Interview

«Ich will mit den Museen zu den Leuten» – Almut Grüner ist die neue Direktorin der kantonalen Museen

Seit Februar steht die Deutsche Almut Grüner an der Spitze der kantonalen Museen. Sie soll Fusion und Standortwechsel ins Ziel bringen.

Janick Wetterwald
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Seit Anfang Februar ist Almut Grüner die Direktorin der kantonalen Museen – Natur- und Historisches Museum. Die 49-jährige Deutsche bringt viel Erfahrung mit und steht nun in Luzern vor zwei grossen Herausforderungen (siehe Kasten).

Almut Grüter, hier im Naturmuseum, soll die kantonalen Museen in eine gemeinsame Zukunft führen.

Almut Grüter, hier im Naturmuseum, soll die kantonalen Museen in eine gemeinsame Zukunft führen.

Bilder: Roger Grütter, Luzern, 7. Februar 2020

Sie waren schon in England und Deutschland in Museen tätig. Was gab nun den Ausschlag für Luzern?

Almut Grüner: Die spezielle Situation, in der sich die kantonalen Museen befinden. Ein Standortwechsel, verbunden mit einem Zusammenschluss, das habe ich noch nie gemacht. Und natürlich die schöne Stadt.

Sie wohnen aber nicht in der Stadt oder im Kanton, sondern in Mettmenstetten (ZH). Wieso?

Ich bin nicht alleine umgezogen, sondern zusammen mit meinem Mann. Der jetzige Wohnort ist in der Mitte unserer Arbeitsplätze und darum eine gute Lösung.

Grundsatzentscheid zum Standort vor der Sommerpause

In den nächsten Jahren wird einiges passieren rund um die kantonalen Museen in Luzern. Der Zusammenschluss und so faktisch die Gründung eines neuen Museums soll weiter vorangetrieben werden. Der ehemalige Direktor Christoph Lichtin hat dafür zusammen mit einer Arbeitsgruppe ein Konzept entwickelt. Die neue Direktorin hat nun die Aufgabe, diese Arbeit fortzusetzen. Zentral dabei ist der Entscheid für einen neuen Standort. Angedacht ist das Zeughaus Musegg. Aktuell wird dazu eine Machbarkeitsstudie von der Dienststelle Immobilien in Zusammenarbeit mit Hochschulbildung und Kultur ausgearbeitet. Vor der Sommerpause soll der Regierungsrat auf Basis der Ergebnisse einen Grundsatzentscheid fällen. Die kantonalen Museen (Natur und Historisches) verzeichneten letztes Jahr etwas mehr 83 000 Besucher. Pro Jahr leistet der Kanton Luzern für die beiden Museen einen Beitrag nach Abzug der Einnahmen von ungefähr 3,8 Millionen Franken.

Was sind ihre Ziele als Direktorin in Luzern?

Natürlich ein erfolgreicher Zusammenschluss. Ich will aber auch die Ausstellungen verstärkt von der Bevölkerung mitgestalten lassen. Das erhöht die Attraktivität.

Gibt es schon konkrete Ideen bezüglich des Mitwirkens?

Im Historischen Museum wird es eine Ausstellung zum Frauenstimmrecht geben. Dafür könnten Personen interviewt werden, welche die Zeit damals miterlebten und eine Geschichte dazu erzählen können. Ein anderer Aspekt wäre, dass wir mit Kindern und Jugendlichen kreative Ideen ausarbeiten.

Woher kommt dieser Drang, mehr mit den Leuten zusammenzuarbeiten?

Das ist einfach meine Überzeugung, dass das die Aufgabe eines Museums ist. In England wird das oft gemacht – mit Erfolg.

Es steht auch die Idee im Raum, Standorte auf der Landschaft aufzubauen.

Genau, das finde ich wichtig. Die Leute sollen in die Museen kommen, aber die Museen auch zu den Leuten gehen. An diesen Aussenstandorten könnten spezifische Themen für die jeweilige Region aufgenommen werden – oder der Unterschied zwischen Stadt und Land.

Die neue Direktorin will mit den Museen auch die Landschaft erobern.

Die neue Direktorin will mit den Museen auch die Landschaft erobern.

Wie stark interessieren Sie sich in der Freizeit für Natur und Geschichte?

Die Begeisterung für die Natur, die Tiere, die Berge, das wurde mir von der Mutter in die Wiege gelegt. Mein Mann zieht voll mit – wir gehen gerne in die Berge. Für mich gehört die Natur auch in die Geschichte. Früher beispielsweise war das Leben der Menschen viel mehr von den natürlichen Gegebenheiten geprägt als heute.

Die beiden Themen sollen in Zukunft zu einem Museum zusammengeführt werden. Was sind dafür die nächsten Schritte?

Ganz entscheidend für diese Entwicklung ist, dass der Standort geregelt ist. Bis dahin versuchen wir bereits ab diesem Jahr, gemeinsame Projekte zu lancieren. Wichtig ist auch, dass wir nicht mehr getrennt, sondern als ein Team arbeiten.

Zur Person

Almut Grüner – Direktorin der kantonalen Museen

Almut Grüner stammt aus Trossingen (D), ist 49 Jahre alt und lebt nun mit ihrem Mann in Mettmenstetten (ZH). Sie studierte Slavistik und Volkswirtschaft in Konstanz, anschliessend Diplom-Kulturwirtschaft und schloss 2003 ihren Master in Museums Studies an der University of Leicester (GB) ab. Grüner ist ehrenamtlich in verschiedenen Museums- und historischen Vereinen aktiv. Bevor sie nach Mettmenstetten zog, lebte sie in Thayngen im Kanton Schaffhausen. Zuletzt war sie beruflich in Neuhausen (D) als Leiterin des Freilichtmuseums tätig. (jwe)

Was zeichnet für Sie ein gutes, attraktives Museum aus?

Neben der bereits erwähnten Beteiligung der Leute finde ich wichtig, dass ein Museum seine Sammlung präsentiert. Mit diesen Objekten ist es einfacher, Geschichten zu erzählen.

Was kann das zum Beispiel für ein Objekt sein?

Wir haben letztens ein Stück Holzkohle angeboten bekommen. Klingt auf den ersten Blick langweilig. Es ist aber das allerletzte Stück, das von der alten Kapellbrücke übrig ist.

Sind Sie selber auch eine Sammlerin?

(lacht)

Fragen Sie mal meinen Mann. Es gab doppelt so viele Umzugskisten von mir, als von meinem Mann. Ich sammle jedoch nicht Objekte.

Was sammeln Sie dann?

Ich sammle Informationen über Museen. Ich lese viel darüber. Die Unterlagen und Bücher werfe ich nicht einfach weg, wenn ich sie gelesen habe.

Woher kommt ihre Faszination für Museen?

Im Grundstudium musste ich ein Praktikum machen. Über Bekannte erhielt ich einen Platz beim damaligen Völkerkundemuseum in Basel. Es war wunderschön und ich habe vieles gelernt. In diesen vier Wochen hat es «Klick» gemacht.