Im Tourismus und in der Gesundheitsbranche sollen in Luzern Kräfte gebündelt werden

In Luzern sind ein Tourismus- und ein Gesundheitscluster geplant. Das Vorgehen ist unterschiedlich, das Motto gleich: Gemeinsam sind wir stark.

Alexander von Däniken
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Geht es nach dem sperrigen Begriff «Life Sciences Cluster», ist die Region Basel ein wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Haufen. Auf engstem Raum konzentrieren sich hier Unternehmen und die Uni Basel auf die Bereiche Pharma, Biotech, Agrochemie und Medizinaltechnik. Diese Art der Zusammenarbeit wird in der Regionalpolitik Cluster genannt.

Nachgefragt beim Experten

Stefan Lüthi ist Dozent und Projektleiter im Bereich Gemeinde-, Stadt- und Regionalentwicklung an der Hochschule Luzern. Er klärt auf über Vorteile und Risiken von Clustern.

Worum handelt es sich bei einem Cluster?
Stefan Lüthi: Grob gesagt geht es um eine räumliche Ansammlung von Firmen, die in der gleichen Branche oder entlang derselben Wertschöpfungskette tätig sind. In Luzern sollen auch Schulen eine Rolle spielen. Dass verschiedene Stakeholder an Bord geholt werden, ist häufig der Fall. Wenn neben Firmen und Wissenschaft auch die öffentliche Hand dabei ist, spricht man in der Regionalökonomie von einem Triple-Helix-Ansatz.

Was sind die Vorteile?
Ein wichtiger Vorteil ist die räumliche Nähe. Für die Firmen ermöglicht ein Cluster einen Austausch von Wissen und das unkomplizierte Angehen gemeinsamer Probleme oder innovativer Projekte. Das spielt auch in Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung eine grosse Rolle. Die Politik erhofft sich von einem Cluster häufig Firmenansiedlungen.

Und die Nachteile?
Cluster vom Reissbrett funktionieren in der Regel nicht. Die Bedürfnisse der Firmen stehen im Zentrum. Die Politik kann eine unterstützende Funktion übernehmen und günstige Rahmenbedingungen schaffen. Bei mangelnden Impulsen von aussen besteht die Gefahr eines «lock-in»: Der Cluster «schmort im eigenen Saft» und kann sich nicht weiterentwickeln. Zudem besteht für die kantonale oder regionale Wirtschaft bei zu starker Fokussierung auf wenige Branchen die Gefahr eines Klumpenrisikos.

Dann wäre es von Vorteil, wenn Luzern respektive die Zentralschweiz über zwei Cluster verfügt? 
Diversifikation ist sicher nicht schlecht. Entscheidend sind die wirtschaftlichen Kompetenzen, die in der Region vorhanden sind.

Einen Cluster soll laut CVP-Kantonsrat Ferdinand Zehnder auch der Luzerner Regierungsrat prüfen. Und zwar für jenen Bereich, der die Region auszeichnet: den Tourismus. «Die Marke Luzern ist weltweit bekannt und die Region Luzern-Vierwaldstättersee zählt zu den führenden Destinationen», führt der Luzerner Hotelier in seinem Postulat aus.

Die Stadt und Region Luzern sind beliebte Touristendestion

Die Stadt und Region Luzern sind beliebte Touristendestion 

Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 16. Januar 2020)

Dazu kommen mit der Schweizerischen Hotelfachschule, der Höheren Fachschule Tourismus oder dem Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern viele Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Hier gebe es ein grosses Potenzial, die verschiedenen Kräfte zu bündeln und Vorteile von Bildung und Wirtschaft zu nutzen. Das finden auch Kantonsräte aller anderen Parteien, die den Vorstoss mitunterzeichnet haben. Der Regierungsrat hat sich noch nicht geäussert.

Luzern Tourismus soll Schulen unterstützen

Die Kräfte zu bündeln, ist mit Blick auf den Fachkräftemangel notwendig, wie Zehnder auf Anfrage begründet:

«Es fehlt in allen Bereichen der Gastronomie und Hotellerie qualifiziertes Personal. Der Fachkräftemangel hat sich in den letzten Jahren verschärft.»

Dank gemeinsamer Projekte zwischen Bildungsinstitutionen und Tourismusunternehmen könne auch die Marke Luzern gestärkt werden. Luzern Tourismus (LTAG) soll dabei nur unterstützend wirken, sagt der ehemalige LTAG-Verwaltungsratspräsident Zehnder. «Der Lead soll bei der Bildung bleiben.» Auch bei der Infrastruktur sind keine Investitionen geplant: alles soll dort bleiben, wo es ist.

Dafür könnte die Region dereinst von Bundesgeldern profitieren. Nämlich dann, wenn ein Cluster in die sogenannte Neue Regionalpolitik aufgenommen wird. Im laufenden Legislaturprogramm liegt der Schwerpunkt der Projektförderung denn auch auf den Bereichen Tourismus und Industrie.

Tourismus-Studenten als Botschafter

Marcel Perren, Luzerner Tourismusdirektor.

Marcel Perren, Luzerner Tourismusdirektor.

Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 26. Februar 2020)

Der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren steht einem Tourismus-Cluster positiv gegenüber: «So können die verschiedenen Ausbildungen noch besser aufeinander abgestimmt werden. Es wird immer wichtiger, mit den Aus- und Weiterbildungen à jour zu bleiben.»

Auch der Tourismus selbst könnte von einem Cluster profitieren. Nämlich dann, wenn in- und ausländische Studenten hier studieren und Luzern als Destination in ihrem Wirkungsumfeld oder Heimatland bekannter machen. «Dieses Botschaftermodell gibt es bereits an einigen Schulen, kann aber systematisch noch ausgebaut werden.»

Nicht alle von Zehnder im Vorstoss als Beispiele genannten Schulen können sich für einen Cluster begeistern. So sagt Urs Wellauer, Direktor des Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verband, welcher die Richemont-Schule führt: «Wir sind gesamtschweizerisch tätig. Da es sich um eine kantonale Forderung handelt, sind wir die falschen Ansprechpersonen. Einem Mitmachen unserer Branche in einem Tourismus-Cluster stehen wir deshalb kritisch gegenüber.»

Gesundheitsbranche: Mehr Absprachen bei Bildung

Zehnders Vorstoss hat auch SP-Kantonsrat Jörg Meyer unterschrieben. Der Adligenswiler führt als Direktor das Bildungszentrum Gesundheit Zentralschweiz (Xund). Auch hier laufen erste Gespräche – über einen Gesundheitscluster Zentralschweiz: «Wir stehen in direktem Kontakt mit der Hochschule Luzern und der Uni Luzern.» Die Hochschule Luzern ist zum Beispiel mit den Departementen Soziale Arbeit, Informatik (E-Health) sowie Technik und Architektur (Medizintechnik) gleich mehrfach mit der Gesundheitsbranche verknüpft. An der Universität Luzern bildet das Departement Gesundheit und Medizin einen Schwerpunkt.

Den drei Bildungsträgern geht es um die Bekämpfung des Fachkräftemangels – aber nicht nur: «Es gibt in der Gesundheitsbranche in Luzern und der Zentralschweiz viele hochstehende Bildungsangebote. Eine Koordination ist daher sinnvoll», meint Meyer. Die bisherigen Gespräche mit Uni und Hochschule seien konstruktiv und sachlich verlaufen, für konkrete Projekte sei es aber noch zu früh.

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