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Im Kanton Luzern werden wieder Spargeln geerntet – Ettiswiler Bäuerin hofft auf feuchten Sommer

Im Kanton Luzern werden seit kurzem wieder Spargeln geerntet. In welchem Umfang das in diesem Jahr möglich sein wird, hängt vom Wetter ab. Der Hitzesommer 2018 könnte sich noch immer auswirken.
Lucien Rahm
Gemüsebäuerin Angelika Hartmann baut in Ettiswil grüne Spargeln an. (Bild: Boris Bürgisser, 24. April 2019)

Gemüsebäuerin Angelika Hartmann baut in Ettiswil grüne Spargeln an. (Bild: Boris Bürgisser, 24. April 2019)

Zum Osterfest dürfte manch einer bereits einige davon verspeist haben: Spargeln. Seit kurzem werden sie auch in der Zentralschweiz geerntet – auf rund 3,6 Hektaren. Im Vergleich zur schweizweiten Anbaufläche von rund 390 Hektaren eine bescheidene Menge. Der Grossteil wird in der Ostschweiz angepflanzt. In unserer Region dominiert der grüne Spargel (siehe Kasten unten).

Seit dieser Woche ist auch die Luzerner Gemüsebäuerin Angelika Hartmann wieder damit beschäftigt, das auch in ihrem Fall grüne Gewächs von ihren beiden Äckern zu holen. Seit fünf Jahren baut sie in Ettiswil auf rund 1,5 Hektaren Spargeln an. Für die grüne Variante hat sie sich entschieden, weil diese Sorte einfacher zu handhaben sei. Im Gegensatz zu den weissen Spargeln, die nur begrenzt aus der hierfür aufgetürmten Erde heraustreten und zum Ernten ausgestochen werden müssen, treten ihre grünen Kollegen aus dem Boden heraus. Dadurch müssen sie nicht aus dem Boden herausgestochen werden, sondern können einfach abgeschnitten werden. Überragen die Grünspargeln den Acker um 22 bis 24 Zentimeter, setzen Hartmann und ihre Mitarbeiter mit Küchenmessern zum Schnitt an.

Bis zu 300 Kilo Spargeln pro Tag

Bei den derzeit herrschenden Temperaturen wächst das längliche Gemüse auf Hartmanns beiden Äckern täglich um etwa fünf Zentimeter. Mindestens 10 Grad sind nötig, damit die Spargeln wachsen. Rund 50 Kilogramm lassen sich so momentan jeden Tag vom Feld holen. In den Sommermonaten steigt diese Menge auf 100 bis 300 Kilogramm an – abhängig von den Witterungsverhältnissen.

Angelika Hartmann bei der Ernte auf einem ihrer beiden Äcker. (Bild: Boris Bürgisser, Ettiswil, 24. April 2019)

Angelika Hartmann bei der Ernte auf einem ihrer beiden Äcker. (Bild: Boris Bürgisser, Ettiswil, 24. April 2019)

Mit dem Gemüse verdient Hartmann ihr Geld seit einigen Jahren. Mit Schneidinstrumenten befasste sie sich aber schon zuvor: nämlich als gelernte Damenschneiderin. Vor sieben Jahren tauschte sie dann die Stoffschere gegen das Gemüsemesser, als ihre Eltern in Pension gingen und ihr Bauernhof einen neuen Betreiber benötigte. «Ich wollte aber keine Tiere halten, darum habe ich mich für Kürbisse und Spargeln entschieden», sagt sie. Daneben baut Hartmann Weizen und Mais an. Die Spargeln hat sie vor fünf Jahren anzupflanzen begonnen – zunächst auf einem 0,5 Hektar grossen Feld. Vor zwei Jahren kam ein rund doppelt so grosses hinzu. Ab ihrem dritten Jahr seien die Spargeln verwertbar. Beim zweiten Feld ist dies in der aktuellen Saison erstmals der Fall. Eine Kultur halte rund zehn Jahre lang.

Um die dutzenden Kilos Grünspargel von den zwei Feldern zu holen, lässt sich Hartmann von zehn Mitarbeitern unterstützen. Darunter sind Pensionierte und Stellensuchende. Um 6 Uhr legen Hartmann und ihre Helfer jeweils los. Bis um zirka 10 Uhr – in den Sommermonaten wird bis um etwa 14 Uhr geerntet und verarbeitet – sind alle Spargeln, welche eine ausreichende Länge aufweisen, von der Wurzel losgeschnitten und in zahlreichen Garetten verstaut. Bereits bei diesem Vorgang werden sie grob sortiert: In die erste und die zweite Qualitätsklasse. Anschliessend werden sie im Hof maschinell zugeschnitten, sodass alle Exemplare gleich lang werden.

B-Ware wird zur Suppe

Den Grossteil der Spargelernte verkauft Hartmann an die Migros. Zum Detailhändler gelangt ausschliesslich die erstklassige Ware. Der Rest wird an Restaurants in ihrer Region geliefert oder landet in ihrem Hofladen, wo sie als 500-Gramm-Bündel erstanden werden können. Wer dabei nicht auf eine einwandfreie Optik setzt, kann für einen kleinen Preisnachlass zur B-Ware greifen.«Die kann man zum Beispiel als Suppenspargeln verwenden», so Hartmann. Sie selbst verarbeitet die zweitklassigen Spargeln zu Eingemachtem weiter, das sie ebenfalls in ihrem Hofladen zum Verkauf anbietet. Mit ihren Produkten ist Hartmann auch an Märkten präsent. Aufgrund des letztjährigen Hitzesommers könnten die Spargeln, die dieses Jahr reifen, etwas weniger sein, befürchtet Hartmann. Zeigen wird sich das in den kommenden Monaten. Geerntet wird bis Mitte Juni.

Schweizer essen pro Jahr 1,3 Kilo Spargeln

In der Zentralschweiz wurden 2018 auf 3,6 Hektaren grüne Spargeln angebaut. Die Menge schwankt von Jahr zu Jahr. «Im Kanton Luzern wird bisher fast ausschliesslich Grünspargel angebaut», sagt Daniel Bachmann vom Kompetenzzentrum Strickhof in Lindau ZH. Acht Betriebe würden dies «in nennenswertem Umfang» tun. Über 90 Prozent dieser Betriebe tun dies auf einer Fläche von 30 Aren oder mehr, heisst es bei der Schweizerischen Zentralstelle für Gemüsebau und Spezialkulturen.

Gemäss dem Verband Schweizer Gemüseproduzenten konsumiert eine Person in der Schweiz jährlich durchschnittlich rund 1,3 Kilogramm Spargeln. Knapp 800 Tonnen davon stammen aus dem Inland, 10'000 Tonnen werden importiert. (lur)

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