Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Luzerner Wirtschaftsförderer: «Ich will mehr Nähe zur Politik»

Seit rund 100 Tagen ist die Wirtschaftsförderung im Kanton Luzern in neuen Händen. Ivan Buck (44) sucht als neuer Chef nicht nur den Kontakt zu den Firmen. Und er äussert sich zu seinem Lohn.
Interview Roseline Troxler
Ivan Buck ist seit März Direktor der Wirtschaftsförderung Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 23. Mai 2018))

Ivan Buck ist seit März Direktor der Wirtschaftsförderung Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 23. Mai 2018))

Seit hundert Tagen ist Ivan Buck neuer Direktor der Wirtschaftsförderung Kanton Luzern. Deutlich grösser als die Zahl der Arbeitstage ist jene der Unternehmen, die der 44-Jährige seit seinem Start bereits besucht hat. «An manchen Tagen waren es mehr als fünf», sagt er, von Müdigkeit keine Spur. Gemeinsam mit seinem Vorgänger Walter Stalder (64) hat Buck so mehr als 100 Firmen im Kanton Luzern kennen gelernt.

Seit dem 1. März leitet er die Wirtschaftsförderung. Diese verfügt über ein Budget von 2,2 Millionen Franken und beschäftigt acht Personen. Knapp drei Monate wurde Buck von seinem Vorgänger eingearbeitet. Nun zieht er ein erstes Fazit.

Ivan Buck, wie war Ihr Start?

Sehr gut. Die Arbeit gefällt mir. Ich wurde von einem tollen Team freundlich empfangen und bin dankbar für die professionelle Übergabe. Es ist eine schöne Aufgabe, in die ich viel Freude und Herzblut stecke. Es ist ein Privileg, den Kanton Luzern vermarkten zu dürfen.

Welche Ziele haben Sie sich für das erste Jahr gesetzt?

Die wichtigste Aufgabe ist der Aufbau des Netzwerks. Ich möchte möglichst rasch das Vertrauen der Unternehmen, der Verwaltung und der Politik gewinnen. Durch Besuche will ich die Anliegen der verschiedenen Akteure aufnehmen, daraus Massnahmen ableiten und Lösungen bieten.

Welche Anliegen haben die Unternehmen?

Sie betreffen den Fachkräftemangel, Platzprobleme oder Themen wie Innovation und Digitalisierung. Bei letzterem haben viele KMU Nachholbedarf. Wir haben daher mit Partnern ein Pilotprojekt gestartet, bei dem wir sie bei der Digitalisierung unterstützen.

Welche neuen Schwerpunkte setzen Sie?

Ich will mehr Nähe zur Politik. Vor kurzem besuchte ich die kantonsrätliche Kommission Wirtschaft und Abgaben (WAK) und habe dort unsere Strategie vorgestellt. Eine engere Zusammenarbeit mit Verwaltung und Politik ist nötig. Dadurch schaffen wir Vertrauen und können uns wieder auf unsere Kernaufgaben konzentrieren.

Linke äussern immer wieder Zweifel am Nutzen der Wirtschaftsförderung: Können Sie diese ausräumen?

Ich habe mich in den letzten Wochen mit vielen Kantonsräten persönlich ausgetauscht und bin überzeugt, dass wir eigentlich dieselben Ziele haben. Die Frage nach dem richtigen Weg wird unterschiedlich beantwortet.

Der Beitrag des Kantons hat sich in den letzten Jahren auf 600 000 Franken reduziert: Wie finanziert sich die Wirtschaftsförderung in Zukunft?

Unser Ziel ist es, dass der Kanton mit einer mehrjährigen Leistungsvereinbarung an den 600 000 Franken festhält. Denn das Modell der Finanzierung von Unternehmen, Kanton und Gemeinden hat sich bewährt und ist schweizweit einzigartig. Der Goodwill von den Unternehmen mit einem Finanzierungsanteil von fast 60 Prozent ist beeindruckend und verpflichtet.

Wo stehen Sie betreffend Leistungsvereinbarungen mit den Gemeinden?

76 Gemeinden haben unterzeichnet. Drei bis vier Unterschriften erwarten wir in den nächsten Wochen. Wir sind dankbar für die Solidarität. Mit den restlichen Gemeinden versuchen wir, ab 2019 eine Lösung zu finden.

Bei Ihrem Vorgänger gab der Lohn immer wieder zu reden. Schaffen Sie Transparenz?

Ich habe diese Frage erwartet. Sie kam auch in der WAK. Von einem Exzess oder einem Lohn, der höher als jener eines Regierungsrats ist, kann natürlich nicht die Rede sein. Es ist ein guter Lohn, der in der Bandbreite des Lohns eines Dienststellenleiters liegt (Anmerkung der Redaktion: Dieser beträgt maximal 215 000 Franken).

Welchen Einfluss hatte das schwierige politische Umfeld von Luzern auf das Image?

Dieses hat meiner Meinung nach schon etwas gelitten. Wir haben uns zeitweise stark mit uns selber beschäftigt. Deshalb müssen wir unsere Errungenschaften wieder mehr erkennen und vermarkten.

Die Kommunikation ist ein weiterer Bereich, bei dem Sie ansetzen wollen.

Genau. Wir haben zu wenig kommuniziert und müssen unsere guten Dienstleistungen transparenter aufzeigen. Wir wollen stärker auf neue Medien setzen und uns besser positionieren. Dies gilt sowohl für die Bestandespflege wie auch für Neuansiedlungen.

Stichwort Neuansiedlungen: Wie viele Unternehmen werden sich dieses Jahr im Kanton Luzern niederlassen?

Ich kann noch keine Zahl nennen. Fakt ist, dass das Ansiedlungsgeschäft in den kommenden Jahren nicht einfacher wird. Der Steuerwettbewerb unter den Kantonen nimmt zu. Wir kämpfen aber mit Herzblut dafür, dass wir bei den Neuansiedlungen weiterhin über dem Schweizer Schnitt liegen.

Da kommt die Ankündigung der Regierung, die Firmensteuer zu erhöhen, alles andere als gelegen.

Das ist so. Um uns klar zu positionieren, brauchen wir bei den Steuern eine langfristige Strategie, denn nur damit erhalten die bestehenden und potenziellen Unternehmungen die nötige Planungssicherheit.

Wie punktet Luzern aktuell nebst den Steuern?

Wir haben eine hervorragende Lage, qualifizierte Arbeitskräfte und eine gute Verkehrsanbindung. Diese Vorteile dürfen wir nicht unnötig hergeben. Deshalb müssen wir für Generationenprojekte wie den Durchgangsbahnhof oder den Bypass kämpfen.

Die Wirtschaftsförderung hat 2017 ein Angebot lanciert, bei dem sie ausländischen Start-ups während dreier Monate die Miete in einem Co-Working-Space zahlt. Ein Erfolg?

Es ist ein tolles Marketing-Tool. Ausserdem haben sich so drei Unternehmen angesiedelt, darunter der chinesische Konzern Fosun. Unsere Erwartungen haben sich erfüllt.

Sie sind in China und den USA mit einer Repräsentantin vertreten. Auch in Zukunft?

Kurz- bis mittelfristig werden wir daran festhalten. Es braucht Zeit, bis sich die Arbeit auszahlt – vor allem im chinesischen Markt.

Welche Aufgaben haben Sie bei der Bestandespflege?

Wir unterstützen Unternehmen bei der Wachstumsfinanzierung, bei der Suche nach Lösungen bei Platzbedarf oder bieten Support bei der Nachfolgeregelung.

Wo stehen die hier ansässigen Unternehmen?

Diesen geht es gut. Viele haben in den letzten Jahren Strukturbereinigungen gemacht und können nun ernten. Unser Vorteil ist die breite Aufstellung. Wir sind krisenresistenter, da wir nicht von einer Branche abhängen.

Hinweis

Ivan Buck (44) ist vom Stiftungsrat der Wirtschaftsförderung zum neuen Direktor gewählt worden. Zuvor war er Leiter Marketing und Verkauf sowie stellvertretender Geschäftsführer der Zentralbahn. Er verfügt über einen Master of Business Administration. Buck lebt mit seiner Frau und den Kindern (8, 11 und 13) in Oberkirch. In seiner Freizeit ist Buck leidenschaftlicher Rennvelo- und Bikefahrer.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.