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HUNDEKURSE: Brevet statt Schnellbleiche

Die obligatorische vierstündige Ausbildung für Hunde und Herrchen wird wieder aufgehoben. Luzerner Experten reagieren darauf keineswegs entsetzt.
Noah Knüsel
Eingespielte Teams: die Hundetrainerinnen Melanie Pott (vorne) und Marika Svab mit ihren Tieren. Bild: Eveline Beerkircher (Ruswil, 21. September 2016)

Eingespielte Teams: die Hundetrainerinnen Melanie Pott (vorne) und Marika Svab mit ihren Tieren. Bild: Eveline Beerkircher (Ruswil, 21. September 2016)

Am Montag hat sich der Nationalrat dem Ständerat angeschlossen und eine Motion des Zürcher FDP-Ständerats Ruedi Noser angenommen. Damit werden die obligatorischen Sachkundenachweiskurse für Hundehalter – kurz SKN-Kurse – wieder abgeschafft (Ausgabe vom Dienstag). Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) wird das Obligatorium voraussichtlich per 1. Januar 2017 ausser Kraft treten.

Eines der schlagendsten Argumente der Abschaffungsbefürworter war der geringe Nutzen der Kurse. Es sei nur ein riesiger bürokratischer Aufwand für etwas, das wenig Wirkung zeige, sagte etwa Marcel Dettling, SVP-Nationalrat aus dem Kanton Schwyz. Das Obligatorium war 2008 eingeführt worden, nachdem 2005 drei Pitbulls einen sechsjährigen Knaben totgebissen hatten. Hundehalter, so die Erwartung, sollten in vier Lektionen lernen, ihre Hunde besser im Griff zu haben. Laut einer Suva-Statistik lässt sich heute allerdings kein markanter Rückgang der Bissunfälle mit Hunden feststellen. Die Anzahl pendelt seit 13 Jahren zwischen jährlich 2500 und 3200 Fällen. Einzig 2005 war mit 3600 Bissunfällen ein trauriges Rekordjahr.

Kontrollen waren zu wenig streng

Was sagen die Luzerner Hundeschulen zur politischen Kehrtwende? Geschockt reagiert niemand auf die Abschaffung des Obligatoriums. Das hat seinen Grund: Denn auch die Hundetrainer haben Vorbehalte gegenüber der verordneten «Schnellbleiche». Die Kurse seien viel zu kurz, um nachhaltig etwas zu bewirken, so das einstimmige Fazit. Antonia Schröder von der Natural-dogmanship-Hundeschule in Malters: «Ein bloss vierstündiger Kurs ist meines Erachtens nicht seriös.» Sie habe den SKN nur in ihren Grundlagenkurs integriert angeboten, der 16 bis 20 Stunden umfasst. Das habe aber auch Hundehalter abgeschreckt: «Ich hatte viele Anfragen von Leuten, die einfach nur auf die Schnelle diesen ‹Check› wollten.» Sie hätten sich dann in der Regel nicht bei ihr angemeldet. Auch Melanie Pott, Mitinhaberin der Hundewelt Tshurak in Ruswil, weiss: «In nur vier Stunden kann sich weder der Hund noch der Halter ändern.»

Weiter sei die Einhaltung des Obligatoriums zu wenig streng kontrolliert worden, sagt Antonia Schröder. Sie hätte sich hier eine «einheitliche Kontrollinstanz» gewünscht. Laut einem Evaluationsbericht des BLV vom März 2016 haben rund 20 Prozent der dazu verpflichteten Hundehalter seit 2008 keinen Kurs besucht.

Beim Kynologischen Verein Luzern weiss man nicht, wie viele der knapp 400 Mitglieder den SKN-Kurs belegt haben. Präsidentin Esther Badertscher: «Wir nahmen an, unsere Mitglieder hätten sich informiert und den Kurs selbstständig absolviert.» Kontrollen habe es nicht gegeben.

Fakt ist, dass in letzter Zeit das Interesse an SKN-Kursen spürbar abgenommen hat. Melanie Pott: «Seit darüber diskutiert wurde, ob man das Obligatorium abschaffen soll, hatten wir fast gar keine Anmeldungen mehr.»

Besser wäre ein Anreizsystem

Trotz aller Kritik: Die vollständige Abschaffung des Obligatoriums finden die Hundetrainer problematisch. Melanie Pott: «Jetzt müssen die Hundebesitzer gar nichts mehr machen, dann wird es natürlich auch nicht besser.» Auch Brigitte Keiser von der Hundeschule Dog4you in Rothenburg hätte die Kurse nicht abgeschafft, sondern das System verändert. Bessere Kontrollen sowie ein flächendeckendes Anreizsystem mit tieferen Hundesteuern für SKN-Absolventen hätten schon viel bewirken können. Antonia Schröder spricht sich für eine obligatorische Prüfung aus: «Das kleine Einmaleins der Hundeführung müsste beim Neuerwerb eines Hundes überprüft werden. Dafür wäre auch nicht unbedingt eine Schule zu besuchen, sondern nur das Bestehen der Prüfung notwendig.» Einen solchen Test gibt es bereits: das Hundehalterbrevet der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (siehe Box). Pflicht ist diese Prüfung jedoch nicht.

Noah Knüsel

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