Ihm drohen acht Jahre Gefängnis: Beschuldigter bestreitet Brandstiftung in Willisau

Der frühere Pächter des Restaurants Untertor in Willisau wird beschuldigt, das Lokal absichtlich in Brand gesetzt zu haben. Bei der Verhandlung vor dem Luzerner Kriminalgericht bestreitet der 45-Jährige die Tat.

Evelyne Fischer
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Der Brand beim «Untertor» führte am Gebäude zu einem Schaden von 1,43 Millionen Franken. (Bild: Luzerner Polizei)

Der Brand beim «Untertor» führte am Gebäude zu einem Schaden von 1,43 Millionen Franken. (Bild: Luzerner Polizei)

Zehn Meter hohe Flammen. Scheiben, die aufgrund immenser Hitze bersten. Balkontüren, die auf die Strasse geschleudert werden. Die Bilder der Feuersbrunst beim «Untertor» in Willisau bleiben unvergessen. Am Freitag, 15. Januar 2016, 00.31 Uhr, geht bei der Luzerner Polizei die entsprechende Meldung ein. Als die ersten Einsatzkräfte eintreffen, steht das Gastrolokal bereits in Vollbrand. Letztlich werden 150 Angehörige von vier Feuerwehren vor Ort sein.

Fünf Bewohner des siebenstöckigen Hauses können in Sicherheit gebracht werden. Ein 93-jähriger Mann wird mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Spital gebracht, berichtet die Luzerner Polizei gleichentags. Das «Untertor» ist bis heute geschlossen, laut Mitbesitzer habe man noch «keinen geeigneten Pächter» gefunden.

Mobiliar mit Benzin übergossen und angezündet

Damals hat ein Gerücht schnell die Runde gemacht: Ein Brandstifter soll am Werk gewesen sein. Dies bestätigen später die Ermittler. Am Dienstag hat sich der ehemalige Pächter des «Untertor» vor dem Luzerner Kriminalgericht verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft Sursee wirft dem Kosovaren Brandstiftung und mehrfache eventualvorsätzlich versuchte Tötung vor. Sie fordert eine Freiheitsstrafe von acht Jahren. Das Urteil wird schriftlich eröffnet.

Gemäss Anklage soll der heute 45-Jährige am 15. Januar 2016, kurz nach Mitternacht, zur Tat geschritten sein: Er habe das beim Buffet aufgestapelte Mobiliar mit Benzin übergossen und entzündet. Der Beschuldigte, nachtblauer Anzug, Koch in der Region, keine Vorstrafen, bestreitet die Vorwürfe vor der Gerichtspräsidentin und den beiden Richtern. Er habe im Mai 2014 einen ruinierten Betrieb übernommen und daraus «eines der besseren Restaurants der Region» gemacht. «Ich war stolz, ich sah meine Zukunft in Willisau.» Die Möbel habe er wegen Malerarbeiten aufgestapelt.

Korrigierte Erstaussage weckt Zweifel

Problematisch ist: Der Beschuldigte hat mit falschen Erstaussagen von Beginn weg Zweifel geweckt. Zunächst gab der Mann zu Protokoll, er sei nur bis am frühen Abend in Willisau gewesen. Als ihm zu Ohren kam, dass es Brandstiftung gewesen sein soll, korrigierte er sich. Demnach soll er Willisau vor Mitternacht verlassen haben, um in die Agglomeration zu fahren, dem Wohnort seiner damaligen Freundin. Weil diese noch immer an einem Geburtstagsfest weilte, habe er beschlossen, in die Westschweiz in einen kosovarischen Club zu fahren. Bei seiner Ankunft um 3 Uhr nachts sei das Lokal aber bereits geschlossen gewesen.

Dass der Beschuldigte bei damals widrigen Wetterbedingungen 200 Kilometer weit gefahren sein soll, ohne zu wissen, ob der angesteuerte Club offen habe, hält die Staatsanwältin für wenig glaubhaft.

«So etwas ist unsinnig und lebensfremd.»

Für sie steht fest: «Der Beschuldigte hat wortwörtlich mit dem Feuer gespielt und sich dabei die Finger verbrannt.» Aufgrund der Mobilfunkdaten sei erstellt, dass sich der Beschuldigte zur Tatzeit in Willisau aufgehalten habe. Seine Aussagen seien «nicht nur schlecht erfunden, sondern darüber hinaus leicht widerlegbar». Sie ortet Geldprobleme als Motiv.

«Der Beschuldigte war mit dem Betrieb und den Finanzen des Restaurants überfordert.»

Weil der Mann von den Bewohnern gewusst habe, erfülle sein Vorgehen den Tatbestand der mehrfachen eventualvorsätzlich versuchten Tötung. «Der Beschuldigte nahm den Tod dieser Menschen in Kauf.»

Verteidiger fordert einen Freispruch

Der Verteidiger fordert einen Freispruch. Bestraft werden soll sein Klient aber für zwei andere Vergehen, die das Verfahren zutage brachte: Der dreifache Vater hat seine Unterhaltspflichten für zwei Töchter vernachlässigt und mit der Beschäftigung eines Cousins ohne Aufenthaltsbewilligung gegen das Ausländergesetz verstossen.

Die Theorie der Staatsanwältin, wonach der Mann seinen Betrieb im Schadenfeuer habe sanieren wollen, überzeugt den Verteidiger nicht. Die Jahresabschlüsse seien fehlerhaft und würden nicht aufzeigen, dass es um das Lokal derart schlecht gestanden sei. Zudem beweise die Handy-Verortung nicht, dass er die Tat auch ausgeführt habe. «Es bestehen ernsthafte und nicht überwindbare Zweifel an der Schuld meines Klienten. Ein Freispruch ist die logische und zwingende Konsequenz.»

Das Restaurant Untertor stand lichterloh in Flammen. (Bild: Luzerner Polizei)
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Das Restaurant Untertor am Eingang zum Städtli Willisau wurde durch den Brand vollständig zerstört. (Bild: Radio Pilatus)
Das Restaurant Untertor stand lichterloh in Flammen. (Bild: Luzerner Polizei)
Die Flammen loderten, als die Feuerwehr Willisau-Gettnau zum Untertor ausrückte. (Bild: Feuerwehr Willisau-Gettnau)
Die Flammen loderten, als die Feuerwehr Willisau-Gettnau zum Untertor ausrückte. (Bild: Feuerwehr Willisau-Gettnau)
Das Restaurant Untertor am Eingang zum Städtli Willisau wurde durch den Brand vollständig zerstört. (Bild: Radio Pilatus)

Das Restaurant Untertor stand lichterloh in Flammen. (Bild: Luzerner Polizei)

Willisau: Das Untertor erstrahlt in neuem Glanz

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Jessica Bamford