Illegale Abfallentsorgung
Dank Videokamera bei Sammelstellen: Gemeinde Ebikon entlarvt 13 Güselsünder

Innert einem halben Jahr hat die Gemeinde Ebikon 41 Personen wegen illegaler Abfallentsorgung oder Vandalismus an die Polizei verzeigt. Zwei Drittel davon sind allerdings noch nicht identifiziert.

Roman Hodel
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Tatort Sammelstelle. Ein Mitarbeiter des Werkdienstes der Gemeinde Ebikon entdeckt am Morgen illegal entsorgten Abfall und macht davon ein Foto. Dieses schickt er an die Gemeindeverwaltung. Dort sind zwei Angestellte autorisiert, die Videoaufnahmen der Sammelstelle zu sichten. Auf den Aufnahmen der vergangenen Nacht wird die Person rasch identifiziert, die illegal Abfall entsorgt hat. Nun erstattet die Gemeinde Anzeige an die Polizei, zusammen mit Fotos und den Videoaufnahmen.

So versucht Ebikon seit vergangenem Juli an offiziellen Sammelstellen Abfallsünder zur Strecke zu bringen. Von den total sieben Sammelstellen lässt sie deren zwei per Video überwachen ‒ jene im Quartier Fildern und jene an der Schulhausstrasse hinter dem Einkaufszentrum Ladengasse:

Bild: Pius Amrein (Ebikon, 23. Februar 2021)

Eine weitere Kamera befindet sich beim Schulhaus Zentral, wo es immer wieder zu Vandalismus und Littering gekommen ist.

In diesem ersten, gut halben Jahr ist es bereits zu 41 Verzeigungen von Straftaten wie illegale Abfallentsorgung oder Vandalismus gekommen, wie die Gemeinde Ebikon mitteilt. In 13 Fällen konnten Personen aufgrund des Videomaterials von der Polizei eindeutig erkannt und angezeigt werden, bei 28 Verzeigungen sind die Verfahren hängig.

Manche Sünder tarnen sich mit Mützen oder Kappen

Laut Alex Mathis, Geschäftsführer der Gemeinde Ebikon, ist das Überführen der Abfallsünder nicht immer einfach: «Schwierig ist es bei Personen, die nicht eindeutig identifizierbar sind.» So würden sich manche mit Mützen oder Kappen tarnen ‒ oder sie wenden sich von der Kamera ab. Schliesslich seien bei der Sammelstelle Schulhausstrasse Abfälle anfänglich auch noch im Sichtschutz des Altkleidercontainers illegal entsorgt worden. Diesen habe man deshalb inzwischen entfernt. Wer Kleider an Bedürftige weitergeben möchte, kann nun auf die Container an der Ronmatt, Dorf- oder Hartenfelsstrasse ausweichen.

Obwohl bis jetzt erst rund ein Drittel der Verzeigten eindeutig erkannt werden konnten, zieht Mathis eine positive Zwischenbilanz:

«Die Kameras haben eine präventive Wirkung ‒ an den zwei überwachten Sammelstellen wird heute kaum mehr Sperrgut entsorgt.»

Früher seien ganze Möbelstücke oder auch Elektronikgeräte einfach hingestellt worden. Nach wie vor sackweise entsorgt würden jedoch PET-Flaschen und Karton. «Aus Bequemlichkeit», wie Mathis vermutet. Im Übrigen sei der Aufwand bezüglich Aufdeckung illegaler Abfallentsorgung für die Gemeinde überschaubar und der Prozess «sehr schlank».

Mathis mahnt in diesem Zusammenhang daran, dass die illegale Entsorgung von Abfällen als Offizialdelikt gilt, welches von Gesetzes wegen bestraft wird. Die identifizierten strafbaren Personen werden von der Polizei vorgeladen. Die Staatsanwaltschaft erteilt eine Busse, die Polizei stellt Gebühren in Rechnung und die Gemeinde den Entsorgungsaufwand. Die Verfahrenskosten variieren insgesamt je nach illegaler entsorgter Abfallmenge zwischen 500 und 1500 Franken.

Stimmvolk sagte deutlich Ja zur Videoüberwachung

Damit die Gemeinde Ebikon die Kameras überhaupt installieren durfte, war eine Revision des Informations- und Datenschutzreglements nötig. Diese hatte die Stimmbevölkerung im November 2019 mit 83,5 Prozent Ja-Stimmen gutgeheissen. Mathis betont, dass die Auswertung des Videomaterials ‒ wie im Reglement festgehalten ‒ nur bei einer Straftat eingeleitet wird. Zudem entspreche die Handhabung den Vorgaben des Datenschutzgesetzes. Eine Ausdehnung der Videoüberwachung auf weitere Sammelstellen oder andere öffentliche Plätze ist gemäss Mathis momentan nicht vorgesehen.