Im Ebikoner Sprötzehüsli erhalten einsame Menschen Gesellschaft

Ein öffentlicher Mittagstisch bietet jeden Freitag die Möglichkeit, sich selbst und anderen Gutes zu tun. Die Zukunft des Projekts ist aber noch offen.

Manuel Burkhard
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Patrick Widmer (schwarze Jacke) mit Alex Fischer und weiteren Helfern im Sprötzehüsli.

Patrick Widmer (schwarze Jacke) mit Alex Fischer und weiteren Helfern im Sprötzehüsli.

Manuela Jans-Koch (Ebikon, 6. Dezember 2019)

Er ist der Inbegriff des sozialen Lebens: der Tisch. Ob in der Familie, unter Freunden oder bei der Arbeit; zum Essen setzt man sich hin und hat Zeit und Musse, sich auszutauschen. Doch dieses Glück ist nicht allen vergönnt. Nicht bloss, weil man wegen Termindruck mal keine Zeit hat. Aber es gibt auch jene, die niemanden haben, mit dem sie sich hinsetzen könnten. Dieser Problematik hat sich nun der Verein «Äbike helft» angenommen.

Grundsätzlich leistet der im Frühling 2017 gegründete Verein bei Bedarf finanzielle Unterstützung. Mitgründer und Präsident Patrick Widmer erklärt: «Wir wollen mit wenig Bürokratie Hilfe bieten in schwierigen Situationen.» Leute aus Ebikon oder mit einem Bezug zu Dorf und Umgebung können dafür ein Gesuch an den Verein einreichen. Die Gesuche werden von einer Vergabekommission geprüft, deren Mitglieder durch ihre berufliche Erfahrung in Kirchen, Behörden und Schulen mit den Herausforderungen der Menschen vertraut sind.

Bisher rund 40'000 Franken ausbezahlt

Rund 50 Mal ist der spendenfinanzierte Verein bisher aktiv geworden. «Die Beträge liegen üblicherweise zwischen 100 und 500 Franken, in Einzelfällen auch höher. Bisher wurden etwa 40'000 Franken ausbezahlt», sagt Widmer.

Darunter sind traurige Fälle wie jener einer Sozialhilfebezügerin, die die Kosten für das Einschläfern ihrer Katze nicht aufbringen konnte; unerwartete wie die Rückführung eines im Ferienlager verunfallten Jugendlichen durch die Rega, aber auch erfreuliche wie Spenden an Jugendlager und Fasnachtsgruppen.

Ziel: Der Vereinsamung entgegentreten

Nun hat der Verein erstmals ein längerfristiges Projekt initiiert. Die Idee dazu war im Sommer von Mitarbeitenden des Sozialamts eingebracht worden. Es zielte auf ein Problem ab, das vor allem ein städtisches zu sein scheint und sich in der wachsenden Agglomerationsgemeinde zusehends zeigt: Vereinsamung. Anfang Oktober eröffnete der «Äbike helft Treff» im Sprötzehüsli an der Dorfstrasse. Jeweils am Freitagmittag wird von ehrenamtlichen Helfern eine Suppe zubereitet und alle sind eingeladen, sich gemeinsam an den Tisch zu setzen. Bezahlt wird nach eigenem Ermessen – wer nicht kann, muss also auch nichts bezahlen.

Eigentlich wäre die Idee gewesen, nicht mehr verwertbare Lebensmittel zu verarbeiten, doch noch sei man nicht soweit. Das Brot erhalten zwar sie von einer lokalen Bäckerei. Aber Patrick Widmer erklärt: «Die Detailhändler dürfen wegen ihrer Hygienevorschriften keine Lebensmittel abgeben. Wir suchen noch nach einer Lösung.» Ob der Mittagstisch wirklich jene anzieht, die sonst alleine essen, lasse sich nicht so leicht feststellen. «Bedürftigkeit sieht man oft nicht,» sagt Alex Fischer, der ebenfalls seit der Gründung des Vereins aktiv ist. Was er sagen kann:

«Bisher kamen jeweils rund 20-30 Gäste, viele davon aus unserem Umfeld. Und die Spendenkasse war immer gut gefüllt.»

So ist der Treff zurzeit also noch eher eine zusätzliche Einnahmequelle. Die Initianten hoffen nun, dass ihr Angebot an Bekanntheit gewinnt und so mehr Leute erreicht. Patrick Widmer ist auf jeden Fall soweit zufrieden: «Mit dieser gesunden Suppe tut man sich selbst und anderen etwas Gutes.»

Angebot existiert vorerst bis Ende Winter

Der Treff ist vorerst bis Ende Winter geplant. Ob das Angebot im Sommer fortgesetzt wird, ist noch nicht entschieden. Patrick Widmer glaubt, dass bei sommerlichen Temperaturen wohl weniger Leute ins Sprötzehüsli kommen werden: «Wir ziehen im Frühling eine Zwischenbilanz und planen dann weiter.» Vorerst wird nun also am Freitag Suppe gekocht – und ganz Ebikon ist eingeladen, sich gemeinsam an das sozialste aller Möbel zu setzen: den Tisch.