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Immer mehr Partydrogen: Stadt Luzern reagiert mit kostenlosen Drogentests

In der Stadt Luzern soll es künftig sogenannte Drug-Checking-Angebote geben. Damit sollen Partygänger über die gesundheitlichen Folgen des Drogenkonsums aufgeklärt werden. Es besteht auch die Möglichkeit für kostenlose Drogentests.
Hugo Bischof
Ecstasy-Tabletten sind in der Luzerner Partyszene weit verbreitet. Symbolbild: Ennio Leanza/Keystone

Ecstasy-Tabletten sind in der Luzerner Partyszene weit verbreitet. Symbolbild: Ennio Leanza/Keystone

In Luzerns Nachtleben werden vermehrt illegale Substanzen konsumiert: Partydrogen, Kokain und Cannabis. Das ergab eine Umfrage des Vereins Kirchliche Gassenarbeit. Ein Bericht, den die Schweizerische Koordinationsstelle und Fachstelle Sucht (Infodrog) 2018 im Auftrag von Stadt und Kanton Luzern verfasste, listet die Ergebnisse auf, ergänzt durch Einschätzungen von Experten.

Aufgrund der alarmierenden Situation will Luzerns Stadtrat nun handeln. In seiner Antwort auf einen Vorstoss der SP/Juso befürwortet er die Einführung von sogenannten Drug-Checking-Angeboten. Diese umfassen eine chemische Substanzanalyse sowie eine verbindliche persönliche Kurzberatung von Drogen-Konsumierenden. Martin Merki, Vorsteher der Stadtluzerner Sozial- und Sicherheitsdirektion, betont:

«Ziel ist es, die Partygänger über die gesundheitlichen Folgen ihres Drogenkonsums aufzuklären. Fehlendes Problembewusstsein und mangelndes Wissen bezüglich Risiken und Folgen im Zusammenhang mit dem Substanzkonsum führen dazu, dass die Probleme von den Betroffenen oft zu spät realisiert werden.»

Bestehende Hilfsangebote würden «vielfach zu spät in Anspruch genommen». Das zusätzliche Angebot soll diese Lücke füllen.

Federführend beim Pilotprojekt ist der Verein Kirchliche Gassenarbeit Luzern. Laut dessen Geschäftsleiterin Franziska Reist kann das Drug-Checking einerseits mobil in Clubs und an Festivals angeboten werden: «Dabei informieren Gassenarbeiter Partybesucher vor Ort über die Art und Gefährlichkeit ihrer Drogen.» Zusätzlich gibt es einen Walk-in-Service; dabei findet die Beratung an einem festen Ort statt. «Sicher nicht in der Gassechuchi», betont Reist, «sondern an einem neutralen Ort, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen.»

Drogen werden auf ihre Reinheit getestet

Beim Walk-in-Service gibt es zusätzlich die Möglichkeit, mitgebrachte Drogen auf ihre Reinheit testen zu lassen. «Die Tests werden in einem vom Bundesamt für Gesundheit anerkannten Labor durchgeführt», sagt Reist. Alle Tests und Beratungsgespräche werden anonym und kostenlos durchgeführt. Der Besuch wird an keine Vorbedingungen geknüpft, und die Mitarbeitenden stehen unter Schweigepflicht. Besucher müssen mit keiner Strafanzeige rechnen. Sie werden im Gespräch aber darauf hingewiesen, dass der Konsum der Drogen illegal ist. Die im Labor untersuchten Drogenproben werden danach vernichtet.

Gemäss Stadtrat kommen zwei unabhängige Rechtsguthaben zum Schluss, dass solche Substanzanalysen in der Schweiz rechtlich zulässig sind, insofern es dabei um den Schutz vor gesundheitsschädigenden Substanzen geht. Drug-Checking-Angebote gibt es schon in Basel, Bern, Genf und Zürich. «Das Angebot stösst auf grosses Interesse», sagt Reist. Davon habe sie sich im Drogeninformationszentrum Zürich (DIZ) überzeugen können: «Der Andrang ist so gross, dass jeweils nicht alle Interessierten bedient werden können.»

Ecstasy, Kokain, Cannabis und Speed am häufigsten

In Luzern soll der Walk-in-Service an einem Abend wöchentlich oder alle zwei Wochen angeboten werden. «Die Labortests geben uns zusätzlich die Möglichkeit zu reagieren, wenn wir feststellen, dass irgendetwas Komisches im Umlauf ist», sagt Reist. «So können wir verhindern, dass qualitativ schlechte Drogen auf den Markt gelangen.»

In Luzern werden am häufigsten die aufputschenden Substanzen Ecstasy, Kokain, Cannabis und Amphetamin (Speed) konsumiert. Dazu kommen halluzinogene Drogen wie Pilze oder LSD. Die Daten, die in Luzern erhoben wurden, stimmen mit Zahlen aus nationalen Erhebungen überein. Alkohol bleibt zwar die Partydroge Nummer 1. Gemäss der Luzerner Interventionstruppe SIP hat das «Komatrinken» unter Jugendlichen aber tendenziell abgenommen. Für Probleme wie Gewalt sorge heute vor allem der Mischkonsum Alkohol/Drogen. Dabei stünden Alkohol und Cannabis im Vordergrund.

Fast jedes Wochenende grössere Polizeieinsätze

Gemäss Christina Rubin von SIP ist der exzessive Konsum von Alkohol und Drogen im Vorfeld von Veranstaltungen und bei (vorwiegend jungen) Asylsuchenden weit verbreitet. Auch für Stefan Ziegler von der Luzerner Psychiatrie ist das «Vorglühen», der Konsum berauschender Substanzen schon vor dem Besuch von Partylokalen, auffällig: «Dies führt einerseits zu mehr Gewaltvorfällen und andererseits zu einem erheblichen Umsatzrückgang im Club, da an der Bar weniger Alkohol konsumiert wird und sich der Konsum vor den Club verlagert.»

Erschreckend ist eine Aussage, die Eugen Sidler von der Gruppe Betäubungsmittel der Luzerner Polizei macht. Demnach hätten sich die die Probleme im Luzerner Nachtleben aufgrund des Konsums von psychoaktiven Substanzen verschärft:

«Fast jedes Wochenende kommt es zu grösseren Einsätzen und Gewalttätigkeiten wie Messerstechereien, bei denen die Polizei teilweise massiv angegangen wird.»

Sobald die Finanzierung gesichert ist und das Stadtparlament zustimmt, soll das Pilotprojekt gestartet werden. Die Kosten für eine dreijährige Pilotphase belaufen sich auf 82 500 Franken (exklusive Kosten der Substanzproben). Die externe Evaluation kostet 5 000 Franken. Ein Fundraising bei Stiftungen, Kirchen und privaten Spender sei erfolgreich angelaufen, sagt Franziska Reist. Die Stadt soll das erste Jahr des Pilotprojekts (27 500 Franken) finanzieren.

So reagieren die Parteien auf das Drug-Checking

Die politischen Parteien beurteilen das Drug-Checking mehrheitlich positiv. Mirjam Fries, Fraktionschefin der CVP, betont: «Wie die Erfahrungen in anderen Städten zeigen, erhält ein Grossteil der Konsumierenden dadurch zum ersten Mal eine professionelle Suchtberatung.» Auch Peter Krummenacher (FDP) sieht die positiven Seiten: «Abhalten vom Drogenkonsum kann man niemanden, aber man kann mit Information viel erreichen.»

Jules Gut (GLP) ortet ebenfalls grossen Handlungsbedarf in den Bereichen Drug-Checking, Onlineberatung sowie Information der Konsumierenden. Christian Hochstrasser (Grüne) betont: «Es geht nicht um legal oder illegal, es geht einzig darum, die Leute besser zu schützen.» Opposition ist einzig von der SVP zu erwarten. Deren Fraktionschef Marcel Lingg lehnt das Projekt ab: «Und wenn überhaupt ... wieso können die Konsumenten von Partydrogen ihre Tests und Konsumberatungen nicht selber bezahlen?» (hb)

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