Hundemigration, zum Beispiel in den Kanton Aargau. Demnach stieg die Anzahl Listenhunde nach der Einführung des Zürcher Gesetzes sprunghaft an. Der Aargau reagierte daraufhin mit einem eigenen Gesetz im Jahr 2012.

Im Kanton Luzern sind derzeit knapp 21 000 Hunde registriert. Kann in Luzern jetzt oder in Zukunft ebenfalls die Rede von einer Hundemigration sein? Tatsache ist, dass in den paar Jahren vor 2010 die Anzahl registrierter Kampfhunde in Luzern mit rund 100 Tieren relativ stabil war. Früher waren es zwar noch viel weniger – im Jahr 2000 zum Beispiel nur 11 –, was aber auf die Einführung der Chip-Pflicht (Registrierung) im Jahr 2007 für alle Hunde in der Schweiz zurückzuführen ist. Die kantonalen Listen unterscheiden sich stark. Als bewilligungspflichtige Hunde gelten oft: American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bull Terrier, American Bull Terrier, Bull Terrier, Pit Bull Terrier, Dobermann und Rottweiler und Kreuzungstiere.

Hundemigration nach Luzern?

Zur Hundemigration meint Martin Brügger, Leiter Tiergesundheit und stellvertretender Kantonstierarzt: «Wir haben in den letzten Jahren keine Bewegungen dieser Tiere nach Luzern festgestellt, was natürlich nicht ausschliesst, dass der eine oder andere gezügelt ist.» Der Veterinärdienst gehe davon aus, dass beim Anstieg auch die vermehrte Zucht eine Rolle spielt. Denn auch bei den Hundezuchten gebe es «Modetrends», wie insbesondere der stärkste Anstieg bei der Rasse American Staffordshire Terrier zeigt.

Unserer Zeitung sind Fälle bekannt, wo das Verbot umgangen wird: So werden Listenhunde in einem Kanton ohne Einschränkung wie Luzern registriert (etwa auf eine verwandte Person), leben in Wahrheit aber zum Beispiel ennet der Kantonsgrenze im Aargau.

300 Hundevorfälle pro Jahr

Ob nun Listenhund oder nicht: Beim Veterinärdienst des Kantons Luzern gehen jährlich konstant um die 300 Meldungen über aggressive Hunde und Bissverletzungen ein. 80 Prozent aller Meldungen betreffen Bissverletzungen und 20 Prozent «aggressive Hunde», wie Brügger sagt. Meldet jemand beim Veterinärdienst einen Vorfall, überprüft die Dienststelle unter anderem, ob von Hund und Herrchen die obligatorische Hundeschule besucht worden ist – was oft nicht der Fall ist. Obwohl der theoretische sowie praktische Hundekurs für Neuhundebesitzer obligatorisch ist, nehmen in der Schweiz etwa 20 Prozent der Hundebesitzer diese Pflicht nicht wahr – also jeder fünfte. Das zeigt eine im März veröffentlichte Evaluation des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV).

Kurs nicht besucht: Strafanzeige

Brügger geht davon aus, dass dies in Luzern etwa gleich ist, da auch die Dienststelle wiederholt auf Leute stosse, die keinen Kurs besucht hätten. Diese werden vom Veterinärdienst zuerst aufgefordert, dies innert einer Frist nachzuholen. Tun sie es nicht, folgt eine Strafanzeige. Dass Leute die Hundekurse nicht absolvieren, sei grundsätzlich problematisch, egal, um welche Rasse es sich handle, findet Brügger. «Wenn sich jemand Mühe gibt, kann es mit jeder Rasse funktionieren – oder eben nicht.» Das Problem befinde sich oftmals am anderen Ende der Leine, sagt er, räumt aber gleichzeitig ein, dass kleine Hunde einen kleineren Schaden anrichten würden. Dennoch finde er persönlich es nicht richtig, Verbotslisten zu machen.

«Regel-Dschungel»

In der Schweiz herrscht bezüglich Hundehaltung ein Durcheinander von kantonalen, teils stark voneinander abweichenden Regelungen. In vier Kantonen (FR, GE, VS, ZH) ist das Halten, der Erwerb oder Zuzug bestimmter Rassen gänzlich verboten. In acht Kantonen (AG, BL, BS, GL, SH, SO, TI, VD) gibt es Einschränkungen für die Haltung von Hunden mit erhöhtem Gefährdungspotenzial – sogenannten Rassenlistenhunden.

Ohne Maulkorbpflicht

In den Zentralschweizer Kantonen gibt es weder eine Einschränkung für die Haltung gewisser Hunderassen noch ein Verzeichnis bewilligungspflichtiger Hunderassen. Ebenfalls existiert keine allgemeine Maulkorbpflicht für bestimmte Rassen. Abgesehen von der Leinenpflicht, die für die meisten Naturschutzgebiete gilt, gibt es folgende Unterschiede:
Luzern: Vom 1. April bis 31. Juli gilt im Waldgebiet die Leinenpflicht. Eine generelle Leinenpflicht gibt es ausserdem in öffentlichen Anlagen. Auf Friedhöfen, Kinderspiel- oder Pausenplätzen sind Hunde verboten.
Ob- und Nidwalden: In den Wildruhegebieten gilt vom 15. Dezember bis zum 30. April die Leinenpflicht. In einigen Waldgebieten bis 15. Juni.
Uri:Eine generelle Leinenpflicht gilt in Schutzzonen.
Schwyz: Eine generelle Leinenpflicht gilt in öffentlichen Anlagen.
Zug: Ein kantonales Hundegesetz wurde erst Ende 2015 vom Kantonsrat abgelehnt. Es existiert lediglich eine Häufchen-Busse (100 Franken).

Gabriela Jordan

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