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Im Wesemlin ist es vorbei mit der klösterlichen Ruhe

Jahrhundertelang lebten die Kapuziner im Wesemlin relativ zurückgezogen. Doch jetzt haben sie plötzlich weltliche Mitbewohner sowie Arztbesucher, die im Klostergebäude ein und aus gehen. Die Umstellung fällt den 15 Brüdern nicht leicht.
Hannes Bucher
Die Klosteranlage Wesemlin. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 7. März 2019)

Die Klosteranlage Wesemlin. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 7. März 2019)

«Mit der früheren Ruhe und Privatheit innerhalb eines geschlossenen Klosterareals ist es vorbei, ganz klar», sagt Bruder Damian Keller, Guardian der Kapuziner im Kloster Wesemlin. Er spricht damit die Öffnung an, welche das Kloster aus finanziellen Gründen veranlasste, einen Teil der Räumlichkeiten fremd zu vermieten. Unter anderem ist in den Räumlichkeiten seit April 2015 ein Ärztezentrum für ambulante Medizin eingerichtet. Die Mieteinnahmen seien zwar ein unverzichtbarer Bestandteil zur Finanzierung des jährlichen Unterhalts geworden, sagt Bruder Damian, und die Öffnung des Gartens habe auch verschiedene interessante Entwicklungen ermöglicht: so etwa die Projekte Familiengarten, Gartenarbeit mit Flüchtlingen oder den Arzneipflanzengarten des Luzerner Apothekerverbandes. Positiv sei auch das Teilen des Gartens mit der Öffentlichkeit. Wertvolle Kontakte und Begegnungsmöglichkeiten würden dadurch ermöglicht.

Plötzlich stellen die «Mitbewohner» Ansprüche

Doch die erweiterte Nutzung hat offensichtlich ihre Kehrseite für die verbliebenen 15 Kapuzinerbrüder. So kämen etwa Ansprüche von Seiten der Mieter. «Das ist neu für mich und läuft nicht nur reibungslos», sagt der Guardian. Die provisorischen Parkplätze im Garten bringen sehr viel Autoverkehr, respektlose Gartenbesucher, die sich ungeniert an Früchten, Kräutern und Blumen bedienten und uneinsichtige Hundehalter, die den Garten als Freilaufzone für ihre Vierbeiner entdecken, machen den Kapuzinern ebenfalls zu schaffen. Die Tatsache, dass täglich Hunderte von Personen durch den Garten laufen, rufe zudem nach diversen Sicherheitsmassnahmen etwa beim alten Feuerwehrteich und bei den Bienenstöcken. Ebenfalls Kosten bringe der Unterhalt der nun öffentlichen Spazierwege mit sich. Allein die Schneeräumung in einem schneearmen Winter kostet jährlich über 10'000 Franken.

Bruder Damian Keller, Guardian der Kapuziner, im Klostergarten. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 7. März 2019)

Bruder Damian Keller, Guardian der Kapuziner, im Klostergarten. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 7. März 2019)

Die einstige klösterliche Ruhe wird wohl nie mehr zurück kehren – stiller werden dürfte es nur in der Klostergemeinschaft selbst. Diese wird nämlich weiter schrumpfen. Dieser Tatsache wird auch platzmässig Rechnung getragen. Nicht nur aus finanziellen Gründen: «Für jene Brüder, die erst seit einigen Jahren da leben, ist das Haus viel zu gross. Das hat auch etwas Belastendes. Wir werden uns künftig auf noch weniger Wohnfläche zurückziehen und weitere Räume vermieten», sagt Damian Keller. Aber: «Das Nebeneinander von Klosterräumen und Räumen mit Fremdnutzung wird anspruchsvoller.» Zusätzlichen Betrieb auf das Areal wird auch der bevorstehende Neubau «Francesco» mit dreissig Wohnungen bringen. Das Bauprojekt ist zurzeit aber noch durch eine Beschwerde vor Bundesgericht blockiert.

HSLU-Studie schlägt vor: Kapuziner sollen in einen Neubau ziehen

«Umnutzung von sakralem Raum» - dies wird auf dem Wesemlin auch künftig Thema bleiben. Exakt damit haben sich im letzten Jahr Studierende der Hochschule Luzern unter Dozent Luca Deon, Verantwortlicher des Moduls «Bachelor+», befasst. Konkret waren es zwölf Hochschulabsolventen, die im Fachbereich Bau die Zusatzqualifikation «Bachelor+» anstrebten. In interdisziplinären Teams entwickelten sie konkrete Vorschläge, wie eine Umnutzung auf dem Wesemlin umgesetzt werden könnte. Eine wichtige Vorgabe für die Planer, die sich auch aus einer vorgängigen Bedürfnisanalyse mit den Brüdern ergab: Die Kapuziner sollten dem klösterlichen Tagesablauf ungehindert nachgehen können, der Klosterbereich sollte folglich von den neuen Mitnutzenden getrennt bleiben. Drei Ideen wurden von den Projektierenden verfolgt: Umnutzung der bestehenden Räumlichkeiten, einen Anbau realisieren und schliesslich als dritter Vorschlag: einen Neubau für die Brüder erstellen. Diese letztgenannte Idee sieht ein neues Gebäude aus Lehm und Holz vor, die Räume sind um einen zentralen Innenhof angeordnet. Dies als eine moderne Interpretation des Kreuzgangs im Klosterinnenhof.

«Tolle Idee – aber leider unbezahlbar»

Der Vorschlag, dass die Brüder in einen Neubau ziehen könnten, kommt bei den Kapuzinern besonders gut an. Bruder Damian: «Mit einem Neubau könnten gezielt die Bedürfnisse einer heutigen und weiterhin kleiner werdenden Kapuzinergemeinschaft berücksichtigt werden.» Also gesagt, getan und gebaut? Der Guardian winkt ab. «Das tolle Projekt, dass die Studierenden ausgearbeitet haben, ist unbezahlbar, zumindest für uns.» Ein Nein gäbe es zudem wohl auch behördenseits. «In der aktuellen Bau- und Zonenordnung der Stadt ist nicht vorgesehen, dass es im Klostergarten, abgesehen vom bereits bewilligten Bauprojekt «Francesco», weitere Neubauten geben könnte.» Es bleibt also bei der «tollen Idee». Können die Kapuziner damit leben, im Wissen, dass es da eine ideale Lösungsrichtung für ein Nebeneinander gäbe? «Wir können gut damit leben, sind wir doch gewohnt, uns auf das Mögliche einzulassen und keine allzu grossen Ansprüche zu stellen.»

Das Kloster ist über 400 Jahre alt

(rk) Die Kapuziner blicken in Luzern auf eine lange Geschichte zurück. Ursprünglich waren sie in einem Kloster im Bruchquartier beheimatet. Im 16. Jahrhundert verfiel dieses aber zunehmend - es war am Ende derart baufällig, dass ein Bruder darin verunglückte. Daher erhielten die Kapuziner ein Grundstück im Wesemlin geschenkt, 1584 startete der Bau des neuen Klosters. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Klosteranlage immer wieder umgebaut und erweitert. Die vielleicht markanteste Veränderung bahnte sich 2015 mit dem Projekt «Oase W» an. Dieses sah eine umfassende Umnutzung der grossen Klosteranlage vor. So beheimatet das Klostergebäude heute ein Gesundheitszentrum (Medicum Luzern) sowie zehn Studios für «klosternahes Wohnen». Die Studios werden von Menschen gemietet, welche die klösterliche Atmosphäre schätzen und teilweise auch selber am Klosterleben teilnehmen. Noch ausstehend ist der geplante Neubau «Francesco» im Klostergarten. Dieser sieht ein sechsgeschossiges Gebäude mit 30 Wohnungen vor. Anwohner wehren sich allerdings vor Bundesgericht gegen das Bauprojekt (wir berichteten).

Das Kapuzinerkloster Wesemlin in Luzern hat in den letzten Jahren eine starke Wandlung durchlebt. Immer wieder war die Brüdergemeinschaft auch in unserer Zeitung ein Thema. Ein Rückblick der vergangenen sieben Jahre:

Bruder Hanspeter Betschart in der Klosterbibliothek. (Bild: Pius Amrein, 9. April 2018.)Bruder Hanspeter Betschart in der Klosterbibliothek. (Bild: Pius Amrein, 9. April 2018.)
Klosternahes Wohnen heisst das neue Angebot, bei dem Privatpersonen ein Studio im Klostergebäude mieten. Nach Wunsch können sie auch teilweise am Klosterleben teilnehmen. (Bild: Manuela Jans-Koch, 11. November 2016)Klosternahes Wohnen heisst das neue Angebot, bei dem Privatpersonen ein Studio im Klostergebäude mieten. Nach Wunsch können sie auch teilweise am Klosterleben teilnehmen. (Bild: Manuela Jans-Koch, 11. November 2016)
Privatsphäre in historischen Mauern: Klosternahes Wohnen im Wesemlin. (Bild: Manuela Jans-Koch, 11. November 2016)Privatsphäre in historischen Mauern: Klosternahes Wohnen im Wesemlin. (Bild: Manuela Jans-Koch, 11. November 2016)
Portrait eines 30-jährigen Kapuziners, hier bei der täglichen Meditation. (Bild: Manuela Jans-Koch, 6. August 2015)Portrait eines 30-jährigen Kapuziners, hier bei der täglichen Meditation. (Bild: Manuela Jans-Koch, 6. August 2015)
Provinzial Agostino Del-Pietro im Kloster Wesemlin, mitten in den Umbauarbeiten. (Bild: Pius Amrein, 5. November 2013)Provinzial Agostino Del-Pietro im Kloster Wesemlin, mitten in den Umbauarbeiten. (Bild: Pius Amrein, 5. November 2013)
Die Bauarbeiten für den Klosterumbau haben begonnen - zunächst mit der Bohrung für eine Wärmesonde. Bruder Damian Keller im Gespräch mit dem Architekten. (Bild: Pius Amrein, 11. Juni 2013)Die Bauarbeiten für den Klosterumbau haben begonnen - zunächst mit der Bohrung für eine Wärmesonde. Bruder Damian Keller im Gespräch mit dem Architekten. (Bild: Pius Amrein, 11. Juni 2013)
Klösterliche Stille an einem Winterabend. (Bild Pius Amrein, 6. Dezember 2012)Klösterliche Stille an einem Winterabend. (Bild Pius Amrein, 6. Dezember 2012)
7 Bilder

Kloster Wesemlin – Bilder aus unserem Zeitungsarchiv

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