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Böse Überraschung: Kriens muss 7,4 Millionen mehr bezahlen

Nachdem Zentrumsprojekt und Kleinfeld-Stadion bereits Mehrkosten in Millionenhöhe verursachten, braucht es weitere Zusatzkredite. Die Parteien sind schockiert, der Krienser Stadtrat nimmt die Schuld auf sich – zumindest vorerst.
Beatrice Vogel
Das Krienser Stadthaus ist Teil des Zentrumsprojekts. (Bild: Boris Bürgisser, 21. März 2019)

Das Krienser Stadthaus ist Teil des Zentrumsprojekts. (Bild: Boris Bürgisser, 21. März 2019)

Die neueste Zahl lautet 2 Millionen Franken: Wie der Krienser Stadtrat am Montag mitteilte, braucht es für die beiden Grossprojekte Kleinfeld-Stadion und Zentrumsprojekt erneut mehr Geld. Dabei fallen 560000 Franken aufs Stadion und 1,4 Millionen aufs Zentrum. Für beide Projekte mussten allerdings schon früher Zusatzkredite gesprochen werden: Beim Zentrumsprojekt kamen zum ursprünglichen Baukredit von 61,4 Millionen Franken bereits weitere 4,7 Millionen dazu (wir berichteten). Und auch beim Stadion Kleinfeld, bei dem sich die Stadt Kriens ursprünglich mit 5,14 Millionen Franken beteiligen wollte, brauchte es bereits wegen einer Altlastensanierung 700000 Franken mehr.

Insgesamt kosten die beiden Grossprojekte also 7,4 Millionen Franken mehr als ursprünglich angenommen. Wie konnte es zu dieser hohen Kostenüberschreitung kommen? Ein zentraler Grund ist, dass beim Zentrumsprojekt gewisse Arbeiten und deren Kosten – obwohl sie bekannt gewesen sind – nicht in der Endkostenprognose aufgeführt wurden. Dies allein macht Mehrkosten von 770 000 Franken aus, die nun Teil des neuen Zusatzkredits sind.

Geld ausgegeben, das gar nicht vorhanden war

Diese Arbeiten waren budgetiert, wurden denn auch ausgeführt, allerdings nicht abgerechnet. Somit schien mehr Geld zur Verfügung zu stehen, als dies tatsächlich der Fall war. «Das ist sehr ärgerlich», sagt Finanzvorsteher Franco Faé (CVP). «Als wir das realisiert haben, wurden die noch anstehenden Arbeiten sofort gestoppt.» Laut Faé gibt es beim Zentrumsprojekt noch eine Summe von 270000 Franken, die eingespart werden könnte, beispielsweise wenn der Handyempfang im Stadthaus nicht verbessert oder der Serverraum im Keller nicht gekühlt würde.

Irgendwo in der Kostenabrechnung wurde also geschlampt. Wo genau, will der Stadtrat nun mit einer externen Analyse ermitteln. Faé sagt:

«Wir wollen nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen, der Stadtrat übernimmt die Verantwortung, solange das nicht geklärt ist.»

Auf Stufe Projekt- und Abteilungsleitung müssen Massnahmen ergriffen werden, heisst es im Bericht und Antrag. Die Strukturen für die Projektüberwachung und -steuerung seien zu wenig genau aufgebaut gewesen. «Wir müssen das aufarbeiten und unsere Organisation überprüfen», so Faé.

Beim Kleinfeld hingegen sei der Zusatzkredit dem Zeitdruck geschuldet. Faé: «Manches war noch nicht bis ins Detail fertig geplant, weshalb nun noch zusätzliche Kosten aufgetaucht sind.» Die meisten dieser Arbeiten sind ausgeführt, aber auch hier wurden offene Arbeiten umgehend gestoppt. «Wir dürfen uns künftig weniger von Termindruck zu Entscheidungen drängen lassen, die ohne ausreichende Planungsgrundlagen getroffen werden müssen», so Faés Fazit.

Auch für das neue Kleinfeld-Stadion muss Kriens viel mehr bezahlen als angenommen. (Bild Pius Amrein, 26. September 2018)

Auch für das neue Kleinfeld-Stadion muss Kriens viel mehr bezahlen als angenommen. (Bild Pius Amrein, 26. September 2018)

«Extremer Handlungsbedarf im Finanzdepartement»

Bei den Einwohnerräten kommen die erneuten Zusatzkredite schlecht an. «Ich bin schockiert», sagt FDP-Fraktionschef Beat Tanner. «Da ist das Finanzcontrolling völlig schief gegangen.» Für ihn ist klar: Seine Fraktion wird den verspäteten Zusatzkredit nicht bewilligen. «Der Stadtrat muss dann selbst schauen, wie er das Geld aus dem Globalbudget kompensiert.» Tanner ortet «extremen Handlungsbedarf im Finanzdepartement».

«Das ist sehr bedenklich», sagt auch SP-Fraktionschef Cla Büchi. «Das gab es wohl Unterlassungen in der Planung.» Er verweist darauf, dass sich die Immobilienabteilung auch bei den modularen Schulbauten schon verrechnet habe. «Der Einwohnerrat und das Volk fühlt sich durch solche Aktionen an der Nase herumgeführt», so Büchi. Die Grünen seien «enttäuscht», sagt Fraktionschef Raoul Niederberger. «Wenn der Stadtrat die Mehrkosten nicht besser begründet, nehmen wir das nicht so entgegen.» Damit setze der Stadtrat «seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel», ergänzt Andreas Vonesch, Fraktionschef CVP/JCVP. «Es ist zwingend, dass der Stadtrat nun über die Bücher geht.» Auch die SVP hat keine Freude, «vor allem in der aktuellen Finanzlage», sagt Einwohnerrat Martin Zellweger. «Und offenbar handelt es sich um ein Führungsproblem.»

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