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Immer mehr ambulante Eingriffe: Luzerner Klinik St. Anna verliert 1000 stationäre Patienten

Der Grundsatz «ambulant vor stationär» zeigt im Kanton Luzern Wirkung. Die Spitäler behandeln deutlich mehr Patienten ambulant – vor allem solche, die keine Zusatzversicherung haben.
Christian Glaus
Ärzte im ambulanten Operationszentrum der Klinik St. Anna im Bahnhof Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 18. Dezember 2018)

Ärzte im ambulanten Operationszentrum der Klinik St. Anna im Bahnhof Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 18. Dezember 2018)

Die Politik drängt die Spitäler in die Ecke. Um die Gesundheitskosten zu senken, wird einerseits erwartet, dass die Kliniken immer mehr Eingriffe ambulant durchführen. Andererseits hat der Bundesrat letztes Jahr die Tarife für ambulante Eingriffe gesenkt. Das hat Folgen: Das Luzerner Kantonsspital (Luks) muss dieses Jahr mindestens 20 Millionen Franken sparen, auch die Hirslanden-Gruppe hat einen Gewinnrückgang zu verzeichnen (wir berichteten). Und nun will die Obwaldner Regierung ihr Spital jenem von Luzern anschliessen, um den Standort Sarnen längerfristig erhalten zu können (Ausgabe vom 10. Januar).

Durch «ambulant vor stationär» fallen den Spitälern Einnahmen weg. Dies vor allem, wenn auch Zusatzversicherte vermehrt ohne Übernachtung im Spital behandelt werden. Diese Patienten sind besonders lukrativ. Die Behandlung von Privatversicherten kann in gewissen Fällen bis zu sechsmal mehr kosten, wenn die Eingriffe stationär erfolgen. Werden darum Zusatzversicherte häufiger stationär behandelt?

Zusatzversicherte sind meist älter als Grundversicherte

«Bei den Zusatzversicherten geht die Entwicklung etwas weniger stark in Richtung ambulant als bei den Grundversicherten», sagt Jürg Vontobel, Leiter Leistungen bei der Concordia mit Hauptsitz in Luzern. «Das ist vermutlich schon auf die unterschiedlichen Tarife zurückzuführen.» Bei «ambulant vor stationär» wird in jedem einzelnen Fall überprüft, ob eine stationäre Behandlung gerechtfertigt ist.

Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Ausnahmekriterien, so Vontobel: «Diese werden bei Zusatzversicherten möglicherweise häufiger geltend gemacht.» Ein Grund dafür sei das höhere Durchschnittsalter. Für abschliessende Aussagen gebe es aber noch zu wenig Daten. Diese liegen nur für das Jahr 2017 vor – «ambulant vor stationär» gilt im Kanton Luzern seit Mitte 2017.

Von den Eingriffen, die seither ambulant durchgeführt werden sollen, sind laut Kanton im zweiten Halbjahr 2017 bei Zusatzversicherten 241 stationär erfolgt. Im ersten Halbjahr waren es 317. Der Anteil der Zusatzversicherten liege bei den ambulanten Behandlungen in beiden Halbjahren bei 30 Prozent, sagt Christos Pouskoulas, Leiter Gesundheitsversorgung beim Kanton Luzern. «Wir beobachten eine Zunahme des Durchschnittsalters der stationären Patienten; und Zusatzversicherte sind in der Regel älter als Grundversicherte. Insofern erscheint der stabile Anteil von gut 30 Prozent erklärbar.»

Die CSS-Versicherung mit Hauptsitz in Luzern hat die Daten von 2017 mit jenen von 2016 verglichen und sich dabei auf Aufenthalte mit einer Übernachtung im Spital konzentriert. Die Auswertung zeigt in zwei Bereichen Überraschendes. Die Zahl der Eingriffe mit nur einer Übernachtung ging schweizweit um 7 Prozent zurück, im Kanton Luzern gar um 23 Prozent. Laut Martin Oswald, Leiter Leistungskostenentwicklung bei der CSS, ist die Verlagerung bei einzelnen Behandlungen augenfällig. Beim Leistenbruch ist die Zahl der Eingriffe mit einer Übernachtung um 25 Prozent gesunken, bei der Kniespiegelung mit gleichzeitiger Operation am Meniskus gar um mehr als 50 Prozent.

CSS begrüsst Investitionen in ambulante Zentren

Überrascht ist Oswald, dass es bei der Frage, ob ein Patient ambulant oder stationär behandelt wird, «bei den Aufenthalten mit einer Übernachtung keine erhebliche Differenz zwischen Zusatzversicherten und Grundversicherten» gebe. Das sei schon 2016 so gewesen und «entspricht nicht der allgemeinen Vermutung». Das liege wohl auch daran, dass solche Aufenthalte für ein Spital wenig rentabel seien.

Die Versicherer sind sich einig darin, dass in Luzern viele Behandlungen ambulant durchgeführt werden – das war auch schon vor dem Einschreiten des Kantons der Fall. Zudem gebe es keine Hinweise darauf, dass die Spitäler systematisch versuchen, die wegfallenden stationären Behandlungen zu kompensieren – etwa indem Patienten länger behandelt oder häufiger aufgeboten würden. «Stattdessen setzen sie verstärkt auf ambulante Zentren, was auch richtig ist», so Oswald.

Diese Aussage trifft auf das Luzerner Kantonsspital genauso zu wie auf die Hirslanden-Klinik St. Anna. Beide haben ihre Infrastruktur für ambulante Behandlungen ausgebaut. Luks-Sprecher Andreas Meyerhans sagt auf Anfrage, dass bei zahlreichen Eingriffen «ein hoher bis sehr hoher Anteil schon länger ambulant erfolgt». Entsprechend komme es bei den ambulant durchzuführenden Eingriffen zu keinen grossen Verschiebungen mehr. Als Beispiel nennt Meyerhans die Augenklinik, wo 90 Prozent der Eingriffe ambulant erfolgen. Weitere Zahlen nennt er nicht.

Konkretere Angaben macht Lukas Hadorn, Sprecher der Klinik St. Anna. «Im Zeitraum von Mitte 2017 bis Ende 2018 haben wir rund 1000 Eingriffe ambulant durchgeführt, die wir ansonsten stationär vorgenommen hätten.» Zum Vergleich: Insgesamt führte die Klinik in diesem Zeitraum knapp 20 000 Operationen durch. Bei fast allen Eingriffen, die auf der Liste des Kantons stehen, habe die Klinik anfangs rote Zahlen geschrieben.

Wegen des Kostendrucks im ambulanten Bereich hat das St. Anna im November am Bahnhof Luzern ein ambulantes Operationszentrum eröffnet. Dadurch könnten die Eingriffe nun effizienter durchgeführt werden. Hadorn betont, dass bei der Frage, ob jemand ambulant oder stationär behandelt wird, alle Versicherten gleich behandelt werden.

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