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Im neuen Schuljahr starten in Luzern und Sursee Ateliers für Hochbegabte

Die Luzerner Volksschule bietet ab dem Schuljahr 2019/20 in Luzern und Sursee ein neues Angebot für besonders clevere Kinder an. Um es zu nutzen, müssen besondere Voraussetzungen erfüllt sein.
Susanne Balli
Erhalten ab Sommer mehr Fördermöglichkeiten: Primarschüler im Kanton Luzern. (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 27. März 2018)

Erhalten ab Sommer mehr Fördermöglichkeiten: Primarschüler im Kanton Luzern. (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 27. März 2018)

Langeweile statt Motivation, Frust in der Schule statt Lust am Lernen: So geht es einem Teil der Kinder, die im Vergleich zu gleichaltrigen Gspändli in ihren kognitiven Fähigkeiten deutlich über dem Durchschnitt liegen. Während es in der Volksschule zahlreiche Angebote zur Förderung von Kindern mit schulischen Defiziten gibt, sind die Möglichkeiten für besonders clevere Kinder in der Regel bisher eher bescheiden. Zwar gibt es im Kanton Luzern mehrere Schulen, die zusätzliche, spezielle Förderprogramme für Hochbegabte anbieten, doch das sind Ausnahmen.

Ab dem kommenden Schuljahr 2019/20 wird diese Lücke mit einem neuen Angebot geschlossen. Der Kanton Luzern bietet ab diesem Zeitpunkt in Luzern und Sursee Ateliers für Hochbegabte an. Charles Vincent, Leiter Dienststelle Volksschulbildung sagt: «Die Ateliers richten sich an Dritt- bis Sechstklässler aus dem ganzen Kanton, die nachweislich im Bereich der Hochbegabung liegen, welche in der Regel durch eine sogenannte Potenzialanalyse durch einen Psychologen ermittelt wurde.» Dies könne entweder von den zuständigen schulpsychologischen Diensten oder aber privat durch einen Psychologen durchgeführt werden. Allerdings ist eine Aufnahme auch möglich, wenn die Klassenlehrperson und die Eltern in ihrer Beurteilung übereinstimmen. Von Hochbegabung spricht man, wenn der Intelligenzquotient bei mindestens 130 liegt.

Maximal 100 Plätze in Luzern und Sursee

Pro Woche werden an den beiden Standorten Luzern und Sursee je zwei Halbtage angeboten, während denen die hochbegabten Kinder nicht ihre Regelklasse, sondern ein solches Lernatelier besuchen. In Sursee können maximal 40 Plätze pro Woche in einem Schuljahr angeboten werden; in Luzern sind es maximal 60 Plätze. Vincent schätzt, dass zu Beginn maximal die Hälfte der möglichen Plätze gebraucht wird, bis sich das Angebot etabliert habe.

Welche Fächer in den Lernateliers angeboten werden, ist laut Vincent noch nicht ganz klar. Angedacht seien Fremdsprachen wie Chinesisch oder Japanisch, aber auch Förderung im Bereich der Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Aber auch das selbstständige Arbeiten in Projekten werde thematisiert und eingeübt.

Für das Angebot müssen die Eltern einen (symbolischen) Beitrag von 50 Franken pro Semester zahlen. Der Rest (rund 100'000 Franken pro Schuljahr) wird durch den Kanton sowie über Stiftungen finanziert.

Mit dem Projekt geht es nun zügig vorwärts: Nach den Fasnachtsferien erfolgt die Ausschreibung über die Schulleitungen und Lehrpersonen. Sie sind für eine entsprechende Information der Eltern zuständig. Beim Standort Sursee verfügt der Kanton bereits über entsprechende Räumlichkeiten in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. In Luzern werden die Ateliers voraussichtlich auch in der Nähe des Bahnhofs angesiedelt. Laut Vincent laufen derzeit die notwendigen Abklärungen.

Fokus liegt eher bei lernschwachen Kindern

«Die Ateliers für Hochbegabte stellen keine Konkurrenz zu den Angeboten der Schulen in den Gemeinden dar, sondern sind als Ergänzung gedacht», sagt Vincent. Nicht alle hochbegabten Kinder hätten die gleichen Bedürfnisse. Ein Teil fühle sich in den Regelklassen wohl und erhalte dort oder durch ergänzende Angebote wie Instrumentalunterricht die nötigen Lern-Inputs. Zumal die Förderung besonders cleverer Schülerinnen und Schüler schon immer Bestandteil der Integrativen Förderung und im Volksschulgesetz verankert sei.

Es stellt sich aber die Frage der Umsetzung. Vincent räumt denn auch ein:

«Es ist in der Regel so, dass der Fokus der Fördermassnahmen innerhalb des Förderkonzepts bisher eher bei den lernschwachen Kindern liegt.»

Die Lernateliers für Hochbegabte sind als Pilotprojekt auf vier Jahre ausgelegt. «Wenn das Angebot auf genügend Nachfrage stösst, wird es danach weitergeführt und allenfalls auf die Region Willisau und Seetal ausgeweitet», so Vincent.

Dass das Bedürfnis für die Förderung von besonders begabten Kindern vorhanden ist, wurde schweizweit erkannt. Der Schweizer Lehrerinnen- und Lehrerverband (LCH) geht davon aus, dass jedes fünfte Kind mehr leisten könnte, als auf seiner Stufe gefordert ist. Daher fordert der Verband in einem Positionspapier, dass die Förderung von Kindern mit hohen Begabungspotenzialen verbindlich geregelt werden soll (siehe Box). Dies als Grundauftrag aller Schulstufen (Ausgabe vom 14. Januar). So soll jede Schule über mindestens eine Lehrperson mit Ausbildung in der Begabtenförderung aufweisen.

Uni Zürich evaluiert Integrative Förderung

Charles Vincent hält die Forderungen des LCH grundsätzlich für «vertretbar». Es brauche eine Sensibilisierung für die Thematik, damit die Begabten nicht untergehen. Er sagt aber auch:

«Das Pendel soll nicht gleich auf die andere Seite ausschlagen. Man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.»

Wie gut die Förderung hochbegabter Kinder an der Luzerner Volksschule funktioniert, wird sich nächstens zeigen. Derzeit werden die Integrative Förderung und die Integrative Sonderschulung extern durch die Universität Zürich in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Zürich evaluiert. Der Bericht soll gegen Ende Jahr vorliegen.

Ateliers für Lehrerverband «erfreuliche Entwicklung»

(sb) Der Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband beschäftigt sich schon lange mit dem Thema Förderung von Hochbegabten: «Der Förderunterricht steht permanent auf unserer Agenda, weil wir eine permanente Kommission haben, die sich damit beschäftigt», sagt Verbandspräsident Alex Messerli. Das LCH-Positionspapier bezeichnet Messerli als «ein gutes Werk», das die unterschiedlichen Sichtweisen, Praktiken, Ansprüche, Bedürfnisse und Realitäten in der Schweizer Bildungslandschaft repräsentiere.

Zur vielfach geäusserten Kritik, dass der Fokus heute zu stark auf den schwächeren Schülern liege und das zu Ungunsten der stärkeren, sagt Messerli: «Der Fokus der Volksschule liegt auf allen Kindern, dazu gehört das ganze Förderspektrum. Die Begabtenförderung ist ein relativ junger Bereich und eine Reaktion auf ebendiese Problematik.»

Unterricht anreichern oder beschleunigen

Die neuen Lernateliers für Hochbegabte bezeichnet Messerli als «eine erfreuliche Entwicklung». Doch auch Messerli sagt, dass die Begabtenförderung bereits heute Teil der Integrierten Förderung sei und dass jede Schule ein entsprechendes Konzept haben müsse. «Für Lernende mit besonderen Begabungen gibt es im Unterricht zwei Möglichkeiten. Anreichern oder Beschleunigen.» Das heisst konkret, begabte Kinder können sich in Aufgaben vertiefen, die ein höheres Anspruchsniveau haben, oder aber sie können gewisse Bereiche oder Stufen überspringen. Zusätzlich gebe es an einigen Schulen auch separativ laufende Vertiefungsangebote durch speziell dafür ausgebildete Lehrpersonen.

Eine Hochbegabung ist nicht immer offensichtlich. Es gibt unter Hochbegabten sogenannte Minderleister, die durch schlechte Noten und/oder auffälliges Verhalten auffallen. Ob solche Kinder ihr Potenzial ausschöpfen können, hängt massgeblich von den Förderangeboten und den Bedingungen ihres Umfeldes ab.

Messerli sagt: «Im Kanton Luzern gibt es viele gute Beispiele der Begabtenförderung.» Er nennt den Lissa-Preis der Stiftung für hochbegabte Kinder, mit dem begabungsfördernde Projekte in öffentlichen und privaten Schulen ausgezeichnet werden. Zu den Preisträgern aus dem Kanton gehören unter anderen die Schulen Gettnau, Hildisrieden, Hitzkirch, Wikon, Meggen, Schenkon und Wolhusen.

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