Gekommen  um zu bleiben – Menschen aus 160 Nationen sind in Luzern zuhause

Gekommen um zu bleiben – Menschen aus 160 Nationen sind in Luzern zuhause

Für manche endet der Weg mit einem neuen Zuhause im Kanton Luzern. Ein Blick auf den ausländischen Teil der ständigen Luzerner Wohnbevölkerung.

Ismail Osman (Text) / Janina Noser (Grafik)
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Alleine schon der Begriff «Migrationshintergrund» kann zur Migräne führen. Er hat zumindest das Potenzial, polemisch aufgeheizte Streitgespräche über Sinn, Unsinn und die «Grenzen» der Zuwanderung zu befeuern.

Auch das Betrachten von Zahlen soll schon die eine oder andere Migräne verantwortet haben. Begutachtet man die aktuellsten Zahlen von Lustat Statistik Luzern zur Zuwanderung im Kanton Luzern, so erhält man aber vor allem eines: ein spannendes Bild der Luzerner Bevölkerung. Insgesamt 46117 Ausländerinnen und Ausländer gelten als «Niedergelassene», also permanente Mitglieder der Luzerner Bevölkerung. Damit sind Rund 11 Prozent der ständigen Luzerner Wohnbevölkerung ausländisch (insgesamt beträgt die Ausländerquote 18 Prozent).

Menschen aus rund 160 Nationen nennen den Kanton Luzern ihr zuhause. Man kann ob solcher Zahlen dichtegestresst ins Hyperventilieren geraten – oder man atmet tief durch und analysiert die Zahlen noch etwas genauer. Woher kommen die Menschen zu uns? Welches ist die momentan grösste Zuwanderungsgruppe? Wer bewirbt sich für den Schweizer Pass? Und wo trifft man eigentlich all diese zugewanderten Neo-Luzernerinnen und -Luzerner an? 

Inhaltsverzeichnis

    Zuwanderer

    Dass von den rund 46000 in Luzern niedergelassenen Ausländern 93 Prozent aus Europa stammen, ist einigermassen erstaunlich.

    Dass fast 10000 davon aus Deutschland stammen, erscheint hingegen leicht nachvollziehbar. Die historisch gewachsenen Einwanderungsgruppen aus Italien und Portugal machen noch immer einen merklichen Teil der ausländischen Wohnbevölkerung Luzerns aus.

    Und auch dass der noch junge Staat Kosovo, mit über 6000 Niedergelassenen, eine der grössten Bevölkerungsgruppen ausländischer Herkunft stellt, ist bekannt.

    Jüngst wurde – auch im Kanton Luzern – vermehrt über den Status der Eritreer diskutiert. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, wieso es sich lohnt, zweimal auf die Zahlen zu schauen: Insgesamt lebten vergangenes Jahr 2305 Eritreer in Luzern. Niedergelassene zählte man jedoch nur 497.

    Die grosse Mehrheit waren Jahresaufenthalter (1027) oder Vorläufig aufgenommene Asylsuchende (761). Hier ein Gesamtbild:

    Wie gut integriert die verschiedenen Zuwanderungsgruppe in die Gesellschaft als Ganzes sind, lässt sich nicht pauschal sagen. Tatsache ist aber, dass diverse Anstrengungen zur besseren Vernetzung unternommen wurden und werden.

    Hier ein Überblick auf einige der interessantesten Daten und Fakten rund um jene Personen, die teils von weit her kamen (darunter etwa 10 Personen aus dem Raum Ozeanien), um hier zu Luzernerinnen und Luzernern zu werden.

    Einbürgerungen 

    2018 wurden im Kanton Luzern 1697 Personen eingebürgert. Gemessen an der Gesamtzahl der ausländischen ständigen Wohnbevölkerung im Kanton Luzern entspricht dies einer Ziffer von 22,5 Einbürgerungen pro 1000 Ausländerinnen und Ausländer. Am häufigsten wurden Personen aus der Europäischen Union eingebürgert (643 Personen), davon am meisten Deutsche (271 Personen). Vergleichsweise häufig erhielten auch Personen aus dem Kosovo (303) und aus Serbien (119) das Schweizer Bürgerrecht.

    Migrationshintergrund

    Von allen Schweizerinnen und Schweizer, die Ende 2018 im Kanton Luzern wohnten, sind 8,7 Prozent im Ausland zur Welt gekommen. Umgekehrt wurden von den Ausländerinnen und Ausländern mit ständigem Wohnsitz in Luzern 16,8 Prozent im Kanton Luzern, und 3,7 Prozent in einem anderen Schweizer Kanton geboren. Über ein Viertel der ständigen Wohnbevölkerung Luzerns ab 15 Jahren hat einen Migrationshintergrund (28 Prozent). Von diesen insgesamt rund 94 700 Personen besitzen rund 34 500 Personen die Schweizer Staatsbürgerschaft.

    Ausländeranteil

    Seit 1991 hat sich die Zahl der Ausländer/innen mit ständigem Wohnsitz im Kanton um 95,6 Prozent erhöht (+37081 Personen). Der Ausländeranteil hat im gleichen Zeitraum von 11,9 auf 18,5 Prozent zugenommen und liegt damit weiterhin deutlich unter dem schweizerischen Durchschnitt. Dieser ist im gleichen Zeitraum von 17,4 auf 25,1 Prozent angestiegen. Zum Vergleich: Vor rund 100 Jahren, im Jahr 1920, Betrug der Ausländeranteil im Kanton Luzern 5,2 Prozent. Im Verlauf des 2. Weltkrieges sank er 1941 bis auf 2,7 Prozent runter.

    Sprachen

    Mit der Zunahme des Ausländeranteils ist auch die Luzerner Sprachenlandschaft vielfältiger geworden. Von babylonischen Verhältnissen kann aber nicht die Rede sein: Zu Hause oder mit den Angehörigen geben immerhin nicht weniger als 85 Prozent an, Schweizerdeutsch zu sprechen. Daneben sind Hochdeutsch (12 Prozent), Albanisch, Italienisch, Serbisch und/oder Kroatisch (alle je 4 Prozent) die zu Hause meistgesprochenen Sprachen. Rund 13 Prozent bezeichnen mehrere Sprachen als ihre Hauptsprache.

    Auswanderer

     Es gibt langjährige ausländische Luzerner, die sich entscheiden, in die alte Heimat zurückzuziehen. Die internationalen Wanderungssaldi (Einwanderungen abzüglich Auswanderungen) zeigen, dass 2018 netto Personen mit portugiesischer Staatsangehörigkeit (–161 Personen) den höchsten negativen Wanderungssaldo auswiesen. Auch Spanier und Serben verlassen Luzern derzeit eher, als das sie herziehen. Auf der anderen Seite kommen Personen aus Deutschland, Italien und dem Kosovo eher her, als das sie von hier wegziehen.

    Kontaktstellen und Kulturvereine

    An wen können sich Neuankömmlinge im Kanton Luzern wenden? Wie vernetzt man sich mit anderen, die den gleichen Weg gegangen sind und hier erfolgreich Fuss gefasst haben? Ein Überblick.

    Fabia: Für viele die erste Anlaufstelle
    In Sachen Integrationsangebote verweist der Kanton Luzern offiziell an die Fachstelle für die Beratung und Integration von Ausländerinnen und Ausländern (Fabia). Sie organisiert unter anderem Deutsch- und Integrationskurse. Neben der Förderung der Sprache werden die Teilnehmer mit integrationsrelevanten Themen vertraut gemacht wie zum Beispiel Wohnen, Einkaufen, Arztbesuche oder Schule. Sie berät Migrantinnen und Migranten auch in Diskriminierungsfragen. Zudem arbeitet die Fabia mit der PH Luzern und der Hochschule für Soziale Arbeit in Luzern zusammen, welche den CAS-Studiengang Integrationsmanagement mit Fokus Diversität und Migration anbietet. Die Fabia berät zudem auch Fachpersonen aus dem Schulbereich.
    Mehr Infos: www.fabialuzern.ch

    Caritas: Freiwillige als Mentorinnen und Mentoren
    Kaum eine Organisation hat im Kanton Luzern mehr Erfahrung in Sachen Integrationsarbeit als die Caritas. Der gemeinnützige Verein ist Teil der Diakonie der katholischen Kirche im Kanton Luzern. Neben rund 160 Mitarbeitenden leisten auch gegen 250 Freiwillige einen Beitrag an die diversen Programme und Projekte der Organisation. Im Bereich der Integration besteht etwa das Angebot «Copilot». Es handelt sich dabei um ein Mentoringprogramm, bei dem Eltern im Hinblick auf den Schuleinstieg ihrer Kinder unterstützt werden. Beim Projekt «In Deutsch unterwegs» wird eine fremdsprachige Person an eine deutschsprachige Person vermittelt, um sie beim Deutschlernen zu unterstützen. Weiter bietet die Caritas Dolmetscherdienste in 50 Sprachen an.
    Mehr Infos: www.caritas-luzern.ch

    Kirchen: Wo gemeinsam gebetet wird
    Einen der spannendsten Blicke auf die Zusammensetzung der Luzerner Bevölkerung bietet das Projekt «Religionsvielfalt im Kanton Luzern». Dieses wurde vom Religionswissenschaftlichen Seminar der Universität Luzern lanciert. Auf der entsprechenden Onlineplattform finden sich Informationen zu den rund hundert verschiedene Religionsgemeinschaften, die gegenwärtig im Kanton Luzern bestehen. Tipp: der Audioguide «Sound of Religion». Darin wird ein kurzer akustischer Einblick in die Religionslandschaft der Stadt Luzern gewährt. Darunter etwa in die St. Karli Kirche. Nebst der Eritreisch-orthodoxen Gemeinschaft feiern dort auch die kroatischen Katholiken jeden Sonntag mit 600 bis 800 Personen ihren Gottesdienst.
    Mehr Infos: www.unilu.ch/rel-LU

    Kulturanlässe: Wo man auf Menschen trifft
    Interkulturelle Annäherungsversuche klappen schon seit je her besonders gut, wenn sie durch den Magen gehen. Essen als Eisbrecher zwischen den Kulturgruppen Luzerns versuchen auch verschiedene Anlässe zu Nutzen. Die Aktionswoche gegen Rassismus im vergangenen März stand unter dem Motto «Luzern isst vielfältig», an dem sich rund 40 Gastrobetriebe beteiligten. Und vom 12. bis 15. Dezember findet in der Stadt Luzern zudem das internationale Weihnachtsforum Venite statt. Beide Anlässe sollen ein Zeichen für eine respektvolle Gesellschaft setzten und, nicht zuletzt mittels gegenseitiger kulinarischer Wertschätzung, dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dienen.
    Mehr Infos: www.venite.ch und www.stadtluzern.ch

    Vereine: Wo die Feste gefeiert werden
    Die Schweiz ist das Land der Vereine. Das gilt durchaus auch für die ausländische Bevölkerung. In der Zentralschweiz bestehen über 70 Vereine von Zugewanderten, deren Mitglieder meist unentgeltlich ihre Landsleute bei der Integration und dem Ausleben der eigenen Kultur unterstützen. In diesem Rahmen werden unzählige Anlässe organisiert und Feste gefeiert. Diese reichen vom Neujahrsfest der griechischen Gemeinde Luzern, über den «Tuesday Coffee» des englischsprachigen International Women’s Club of Lucerne, bis zu den regelmässigen italienischen Kinoabenden der Società Dante Alighieri – Comitato di Lucerna, um nur drei zu nennen.
    Eine Liste mit Vereinen und Organisationen von Migrantinnen und Migranten finden Sie auf: www.fabialuzern.ch/vernetzung