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Immer mehr Luzerner Gemeinden führen Betreuungsgutscheine ein

Bereits 35 Gemeinden im Kanton unterstützen Eltern bei der familienergänzenden Kinderbetreuung finanziell mit Gutscheinen. Auch Ruswil will mitziehen – der Gemeinderat sieht darin einen Standortvorteil.
Susanne Balli

Ruswil schlägt bei der Kinderbetreuung einen neuen Weg ein. Künftig sollen berufstätige Eltern, die ihre Kinder in einer Krippe, bei Tageseltern oder im Schülerhort betreuen lassen, finanziell unterstützt werden. Dies in Form von Betreuungsgutscheinen. Die Höhe der Gutschriften ist abhängig von der Höhe des steuerbaren Einkommens der Eltern (wir berichteten).

Das Modell macht im Kanton Luzern immer mehr Schule. Im Jahr 2017 waren es 21 Luzerner Gemeinden, die Betreuungsgutscheinen anboten. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl um mindestens 14 weitere auf 35 Gemeinden erweitert – Ruswil noch nicht dazu gezählt (siehe Info unten).

Von der Objekt- zur Subjektfinanzierung

Bei den Betreuungsgutscheinen zahlt die öffentliche Hand Beiträge nicht an die Betreuungsinstitution (Objektfinanzierung), sondern direkt an die Erziehungsberechtigten (Subjektfinanzierung) aus. Beatrice Buri von der kantonalen Dienststelle Soziales und Gesellschaft kennt die Vorteile dieses Modells: «Die Eltern können somit das Betreuungsangebot frei wählen.» Die Stadt Luzern habe im März 2012 das «Pilotprojekt Betreuungsgutscheine Stadt Luzern» evaluiert. «Der Bericht führt aus, dass das Modell einen Nutzen für die Eltern und fürs Gemeinwesen bringt. Betreuungsgutscheine sind für Städte wie auch für kleinere Gemeinden geeignet.» Denn werden Eltern in der familienergänzenden Kinderbetreuung finanziell unterstützt, wirkt sich das auf verschiedenen Ebenen positiv aus.

Der Ruswiler Gemeinderat hat diese Vorteile erkannt. Mit den Betreuungsgutscheinen will er die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die berufliche Aus- und Weiterbildung oder den Wiedereinstieg in eine berufliche Tätigkeit erleichtern. Eugen Amstutz, Gemeinderat Ressort Gesundheit und Soziales, erläutert: «Dadurch können je nach Umstand auch die Abhängigkeit von der Sozialhilfe vermindert und Eingliederungsmassnahmen der Arbeitslosen- oder Invalidenversicherung ermöglicht werden.»

Er erwartet zudem, dass sich die finanzielle Unterstützung von berufstätigen Eltern für die familienergänzende Kinderbetreuung auch positiv auf die gesellschaftliche und sprachliche Integration und somit auf die Chancengerechtigkeit der Kinder auswirken kann.

Betreuungsgutscheine werden laut Amstutz «zunehmend zu einem Standortfaktor. Diesen wollen wir nutzen und ein attraktives Wohn- und Arbeitsumfeld fördern.»

Für berufstätige Eltern in Ruswil gibt es bisher wenig bis keine Vergünstigungen für die familienergänzende Kinderbetreuung. Die in Ruswil ansässige Kinderkrippe Small Foot erhält keine Subventionen; die Tageselternvermittlung Rundum hingegen einen kleinen Sockel- und Stundenbeitrag zur Ausrichtung von Sozialtarifen an die Eltern. «Wir haben also bisher sozusagen ungleich lange Spiesse», sagt Eugen Amstutz.

«Betreuungsgutscheine werden herbeigesehnt»

Der Entwurf des Reglements über die familienergänzende Kinderbetreuung war in der Gemeinde Ruswil bis Ende Mai in der Vernehmlassung. «Angeschrieben wurden lokale Vereine und Institutionen, die sich rund um die Familie engagieren», sagt Amstutz. Zu den Vernehmlassungsantworten im Detail könne er noch nicht viel sagen. Aber: «Grossmehrheitlich wird die Einführung von Betreuungsgutscheinen sehr begrüsst, um nicht zu sagen, herbeigesehnt.» Auch die Frage nach familienergänzender Ferienbetreuung ab Schulalter stehe im Raum.

Die Ruswiler können voraussichtlich am 22. September an der Urne über das Reglement abstimmen.

103 registrierte Kitas im Kanton

Der Kanton Luzern hat 2017 eine Erhebung zur familienergänzenden Kinderbetreuung durchführen lassen. Bisher gab es zwei solche Erhebungen (in den Jahren 2012 und 2017). Ob eine weitere folgt, ist laut Beatrice Buri von der Dienststelle Soziales und Gesellschaft noch nicht entschieden.

Hier einige Zahlen und Fakten dazu: 18 Prozent aller Vorschulkinder wurden 2017 familienergänzend betreut. Das sind 4 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Zwischen 2012 und 2018 wurden fast 30 neue Kitas eröffnet. Aktuell sind es 103 Kindertagesstätten mit Standort Kanton Luzern, die auf www.kinderbetreuung.lu.ch registriert sind. In 63 von 83 Gemeinden des Kantons besteht ein Kita- oder Tagesfamilienangebot. Buri: «Insbesondere im ländlichen Raum sind Tagesfamilien ein wohnortsnahes Angebot zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.»

Mittlerweile haben 35 Gemeinden im Kanton Betreuungsgutscheine eingeführt. Dies sind Adligenswil, Altishofen, Ballwil, Buchrain, Büron, Dagmersellen, Dierikon, Ebikon, Eich, Emmen, Entlebuch, Eschenbach, Ettiswil, Gisikon, Geuensee, Greppen, Hochdorf, Hergiswil, Horw, Knutwil, Kriens, Luzern, Mauensee, Meggen, Nebikon, Oberkirch, Rain, Root, Rothenburg, Schenkon, Sursee, Vitznau, Weggis, Werthenstein, Willisau.

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