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Im Krienser Handy-Café können die Alten etwas von den Jungen lernen

Im Schappe Kulturquadrat erklären Krienser Jugendliche interessierten Senioren den Gebrauch des Handys. Die jungen Experten sind sehr gefragt, wie ein Augenschein zeigt.
Natalie Ehrenzweig
Flavia Züst (mitte) erklärt Monika Haas (links) und Maria Schwitter den Umgang mit dem Smartphone. (Bild: Manuela Jans-Koch, Kriens, 21. März 2019)

Flavia Züst (mitte) erklärt Monika Haas (links) und Maria Schwitter den Umgang mit dem Smartphone. (Bild: Manuela Jans-Koch, Kriens, 21. März 2019)

Erwartungsvoll sitzt eine Gruppe von über zwanzig Senioren letzten Donnerstag im Schappe Kulturquadrat in Kriens und wartet auf die Jugendlichen, die im Nebenzimmer die letzten Instruktionen von Marco Lustenberger erhalten. Er ist Bereichsleiter Jugend der Katholischen Kirche. Zum fünften Mal organisiert diese mit den Krienser Frauen und der Jugendanimation Kriens das Handy Café.

Kaum betreten die vierzehn Jugendlichen, die das Handy Café als Sozialprojekt für ihren Firmweg ausgesucht haben, den Raum und setzen sich an die Tische, nehmen die Senioren die jungen Handy-Experten in Beschlag. «So viele Senioren wie heute waren noch nie da», freut sich Marco Lustenberger. Allerdings müsse er sich in Zukunft wohl überlegen, mehr Jugendliche zu organisieren, meint er schmunzelnd. Zum Glück kommen einige Jugendliche als Freiwillige zurück.

Die Teenager wurden von Lustenberger unter anderem mit folgendem Tipp auf die Beratungsstunde vorbereitet:

«Habt Geduld mit den Senioren, sprecht laut genug und langsam und nehmt ihnen das Handy nicht einfach aus der Hand.»

Ausserdem sollten sich die Jugendlichen auch auf ein Gespräch einlassen und auch herausfinden, ob die Senioren noch zusätzliche Hilfe benötigen. Aber auch die vornehmlich älteren Damen haben sich schon zum Voraus die Fragen notiert.

Margherita (17) hat bereits ihren Grosseltern das Handy erklärt. «Sie brauchen es vor allem dazu, mit den Verwandten in Kontakt zu bleiben», sagt sie. Manchmal hätten sie schon Mühe, meint sie lachend. Raphael (14) ist gespannt auf den Abend: «Ich habe schon meiner Oma mit dem Handy geholfen, sie hat das recht schnell begriffen», erzählt er.

Mehr Geduld als Familienmitglieder

Raphael setzt sich gleich an den Tisch mit Walter Erni und Doris Menke. Sofort zückt der Krienser sein Notizbuch. Er braucht Hilfe beim Installieren von Whatsapp. Geduldig erläutert der 14-Jährige dem Senior, dass er dafür ein Google-Konto brauche. Schritt um Schritt zeigt er ihm, wie er vorgehen muss. Walter Erni notiert interessiert sein neues Login. Doris Menke hingegen hat schon länger die App installiert. «Ich jasse auch viel auf dem Telefon. Aber ich weiss nicht mehr, wie ich die Bilder, die mir geschickt werden, wieder löschen kann. Und ich möchte wissen, wie ich Text, den ich an mehrere Leute senden will, kopieren und weiterleiten kann», sagt die 77-Jährige. Sie denke, der jugendliche Experte habe mehr Geduld beim Erklären als ihre Familienmitglieder.

Normalerweise hilft eine Kollegin Sonja Schwegler (77) mit ihrem Handy. Aber diese sei heute auch gleich mitgekommen. Auch Schwegler möchte lernen, wie sie Bilder löschen kann. Und das Menü habe sich plötzlich verändert. Tim erklärt es ihr. Gian zeigt Irmgard Heer derweilen, wie sie die Fotos, die sie geschossen hat, mit ihrem Handy verschicken kann. «Er hat das super erklärt und mir alles aufgeschrieben», schwärmt die 88-Jährige. Jetzt weiss sie auch, wie sie das neue Smartphone abnehmen kann.

Projekt ist ein Erfolg

Die Gespräche laufen gut, die Jugendlichen wechseln auch mal den Tisch, denn es hat mehr Senioren mit Handy-Fragen als Experten. «Etwa ein Viertel der Besucher kommt zwei-, dreimal, andere haben ihre Fragen beim ersten Mal geklärt», erläutert Marco Lustenberger. Kaffee und Kuchen ist gratis, aber fürs gemütliche Käfele hat hier niemand Zeit. «Es ergeben sich schöne Situationen, zum Beispiel musste ein Senior bei einem App als Sicherheitsfrage beantworten, wie sein Kosename sei – beide mussten lachen. Zwei Generationen treffen sich», sagt Lustenberger. «Wir haben noch einen Handy-Café-Termin. Aber das Projekt ist so ein Erfolg, dass wir beschlossen haben, den Abend auch im Herbst wieder anzubieten.»

Nächster Handy-Café-Termin: Donnerstag, 11. April, 19 Uhr, Schappe Kulturquadrat, Kriens, Anmeldung nicht nötig. Infos: www.jugend-kriens.ch

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