Im neuen Hospiz in Littau sollen sich die Patienten ein bisschen wie zu Hause fühlen

Am kommenden Montag öffnet das erste Zentralschweizer Hospiz für schwer kranke und sterbende Menschen in Littau seine Tore. Ein Augenschein.

Natalie Ehrenzweig
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Sterben wird in der Regel mit Trauer, Schwere und Düsternis assoziiert. Im Hospiz Zentralschweiz, das am kommenden Montag eröffnet wird, ist davon nichts zu spüren, wie ein Rundgang zeigt. Beim Gebäude an der Gasshofstrasse 18 mitten im Luzerner Ortsteil Littau handelt es sich um das alte Arzthaus der Schnyders, das liebevoll renoviert und erweitert wurde.

Bild: Pius Amrein, 19. Dezember 2019

«Das alte Wohnzimmer ist auch jetzt unser Wohnzimmer», freut sich Sibylle Jean-Petit-Matile, Hospiz-Ärztin und Mitglied der Geschäftsleitung.

Sibylle Jean-Petit-Matile, Hospiz-Ärztin und Mitglied der Geschäftsleitung

Sibylle Jean-Petit-Matile, Hospiz-Ärztin und Mitglied der Geschäftsleitung

«Wir haben tolle Details erhalten können wie zum Beispiel das alte Tonbandgerät und den Plattenspieler aus den 50er-Jahren.»

Wohnhaus wurde vor rund 60 Jahren gebaut

Das ursprüngliche Wohnhaus mit integrierter Praxis hat 1959 der Architekt Joseph Gasser – inspiriert vom amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright – entworfen. Die renovierte Version und der Anbau sind in warmen Erdtönen gehalten. Holz, grosse Fenster, sorgfältig ausgewähltes Licht, einen Lichthof, in den die Patienten sogar mit dem Bett hinaus können, viele gemütliche Sitzgelegenheiten und unzählige kleine, liebevolle Details sorgen für eine warme und heimelige Atmosphäre.

Bild: Pius Amrein, 19. Dezember 2019

Ein Stück weit wie daheim sollen sich die Patienten auch fühlen, die ab dem Dreikönigstag hier einziehen werden, um ihre letzte Lebenszeit zu verbringen. Dabei werden sie vom Hospiz-Team begleitet. «Doch wir haben nicht nur zwölf stationäre Betten und acht Tageshospizplätze. Bei uns gibt es auch Entlastungsaufenthalte», sagt Sibylle Jean-Petit-Matile. «Die schwer kranken Patienten können ein paar Tage bei uns bleiben, damit sich die Angehörigen erholen und die Pflege zu Hause danach wieder aufnehmen können.» Eine Beratungspraxis schaffe für die Betroffenen und ihre Angehörigen die Gelegenheit, sich mit der Krankheitssituation und den palliativen Angeboten auseinanderzusetzen. «Die Anmeldungen fürs Hospiz kommen entweder von den Spitälern, der Spitex oder den Patienten», sagt die Ärztin. Hier noch ein Blick in einen Aufenthaltsbereich:

Bild: Pius Amrein, 19. Dezember 2019

Die Betten haben alle Funktionen, die Pflegebetten haben müssen, sehen aber nicht wie diese aus.

Bild: Pius Amrein, 19. Dezember 2019

Alles im Hospiz ist funktional und trotzdem hübsch: «Die spezielle Lehmdecke in den Zimmern absorbiert Gerüche», erklärt Sibylle Jean-Petit-Matile. Überall habe es noch Platz, um dem Neuen Raum zu lassen.

Bild: Pius Amrein, 19. Dezember 2019

7 Millionen Franken investiert

Die 7 Millionen Franken für den Bau des Hospizes hat die Stiftung Hospiz Zentralschweiz sichergestellt, die ihrerseits Gelder von Stiftungen und Spendern organisieren konnte. Die Luzerner Kantonalbank hat mit einer Zwischenfinanzierung den Bau mitermöglicht. «Jeder, der hier gearbeitet hat, hat zudem in irgendeiner Form etwas geschenkt. So haben wir zum Beispiel vom Lieferanten unserer Pellet-Heizung 17 Tonnen Pellets geschenkt bekommen. Das ist grossartig», freut sich Sibylle Jean-Petit-Matile.

Das Hospiz in Littau ist das erste seiner Art in der Zentralschweiz. Gegenüber den Krankenkassen gilt es als Pflegeheim. «Wir sind dabei, auf nationaler Ebene im Dachverband Hospize Schweiz für einen eigenen Hospiz-Tarif zu kämpfen, denn die Pflege hier ist viel personalintensiver als im Pflegeheim. Doch das wird noch eine Weile dauern», sagt Birgit Hermes, Co-Geschäftsleiterin. Aufgrund der höheren Personalkosten würden alle Hospize pro Bett ein Defizit generieren, das mit Spenden gedeckt werden müsse.

Bild: Pius Amrein, 19. Dezember 2019

Alle Religionen sind willkommen

Im Hospiz seien Gläubige aller Religionen willkommen. «Wir bieten auch Spiritual Care an und die Landeskirchen aller Kantone unseres Versorgungsgebiets finanzieren gemeinsam die Stelle der Seelsorge. Das ist wunderbar», sagt Sibylle Jean-Petit-Matile.

Der Gang ins Hospiz erfolge oft aus der Not heraus und aus dem Wunsch, nicht im Spital sterben zu müssen. «Es kann zum Beispiel sein, dass der Patient sehr viel Pflege benötigt und die Partnerin aber arbeiten muss. Oder, dass sich der Zustand einer Patientin so verschlimmert, dass die Pflege daheim nicht mehr möglich ist», sagt Birgit Hermes.

Co-Geschäftsleiterin Birgit Hermes

Co-Geschäftsleiterin Birgit Hermes

«Zu uns kommen volljährige Patienten, die sich nicht mehr mit der Heilung ihrer Krankheit beschäftigen, sondern akzeptiert haben, dass sie wahrscheinlich bald sterben werden. Bei uns steht die Linderung belastender Symptome im Vordergrund.» Das müsse man erst verinnerlichen. Die Patienten, so schätzt die Co-Geschäftsleiterin, blieben zwischen einer Woche und einem Monat.

Wenn ein Patient stirbt, wird eine Kerze angezündet, die solange brennt, wie der Verstorbene noch im Hospiz ist. «Er kommt durch unsere Eingangstüre herein, wenn er eintritt. Nach seinem Tod wird er in seinem Zimmer eingesargt und durch die gleiche Türe, durch die er gekommen ist, wird er wieder hinausgetragen», erklärt Sibylle Jean-Petit-Matile. «Wir wollen das Thema Sterben ins Leben integrieren. Man lebt bis zum letzten Atemzug. Sterben ist eine Metamorphose und es gibt einige Parallelen zur Geburt», so Birgit Hermes.

Positive Reaktionen aus der Bevölkerung

Der Tod gehört zum Leben. «Früher hat man Pflegeheime oder Hospize ausserhalb gebaut. Wir sind mitten im Dorf, im Quartier», sagt Sibylle Jean-Petit-Matile. «Wir haben an diversen Veranstaltungen die Bevölkerung informiert und waren sehr positiv über die Reaktionen überrascht. Der Pfarrer sagte, er sei stolz, hier ein Hospiz zu haben.»

Statt einem Tag der offenen Tür bietet das Hospiz Besuchstage an. Anmeldungen auf: www.hospiz-zentralschweiz.ch

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