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Interview

Maria Schmid: «Ich habe mein Leben in der Fotografie gefunden»

Maria Schmid (30) arbeitet seit 2007 bei der «Zuger Zeitung». Die Fotografin, die auf der Rigi aufgewachsen ist, wohnt heute im Aargau. Sie verrät, warum sie ihre Schwyzer Heimat an Wochenenden meidet und weshalb sie in Sibirien gratis arbeitet.
Roger Rüegger
Maria Schmid mit ihrer Hündin JJ zu Hause in Untersiggenthal. (Bild: Manuela Jans-Koch (9. Januar 2019))

Maria Schmid mit ihrer Hündin JJ zu Hause in Untersiggenthal. (Bild: Manuela Jans-Koch (9. Januar 2019))

Maria Schmid, das Bundesratsfoto 2019 haben Mediamatiker-Lehrlinge mit dem Handy gemacht. Braucht es bald keine Fotografen mehr?

Es könnte der Gedanke aufkommen, dass die Arbeit von uns ­Berufsfotografen nicht mehr so geschätzt wird wie auch schon.

Es ist für Fotografen sicher eine Auszeichnung, das Bundesratsfoto zu machen?

Das offizielle Bild ist eigentlich eines fürs Geschichtsbuch. Deshalb sollte man mehr Wert darauf legen. Vielleicht wird es jetzt nicht mehr als Ehre oder Leistung angesehen, die Landesregierung ablichten zu dürfen. Aber ich rege mich über solche Dinge nicht auf.

Weil Du weder gerne Personen positionierst, noch mit Kunstlicht arbeitest?

Ich mache lieber Action-Bilder. Doch wenn ich für Firmenporträts Leute fotografiere, arbeite ich auch mit Beleuchtung. Mir ist es aber lieber, einen Stahlarbeiter bei der Arbeit aufzunehmen, ohne die Szene zu stellen. Ich will echte Handlungen und die natürlichen Abläufe nicht stören.

Deshalb wolltest Du Sportfotografin werden. Bei der «Zuger Zeitung» hast Du aber nicht viele Sportanlässe.

Sportfotografin war eine Idee. Aber in der Schweiz ist es schwierig, vom Sport zu leben. Das können nur wenige. Es ist zudem ein harter Job, für eine junge Frau sowieso. Ich wurde zu Beginn von einigen Berufskollegen eher belächelt als respektiert. Ich habe bei der Sportbildagentur EQ-Image als Sportfotografin Einblick in das Business erhalten und konnte mich etablieren.

Die Sportfotografen fahren bei einigen Events bestimmt ordentlich die Ellbogen aus?

Das erlebte ich nie, weil ich nie an Veranstaltungen wie der Fussball-WM war. Dort wird sicher gekämpft um gute Plätze. Bei nationalen Eishockey- oder Fussballspielen ist es nicht so. Man sucht sich im Idealfall einfach nicht den Platz neben der Konkurrenz.

Du betreibst seit Jahren mehrere Sportarten. Hast Du jeweils eine Kamera dabei?

Beim Langlauf oder im Kajak nicht. Früher beim Gleitschirmfliegen schon. In der Schulzeit wollte ich aber noch nicht Fotografin werden, sondern Tierärztin. Ich liebe Tiere. Allen voran meine Dalmatiner-Hündin JJ.

Warum wurdest Du nicht Tierärztin?

Zuerst schlug ich diesen Weg ein. Als Realschülerin machte ich die Sekprüfung, weil ich nach der Matura Medizin studieren wollte. Anschliessend, in der Kantonsschule, verlor ich das Ziel aus den Augen. Ich brach sie ab, weil ich mir nicht vorstellen konnte, so viele Jahre in der Schule und in Hörsälen zu verbringen. Das erachtete ich als verlorene Zeit.

Die richtige Entscheidung?

Absolut. Meine Mutter hatte für eine Internetagentur als Kamerafrau Sportler in der ganzen Schweiz interviewt. Da ich nach dem Kantiabbruch nichts zu tun hatte, nahm sie mich mit. Das war mein Einstieg in die Fotografie.

Wie hast Du das Hobby zum Beruf gemacht?

An einer Sportveranstaltung vor rund zwölf Jahren lernte ich einen Fotografen der «Luzerner Zeitung» kennen. Er riet mir, mich als freie Fotografin zu bewerben. Das tat ich und konnte ein zweimonatiges Praktikum absolvieren. Dann lernte ich Fotofachangestellte und kam später zurück ins Unternehmen zur «Zuger Zeitung».

Aufgewachsen bist Du auf der Rigi. Die vermeldeten soeben wieder Rekordbesucherzahlen. Ist ein Job in der Tourismusbranche nie ein Thema?

Auf keinen Fall wollte ich mit dem Tourismus auf der Rigi etwas zu tun haben. Der Massentourismus auf der Rigi schreckt mich ab. Viele Touristen aus dem asiatischen Raum haben keinen Respekt gegenüber Einheimischen. Ich bin schon so weit, dass ich Wochenendbesuche bei meiner Familie vermeide.

Du warst als Snowboard­lehrerin im Tourismus tätig.

Stimmt. Mit 12 habe ich in der Skischule, bei der ich Snowboarden lernte, unterrichtet. Aber ich hatte fast nur einheimische Schüler. Die Skischule gibt es inzwischen nicht mehr. Aber es wäre ohnehin kein Thema für mich. Ich habe mein Leben in der Fotografie gefunden. Sie ist nicht nur Job, sondern gibt mir Energie. Der Alltag ist spannend, ich treffe meistens gut gelaunte Leute.

Ihr Fotografen rennt von einem Termin zum anderen. Was ist toll an dem Gehetze?

Mir ist es lieber, wenn etwas abgeht. Problematisch ist es nur, wenn man schon beim ersten Termin Zeit verliert. Die holt man kaum noch auf. Als Fotograf bei der Zeitung lernt man, schnell zu denken und zu handeln. Ich nehme mir aber gerne Zeit und begleite die Journalisten, damit ich Details ihrer Geschichte mitbekomme. Ich erachte dies als wichtig für das Foto. Das macht den Unterschied zwischen der Arbeit eines Fotografen und jemandem, der ein Föteli mit dem Smartphone macht, auch wenn es hin und wieder ein gelungenes gibt.

Du begleitest im März die Schweizer Sportler an die Universiade nach Krasnojarsk als Fotografin. Es geht doch?

Ja klar. Eine ehemalige Sportjournalistin der LZ ist bei der Winteruniversiade in der Zentralschweiz 2021 engagiert. Durch sie habe ich das Schweizer Team bei zwei Universiaden begleiten können.

Als Boarderin und Langläuferin bist Du in Sibirien richtig. Nimmst Du Sportgeräte mit?

Dafür bleibt keine Zeit. An der Universiade lebe ich mit den Athleten im Dorf und habe fast überall Einblick. Ich begleite sie an die Wettkämpfe und hoffentlich an die Siegerehrungen. Die sind alle extrem hilfsbereit und dankbar.

Also ein super Auftrag?

Unbedingt, aber eben nicht finanziell. Ich reise gratis nach Russland – nur Unterkunft, Verpflegung und Spesen werden bezahlt. Aber faktisch bedeutet es für mich drei Wochen Lohnausfall, da ich neben dem Teilzeitpensum in Zug selbstständige Fotografin bin. Aber die Universiade ist eine Herzensangelegenheit.

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