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Im Krienser Asylzentrum «Grosshof» sollen ab Ende August auch Familien leben

Bisher war der «Grosshof» einzig das Zuhause von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden. Weil die Zahlen stark rückläufig sind, ziehen bald auch Familien ein.
Evelyne Fischer
Das Asylzentrum Grosshof in Kriens. (Bild: Nadia Schärli, 24. November 2017)

Das Asylzentrum Grosshof in Kriens. (Bild: Nadia Schärli, 24. November 2017)

Bis zu 120 unbegleitete minderjährige Asylsuchende (MNA) könnten im «Grosshof» in Kriens leben. Derzeit sind aber viele Plätze unbesetzt. Grund: rückläufige Asylzahlen. «Im Vergleich zu den letzten Jahren hat die Zahl der MNA, die in die Schweiz gelangten, stark abgenommen», sagt Silvia Bolliger, Leiterin der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen. «Aktuell leben im ‹Grosshof› nur 74 MNA». 16 davon werden zudem demnächst die Volljährigkeit erreichen und Ende Juli in Wohnungen einziehen.

Seit Januar sind dem Kanton nur sechs MNA zugewiesen worden, bis Ende 2018 rechnet Silvia Bolliger mit «zwei, drei weiteren pro Monat». Dass weniger Kinder und Jugendliche unbegleitet in die Schweiz gelangen, hat Konsequenzen für den Zentrumsbetrieb: Um eine optimale Auslastung des «Grosshof» zu erreichen, ziehen ab Ende August zusätzlich Familien ins Asylzentrum ein, wie der Kanton am Mittwoch mitteilt. Die Familien dürften nach wie vor meist aus Ländern wie Eritrea, Syrien oder Afghanistan stammen. «Wir rechnen mit 40 Plätzen, verteilt auf vier Wohneinheiten, die wir Familien anbieten können», sagt Bolliger. Für den Zugang zu diesen Bereichen brauchen die Asylsuchenden einen entsprechend programmierten Badge. «Innerhalb dieser Wohneinheiten werden wir Familien und MNA nicht mischen.»

Für Familien und Jugendliche gelten gleiche Regeln

Die Nachbarschaft ist am Dienstagabend von der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen sowie der Gemeinde Kriens über die geplante Neuausrichtung ins Bild gesetzt worden. Die Jugendlichen im «Grosshof» hat man laut Bolliger bereits im Zuge neuer Zimmereinteilungen über die Zukunft der leer stehenden Wohnräume «grob informiert».

Die Jugendlichen würden vor dem Einzug der Familien nochmals «vertieft» orientiert, betont Bolliger. «Für sie wie auch die Familien gelten künftig die gleichen Hausregeln. Unsere Mitarbeiter werden weiterhin auf die Bedürfnisse der minderjährigen Asylsuchenden eingehen, auch am Bewohnerrat ändert sich nichts.»

Dieser ist im März eingeführt worden, um den Jugendlichen mehr Mitsprache zu ermöglichen. Ihre Unzufriedenheit – Anfang Jahr kam es zu Randalen – gründete auch in der Kürzung der wirtschaftlichen Sozialhilfe von 11 Franken täglich: Im «Grosshof» werden an Unter-16-Jährige pro Tag noch 3 Franken und an Jugendliche über 16 Jahre noch 6 Franken ausbezahlt. Grund für die Reduktion ist ein verändertes Verpflegungssystem: Weil für die Jugendlichen gekocht wird, brauchen sie weniger Geld.

«Die Verpflegungssituation ist einer der Punkte, die wir genau anschauen müssen.
Hier besteht Konfliktpotenzial.»

Silvia Bolliger


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eiterin Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen

Die einziehenden Familien hingegen werden künftig selber kochen müssen. «Die Verpflegungssituation ist einer der Punkte, die wir genau anschauen müssen», sagt Bolliger. «Hier besteht Konfliktpotenzial.» Auch müsse sowohl der Jugend- als auch der Kindesschutz sichergestellt werden. Damit habe man aber im einstigen Asylzentrum Sonnenhof in Emmen «positive Erfahrungen» gemacht, sagt Bolliger. «Die Jugendlichen pflegen in der Regel einen sehr guten Umgang mit Kindern und können von erwachsenen Vorbildern aus den eigenen Kulturkreisen profitieren.»

Weil sich künftig der Betreuungsschlüssel der «Grosshof»-Bewohner ändert – auf sieben MNA kommt ein Betreuer, bei erwachsenen Asylsuchenden gilt das Verhältnis 13:1 – kann sich die Zahl der dortigen Mitarbeiter im Asylbereich ändern. Aktuell teilen sich im «Grosshof» 23 Mitarbeiter 17 Vollzeitstellen. «Wir teilen das Personal entsprechend den Bedürfnissen ein. Damit die Übergangsphase reibungslos verläuft, halten wir in einem ersten Schritt an diesen Stellenprozenten fest», sagt Bolliger. «Später kann es sein, dass Abgänge nicht mehr ersetzt werden. Aber es wird im ‹Grosshof›-Team keine Entlassungen geben.»

Gemeinderat Kriens hat Forderungen gestellt

Die Standortgemeinde Kriens hat die Pläne einer Neuausrichtung des Asylzentrums aus mehreren Gründen unterstützt, wie Sozialvorsteher Lothar Sidler auf Anfrage sagt: «Familien mit Kindern bedeuten keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Die neue Zusammensetzung der ‹Grosshof›-Bewohner kann betriebsintern zudem deeskalierend wirken.»

Der Gemeinderat knüpfte sein Ja aber an Bedingungen: Unter anderem mussten sowohl die Begleitgruppe wie auch die direkten Anwohner vor der Öffentlichkeit informiert werden. «Wir verlangten auch, dass der Leistungsvertrag angepasst wird und künftig die aktuelle Situation abbildet», sagt Sidler. Damit will man gewährleisten, dass die jeweiligen Bedürfnisse stets abgedeckt werden. Ein Anliegen war es der Krienser Behörde auch, dass nur asylsuchende Familien aufgenommen werden. «Sobald diese den Flüchtlingsstatus erlangen, sollen für die Unterbringung alle Gemeinden in die Pflicht genommen werden.»

Zentrum für mindestens zehn Jahre

Das Asylzentrum Grosshof hat im Dezember 2017 seinen Betrieb aufgenommen.

Aufgrund seines längerfristigen Betriebs von mindestens zehn Jahren ist der «Grosshof» ein wichtiger Pfeiler der kantonalen Zentrenstrategie. Demnach sollen Asylsuchende bis zum Entscheid über ihr Gesuch in einem Asylzentrum untergebracht werden. Je nach Grad der Selbstständigkeit werden die Asylsuchenden auf die verschiedenen Zentrumstypen verteilt. MNA bleiben aufgrund ihrer speziellen Bedürfnisse im «Grosshof», bis sie die Volljährigkeit erreicht haben.

Tag der offenen Tür im Asylzentrum Grosshof
Am Samstag, 16. Juni, findet von 10 bis 16 Uhr der Tag der offenen Tür im Asylzentrum Grosshof statt. Die Bevölkerung ist eingeladen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

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