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«Ich schau’ die ‹Grende› gar nicht an»

Für den Ruswiler Logistiker Markus Stadelmann (51) gibt es in der Freizeit nur eines: Panini! Nein, nicht die italienischen Sandwiches, sondern die Fussballerbildli.
Interview: Turi Bucher
Der Ruswiler Markus Stadelmann hilft denen, die noch Panini-Bildli suchen. (Bild: Jakob Ineichen (Ruswil, 4. Mai 2018))

Der Ruswiler Markus Stadelmann hilft denen, die noch Panini-Bildli suchen. (Bild: Jakob Ineichen (Ruswil, 4. Mai 2018))

Markus Stadelmann, kommen wir gleich zur Sache: Wie viele Panini-Bildli haben Sie?

An Lager habe ich zurzeit zirka 100000 Bilder. Während einer EM oder einer WM so wie jetzt laufen rund eine halbe Million Bildli durch meine Hände.

Wie kam es zum Panini-Sammeln?

Angefangen hat es 2004. Mein damals 10-jähriger Sohn Silvan musste für das Album der EM in Portugal sein ganzes Sackgeld anzapfen. Da habe ich Silvan gesagt: «Ich helfe dir!» Ich habe gleich eine ganze Panini-Box gekauft, aber ich habe ihm natürlich nicht alle auf einmal gegeben, sondern schön sachte sein Album gefüllt.

Auch heute sammeln Sie nicht für sich selber, sondern für andere. So wurden Sie schweizweit bekannt und zum – selbsternannten – «Panini-König».

Ja, die Panini-Sammler kontaktieren mich von überall her, um ihre Alben zu füllen. Wichtig zu wissen ist: Erst wenn einem Panini-Sammler die letzten 30 Bildli im Album fehlen, soll er mich kontaktieren. Und zwar mit einem frankierten Retourcouvert sowie mit so viel wie möglich doppelten Bildern, die ich dann wieder an andere Sammler weitergeben kann. Wichtig auch: Die Sammler müssen sich gedulden, mein Briefkasten ist praktisch jeden Tag voll von Anfragen, und ich bin ja schliesslich nebenbei auch noch beruflich tätig.

Mittlerweile erledigen Sie die aufwendige Panini-Arbeit ja nicht mehr allein, oder?

Richtig. Ich werde von meiner Partnerin Erika Bucher und auch von Agi Müller unterstützt.

Aber es kann durchaus mal vorkommen, dass Sie die angeforderten Panini-Bildli jemandem persönlich vorbeibringen.

Von einer Familie in Sachseln bekam ich die Anfrage, ob ich mit 600 bis 700 Bildli die offenen Panini-Alben vervollständigen könne, weil sie sich den Kauf all dieser Bilder nicht leisten könne. Also habe ich mir gesagt, ich gehe da persönlich vorbei und nehme einen Augenschein. Als ich klingelte, fragte die Grossmutter, ob ich mich verfahren hätte. «Nein, ich bin der Panini-Mann», antwortete ich. Als wir die Alben fertiggemacht hatten, sind die drei Buben wie wild in der Wohnstube herumgerannt. Die Familie wollte mir noch das Benzin für die Fahrt nach Sachseln und zurück nach Sursee bezahlen. Nichts da! Die glücklichen Kinderaugen sind viel mehr wert. Die Familie hat mir dann noch einen Dankesbrief geschrieben und erzählt, dass die Buben seither in der Schule viel bessere Noten hätten.

Gibt’s auch Negativerlebnisse?

Einmal habe ich gemerkt, dass einer ein paarmal dieselben 30 Bilder bestellte. Auch da ging ich persönlich vorbei. Im Dorf erfuhr ich, dass derjenige mehrfacher Millionär sei. Ich klingelte bei ihm und wollte wissen, ob er mich über den Tisch ziehen wolle. Er drohte mir mit der Polizei, ich drohte ihm mit dem «Blick». Oh, Entschuldigung, dass ich jetzt den «Blick» erwähnt habe.

Nicht so schlimm. Haben Sie Ihr eigenes Album eigentlich schon gefüllt?

Ich habe mein WM-Album noch gar nicht angefangen. Zuerst kommen die anderen. Ich gebe meiner Partnerin ab und zu ein paar Doppelte, die kann sie dann in mein Album einkleben.

Wie viel würden Sie maximal für ein rares Panini-Bildli zahlen?

Damit befasse ich mich gar nicht erst. Mein System ist anders. Ich helfe gratis. Von der EM 2016 konnte ich insgesamt 1800 Hefte füllen.

Und ich frage Sie nochmals: Als selbsternannter Panini-König schlagen Sie keinen Profit aus der Bildli-Tau­scherei?

Nein! Ich habe kürzlich von einer 85-jährigen Frau eine Mail erhalten. Sie teilte mir mit, dass sie viele, viele Jahre die Bildli sammelt, um ihre Alben zu füllen. Nun sei sie zu alt, um die Tauschbörsen zu besuchen. Deshalb gelange sie an mich. Sie wolle mir jedes Bildli bezahlen, schrieb sie. Ich antwortete ihr: Auf keinen Fall Geld schicken! Sie solle mir für zehn Franken Briefmarken schicken. Und wissen Sie, warum?

Sammeln Sie auch noch Briefmarken?

Nein, viele vorfrankierte Couverts, die ich zugestellt bekomme, sind für das Gewicht der bestellten Bildli zu wenig hoch frankiert. Das Strafporto zahl’ dann ich. So helfen mir die Briefmarken.

Was sagen Sie zur «Tschuttibildli»-Konkurrenz?

Sie werden es mir nicht glauben: Die hat Silvan Glanzmann, ein Ruswiler wie ich, erfunden. Ich war in der Jungwacht sein Leiter. Die Tschuttibildli sind eine super Sache, mir aber ein wenig zu künstlerisch.

Ihr aktuellstes Highlight in Sachen Panini?

Zuletzt bekam ich einen Anruf aus Feuerthalen. Jemand suchte noch 15 Bildli, um sein aktuelles Album zu füllen. Ich konnte helfen. Dafür hat er mir 500 Doppelte geschickt.

Interessieren Sie sich überhaupt für Fussball?

Aber klar doch. Ich habe seit 1987 die Saisonkarte des FC Luzern. Was glauben Sie, wer 1989 im Heimspiel gegen Servette, als der FCL Meister wurde, auf der Gegentribüne ständig mit der Trompete spielte? Das war ich! Nach dem Spiel wurde ich vom Speaker ausgerufen. Ich musste zur Spielerkabine rüber. Dann wurde ich von Trainer Friedel Rausch und Torschützenkönig Peter Nadig auf die Schultern genommen und Trompete spielend ins Festzelt rübergetragen.

Ihr Lieblingsbild oder Lieblingsspieler?

Ehrlich gesagt, ich schau’ die «Grende» gar nicht an. Ich arbeite nach Nummern. Sommer hat die 374, Shaqiri die 385, Ronaldo die 130, Neymar die 371.

Und wissen Sie, welche Nummer Buffon hat?

Ein schlechter Scherz, wissen Sie, ich bin halber Italiener. Tut mir leid. Ich meine, für Buffon. Der hätte es wirklich verdient, nochmals an einer WM teilzunehmen.

Und Ihr italienisches Lieblingsessen?

Pasta. Wieso fragen Sie? Ach so ... wegen der Panini!

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