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Ich wollt’ ich wär ein Freilandhuhn

Das glückliche Huhn aus der Werbung? Wir haben es gefunden: Auf einem Hof in Oberkirch.
Urs-Ueli Schorno
Auf dem Hof der Familie Habermacher können die Hühner das ganz Jahr auf der Wiese sein. (Bilder: Nadia Schärli, 16. April 2019)

Auf dem Hof der Familie Habermacher können die Hühner das ganz Jahr auf der Wiese sein. (Bilder: Nadia Schärli, 16. April 2019)

Mein Name ist Kunigunde. Ich bin ein Freilandhuhn und lebe in Oberkirch auf dem Hof von Franz und Bernadette Habermacher. Dort habe ich viel Platz: Im Stall, den ich mit 48 Artgenossinnen und Kollege Johnny Hahn teile, steht viel Platz zur Verfügung. Genauer gesagt sind es 8000 Quadratzentimeter für jeden von uns. Vorgeschrieben sind deren 750 auf einem Bio-Betrieb.

Das Tollste aber ist, dass ich das ganze Jahr über auf die Weide darf. Immerhin 750 Quadratmeter gross ist dieser Spielplatz. Dort treffe ich auf andere Tiere: Kühe, Pferde, Katzen, Hunde und Laufenten. Ich darf nach Lust und Laune raus, um zu weiden und Würmer zu picken – 365 Tage im Jahr. Apropos: «Jeden Tag ein Ei», heisst es in einem bekannten Lied über uns Hühner. Zunächst: Mit «hätt’ nicht viel zu tun» hat das Eierlegen genau gar nichts zu tun! Nun ja, als ich noch jung war, war es mein Tageswerk, ein Ei zu legen. Seit der Mauser, bei der ich mein Federkleid wechsle, werden die Eier zwar grösser, aber es dauert halt inzwischen etwas länger. Doch meinen Besitzern macht das nichts aus.

Bernadette Habermacher füttert die Bio-Hühner.

Bernadette Habermacher füttert die Bio-Hühner.

Ein Freilandhuhn wird bis zu sechs Jahre alt

Meine Kollegen in den grossen Betrieben stehen da unter weit grösserem Leistungsdruck. Sie enden deshalb in der Regel nach 80 Wochen als Chicken Nuggets oder Suppenhühnern. Einige Legehennen kommen dann aber auch zu uns. Sie erhalten dann während der Mauser für vier bis sechs Wochen frei. Zu uns gängigen Legehennen gesellen sich auch noch Appenzeller Barthühner. Die sind lustig.

Item, mir gefällt das Leben als Legehuhn auf dem Hof. Tauschen möchte ich mit keinem anderen Job auf der Welt. Inzwischen gehöre ich hier zu den älteren Semestern. Ich darf damit rechnen, etwa sechs Jahre alt zu werden. In dieser Zeit werde ich noch viele Eier legen. Die werden im Hofladen verkauft. Am Donnerstag liefern Franz und Bernadette zudem Körbe mit ganz vielen Produkten vom Hof zu den Leuten aus Oberkirch, Sursee und St. Erhard heim. Ein Ei kostet 80 Rappen pro Stück. Manche geben auch ein Trinkgeld dazu, weil sie die Philosophie meiner Besitzer unterstützen. Das ist mir zwar zu hoch, hat aber mit der Würde der Tiere zu tun, artgerechter Haltung und Nähe zur Natur. So Menschenkram halt.

Einige Kolleginnen hat der Fuchs geholt. Ich hoffe, dass mir das nicht passiert. Meine Besitzerin ist Tierkommunikatorin. Sie redet mit den Füchsen in der Umgebung und sagt: «Im Grossen und Ganzen funktioniert das Abkommen». Nun, ab und zu erwischt es halt wieder eine. So ist die Natur.

1,5 Milliarden Eier pro Jahr

Unseren Besitzern liegt auch sonst unsere Gesundheit sehr am Herzen. Sie nutzen nur Mittel aus der Natur, damit wir fit bleiben, auf Chemie verzichten sie. «So bleibt der natürliche Kreislauf und der Hoforganismus intakt», sagt meine Besitzerin dazu.

Fitte Hühner braucht es denn auch im Land: Denn jeder Bewohner der Schweiz isst pro Jahr etwa 95 Eier von hier. Und noch einmal fast so viele aus dem Ausland. Das muss man sich mal vorstellen: Das sind gut 1,5 Milliarden Eier pro Jahr. Auch wenn bei uns auf dem Bio-Hof die Work-Life-Balance sehr wichtig ist und nicht nur die Leistung zählt, gibt es dennoch eine Zeit im Jahr, in der mein Job etwas anstrengender ist. Ostern halt. Scheint ein wichtiges Fest im Frühling zu sein. Hat mit der Kirche zu tun. Weshalb man dann jeweils die Eier anmalt, versteckt und dann «tütscht», das erschliesst sich mir aber nicht ganz. Muss es auch nicht. Menschenkram halt.

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