Im Kloster Rickenbach sollen junge Demenzkranke unterkommen

Im Kloster Rickenbach soll ein Ort für junge Leute mit Demenz entstehen – wenn die Umzonung am 28. Juni angenommen wird.

Peter Weingartner
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Blick auf das ehemalige Dominikanerinnen-Kloster am Dorfrand von Rickenbach.

Blick auf das ehemalige Dominikanerinnen-Kloster am Dorfrand von Rickenbach.

Bild: Manuela Jans-Koch (11. Juni 2020)

Seit 15 Jahren bietet der Hof Obergrüt in Ruswil ein Betreuungsangebot für Demenzbetroffene: Tages- und Ferienbetreuung, Therapien, Begleitung Angehöriger. Angefangen hat man mit zwei Ferien- und einem Tagesplatz. «Heute sind es neun Ferienplätze und vier Tagesplätze», sagt Luzia Hafner, Gründerin des Angebots. Die steigende Nachfrage hätte eine Erweiterung erfordert, was gemäss Raumplanungsgesetz an diesem Standort nicht möglich war.

Was tun? Im ehemaligen Dominikanerinnen-Kloster am Rande von Rickenbach fand sich im März des letzten Jahres die Lösung. Voraussetzung für eine Umnutzung der Liegenschaft ist aber die Umzonung von der Sonderbauzone Kloster in die Zone für öffentliche Zwecke. Und darüber wird am 28. Juni in Rickenbach an der Urne abgestimmt.

Schweizweite Vorreiterrolle

«Schweizweit gibt es noch keine spezialisierten Wohnformen für junge Menschen mit Demenz», sagt Hafner. Demenz ist längst nicht mehr eine Krankheit, an der nur Hochbetagte leiden. Jung meint Menschen unter 65 Jahren mit Demenz, die körperlich noch leistungsfähig sind, den Alltag aber krankheitsbedingt nicht mehr meistern können. Deren Unterbringung in Betagten- oder Behinderteninstitutionen hält Luzia Hafner nicht für optimal. Und hier springen der Verein und die Stiftung Hof Rickenbach (www.projekt-hofrickenbach.ch) mit ihren Angeboten ein. Das Angebot gilt für Personen aus der ganzen Schweiz.

Zusätzlich zu Ferienplätzen (12) und Tagesplätzen (6) für Menschen mit Demenz unabhängig vom Alter gibt es Angebote explizit für junge Menschen mit Demenz. Das ist zum einen eine Wohngruppe mit elf Plätzen für Menschen im Anfangs- und im mittleren Stadium der Krankheit, zum andern bietet die Institution in sieben Ein- oder Zweibettzimmern Langzeitpflegeplätze mit Betreuung, Pflege und Begleitung bis zum Tod an. 35 Vollzeitstellen sind für den Betrieb budgetiert.

In Planung sind sieben Arbeitsplätze. Entsprechend ihren Fähigkeiten und Ressourcen sollen die leistungsfähigen Menschen in Haus, Garten, Werkstatt und bei den Tieren arbeiten können. «Dadurch fühlen sie sich gebraucht, was ihrer Lebensqualität zuträglich ist», sagt Luzia Hafner. Sinnstiftender Alltag.

Bereits im Herbst sollen die Umbau- und Sanierungsarbeiten beginnen. «Mit Kauf und Umbau ist das ein Zehn-Millionen-Projekt», sagt Hafner, und sie hofft und wünscht sich, dass Umzug und Betriebsaufnahme im Frühling 2021 erfolgen können. Dazu müsse die Finanzierung gesichert sein. Während für die Pflegefinanzierung gleiche Bedingungen wie für Alters- und Pflegeheime gelten, ist die Institution Hof Rickenbach für den Bau und den Umbau auf Spenden, sei es von Stiftungen, aber auch von Einzelpersonen angewiesen. «Wir sind auch dankbar für handwerkliche Naturalleistungen oder Fronarbeiten, wenn es zum Beispiel um Malerarbeiten oder der Bau von Hochbeeten geht», sagt Luzia Hafner. Während des Betriebs sind Freiwillige willkommen, als Paten, die mit Bewohnern biken oder schwimmen gehen. Hafner: «Ich kann mir vieles vorstellen.»

Begegnungen zwischen Gesunden und Kranken

Eine Einfriedung müsse angesichts des weitläufigen Areals gebaut werden, doch man prüfe auch technische Möglichkeiten der Überwachung. «Unser Ziel ist es, eine hohe Autonomie mit dem Sicherheitsaspekt möglichst in Einklang zu bringen», sagt Luzia Hafner. Die neue Institution im Kloster Rickenbach, weniger abgelegen als der Hof Obergrüt in Ruswil, ermöglicht, so die Idee, Begegnungen zwischen gesunden und kranken Menschen, und zwar in öffentlich zugänglichen Begegnungszonen in Haus und Garten. Auch die Kapelle sowie ein grösserer Raum sollen sowohl intern wie extern genutzt werden können.

Der Urnenabstimmung sehen Hafner und das engagierte Hof-Rickenbach-Team zuversichtlich entgegen; sie spüren ein Wohlwollen der Bevölkerung. Auch Gemeindepräsident Roland Häfeli ist sicher: «Rickenbach steht hinter dem Projekt.»