Im neuen Horwer Hochhaus stehen immer noch fast zwei Drittel der Wohnungen leer

Trotz Star-Architektin und toller Aussicht ist das Wohnen im Solitaire-Turm offenbar nicht so begehrt wie angenommen. Deshalb reagiert die Eigentümerin ein halbes Jahr nach dem Bezug bereits mit Massnahmen.

Roman Hodel
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Könnte noch ein paar Mieter vertragen: Das 44 Meter hohe Solitaire-Hochhaus im Zentrum von Horw.

Könnte noch ein paar Mieter vertragen: Das 44 Meter hohe Solitaire-Hochhaus im Zentrum von Horw.

(Bild: Dominik Wunderli, Horw, 29. März 2019)

Elegant sieht es aus – und auffällig: Die Rede ist vom Hochhaus namens Solitaire im Zentrum von Horw, zwischen Migros und Bahnhof. Dafür sorgen die mit Aluminium verkleideten, schuppenähnlichen Fassaden, aber auch die unregelmässige Fensteranordnung und das schräg auf zwei Ecken zulaufende Dach. Alles trägt die Handschrift der bekannten Architektin Tilla Theus. Sie hat unter anderem den Fifa-Hauptsitz in Zürich entworfen. Letzten Sommer begann der Bezug des 44 Meter hohen Turms, von dessen oberen Etagen die Mieter sogar Seesicht geniessen. Klingt alles toll – trotzdem sind sechs Monate nach Beginn des Bezugs gemäss Solitaire-Webseite noch immer 28 der 46 Wohnungen frei. Das sind 61 Prozent. Das oberste, 13. Stockwerk, steht sogar ganz leer. Einzig die 2,5-Zimmer-Wohnung dort für 1850 Franken im Monat brutto war anfänglich vermietet, inzwischen jedoch ist sie schon wieder zu haben.

«Tatsächlich liegen wir bei der Erstvermietung etwas hinter unseren Erwartungen zurück», sagt Bianca Sieber, Sprecherin der Asga Pensionskasse, welcher das Haus gehört. «Unsere Erfahrungen zeigen aber, dass wir bei Erstvermietungen grundsätzlich geduldiger sein müssen, als noch vor wenigen Jahren – gerade wenn wir eine grosse Anzahl neuer Wohnungen anbieten.» Das Solitaire richte sich als zentrales und modernes Hochhaus zudem explizit an eine urbane Mieterschaft, was das Potenzial an Mieterinnen und Mietern weiter etwas einschränke.

Hört man sich im Dorf um, kritisieren viele Horwer vor allem eines: Dass keine der Wohnungen über einen Balkon oder eine Loggia verfügt. «Fehlende Aussenflächen können für Mieterinnen und Mieter tatsächlich auch abschreckend wirken», sagt Sieber und ergänzt:

«Das ist uns bewusst und spiegelt sich auch in den erhaltenen Rückmeldungen.»

Als Grund für die fehlenden Balkone oder Loggias gibt sie «projektbezogene Änderungen während der Planungsphase» an. So sei etwa wegen der Bodenbeschaffenheit kein zweites Untergeschoss möglich gewesen. Damit die Wohnungen dennoch genügend Lagerfläche erhalten – Stichwort Keller –, habe man auf den Wohnetagen entsprechend Platz dafür geschaffen und im Gegenzug auf die Aussenflächen verzichtet. «Eine bei Hochhäusern nicht unübliche Praxis», sagt Sieber. «Denn sonst hätten wir zu viel Wohnungsfläche verloren.»

Um die Vermietung anzukurbeln, erhöht die Asga laut Sieber bis Ostern 2020 den Ausbaustandard in allen Wohnungen. So erhalten die Badezimmer beispielsweise Möbel unter den Lavabos und die Waschtürme in den Wohnungen eine Holzverkleidung. «Ausserdem werden teilweise Badewannen durch Duschen ersetzt und in einzelnen Wohnungen Boden- und Küchenelemente neu gestaltet», sagt sie. Die Mietzinse sollen gleich bleiben. 3,5 Zimmer beispielsweise kosten je nach Etage und Grösse zwischen 1920 und 2080 Franken brutto im Monat. Sieber betont:

«Eine gute Auslastung liegt uns nicht nur aus ökonomischen Gründen am Herzen, schliesslich sollen unsere Immobilien leben.»

Eigentlich waren Eigentumswohnungen geplant

Das Solitaire-Hochhaus hat eine längere Entstehungsgeschichte: Sie beginnt im November 2012, als das Horwer Stimmvolk einen lukrativen Deal genehmigte: Die Gemeinde konnte das gerade mal 985 Quadratmeter grosse Grundstück für zehn Millionen Franken an die Thurgauer HRS Investment AG verkaufen. Erst zwei Jahre später präsentierte deren Tochterfirma – die Totalunternehmerin HRS Real Estate AG – ihr Projekt nach Plänen von Tilla Theus. Verzögerungsgrund: Der schwierige Boden. Vorgesehen waren Eigentumswohnungen im mittleren Preissegment. Im Sommer 2015 startete über einen Immobilienmakler die Vermarktung. Die 4,5-Zimmer-Wohnung in der obersten Etage war für zwei Millionen Franken ausgeschrieben (Mietzins heute 3480 Franken im Monat brutto). Doch offenbar hielt sich das Interesse in Grenzen. Denn ein Jahr später hiess es seitens HRS plötzlich, es sei offen, ob es Eigentumswohnungen gebe. Was erstaunt, sind Letztere doch in Horw aufgrund des Steuerfusses und der Lage der Gemeinde gesucht.

Beim Spatenstich im Dezember 2016 verkündete HRS, dass Mietwohnungen realisiert würden, mit der ebenfalls aus der Ostschweiz stammenden Asga Pensionskasse als Investor. «Die Renditerechnung war nicht entscheidend für die Wahl von Mietwohnungen», sagt David Spiess, Generalsekretär der HRS Real Estate AG, heute. «Im Laufe der Entwicklung des Projekts hat sich gezeigt, dass der ausgezeichnete zentrale Standort noch besser für ein Investitionsprojekt mit Mietwohnungen geeignet ist.»