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Im Luzerner Stadtzentrum sind die Nächte besonders heiss

Am Bundesplatz oder in der Altstadt kühlt es bis Mitternacht nicht richtig ab. Das wirkt sich negativ auf den Schlaf der Anwohner aus. Das Thema beschäftigt nun auch die Stadtverwaltung.
Stefan Dähler

Wo kann man in Luzern der grössten Hitze entfliehen? Ein Vergleich der Standorte Bundesplatz, Burgerstrasse, Weinmarkt, Jugendherberge, Bourbaki, Lido, Schlossstrasse und Sonnenberg zeigt: in der Innenstadt eher nicht. Wobei die Unterschiede vor Sonnenuntergang noch nicht allzu gross sind. Am 26. Juli durchgeführte Stichproben ergaben, dass es um 20 Uhr fast überall 29 bis über 30 Grad heiss war (siehe Grafik). Ausnahme ist das höher gelegene Hotel Sonnenberg in Kriens.

Danach ging die Schere auseinander. Während am Bundesplatz um 22 Uhr nach wie vor 28 Grad gemessen wurden, fiel die Temperatur in den grüneren Aussenquartieren auf rund 25 Grad. Um Mitternacht betrug die Temperatur am Bundesplatz immer noch fast 26 Grad, an der Schlossstrasse waren es für die Uhrzeit immer noch sehr warme, aber nicht mehr ganz so stickige 22 Grad.

Effekt ist zur Schlafenszeit am grössten

Die Temperaturdaten stammen von der Homepage «cool-bliibe.lu» der Luzerner Firma Innet, die sich auf Umweltmessungen spezialisiert hat. «Es handelt sich nicht um ein wissenschaftliches Projekt», betont Mario Betschart, stellvertretender Geschäftsleiter und studierter Klimawissenschaftler. «Die Stationen befinden sich nicht in einem genormtem Umfeld im Grünen oder zwei Meter über Grund.»

«Zwei bis vier Grad klingt nicht nach wahnsinnig viel, für einen erholsamen Schlaf ist das aber entscheidend.»

Es gehe in erster Linie darum, den Effekt der sogenannten städtischen Wärmeinseln aufzuzeigen. «Tagsüber ist es in Innenstädten zwar auch leicht wärmer, rund 1 Grad. Spürbar ist der Effekt vor allem am Abend und in den frühen Nachtstunden, wenn die Leute ins Bett gehen. Da bleibt es viel länger warm.» Dies, weil Strassen, Fenster oder Steingebäude die Wärme länger speichern als Wiesen oder Bäume. Hinzu kommt die teils fehlende Durchlüftung. Der Unterschied könne zwischen 2 bis 4 Grad betragen. «Das klingt nicht nach wahnsinnig viel, für einen erholsamen Schlaf ist das aber entscheidend», sagt Betschart.

Der städtische Wärmeinseln-Effekt werde in Zukunft aufgrund der Klimaerwärmung zunehmend eine wichtigere Rolle spielen. «Gut möglich, dass Städte dereinst an zahlreichen Orten systematisch die Temperatur messen. Erkenntnisse daraus könnte man allenfalls bei anstehenden Umbauten berücksichtigen, etwa bei der Planung eines Parks oder Bauten mit begrünten Dächern», sagt Betschart. Weiter sei ein Warnsystem denkbar. «An sehr warmen Tagen könnten die Städte empfindlichen Personengruppen wie Schwangere, Kranke, alte Leute oder Familien mit Kleinkindern empfehlen, überhitzte Orte zu meiden.»

Stadt muss sich an wärmeres Klima anpassen

Mit der Stadt Luzern hatte Betschart diesbezüglich noch keinen Kontakt. Bei den aktuellen Messungen an den acht Standorten handle es sich um ein privates Projekt, die Sensoren befänden sich nicht auf öffentlichen Plätzen. Nichtsdestotrotz beschäftigt sich auch die Stadt mit der Hitze. Aufgrund einer Motion der Grünen, die im April vom Grossen Stadtrat überwiesen worden ist, muss der Stadtrat eine Klima-Anpassungsstrategie erarbeiten. Im Vorstoss werden Ideen wie schattenspendende Bäume, Grün- und Wasserflächen sowie eine bessere Windzirkulation durch gezielte Anordnung von Gebäuden erwähnt.

Welche Massnahmen die Strategie tatsächlich enthalten könnte, ist noch offen. «Zuerst geht es darum, herauszufinden, wie stark die Stadt Luzern vom Klimawandel betroffen ist beziehungsweise sein wird», sagt Sibylle Sautier von der städtischen Abteilung Umweltschutz. Derzeit würden entsprechende Grundlagen erarbeitet. Das heisst: Mit externer Unterstützung wird die bisherige und zukünftige Entwicklung der wichtigsten Klimaparameter wie etwa Hitzetage, Niederschlag, Trockenperioden et cetera aufbereitet. Ausserdem werden die Ansprüche der städtischen Dienstabteilungen an eine Klimaanalyse erfasst.

«Die Messdaten des Projekts ‹cool-bliibe› sind im Zusammenhang mit der Temperaturverteilung in der Stadt sehr spannend, für die laufenden Arbeiten braucht es aber noch mehr und vor allem längerfristige Daten», sagt Sautier. So müsse man etwa systematisch Messungen aus den vergangenen Jahren vergleichen. Selbst ein wissenschaftliches Mess-System aufzubauen, sei derzeit kein Thema. «Das wäre mit grossem Aufwand verbunden.»

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