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In Adligenswil verbindet das «Osternetz» die Menschen

In der Thomaskirche in Adligenswil wird Ostern auch mit einer Kunstinstallation gefeiert. Dazu wurde ein riesiges Netz über die Aussenfassade gespannt.
Sandra Monika Ziegler
Künstlerin Vera Staub (links) und Pfarrerin Ursina Parr-Gisler beim Fixieren des Netzes. (Bild: Manuela Jans-Koch, 17. April 2019)

Künstlerin Vera Staub (links) und Pfarrerin Ursina Parr-Gisler beim Fixieren des Netzes. (Bild: Manuela Jans-Koch, 17. April 2019)

Ein ungewohnter Blick bietet sich dieser Tage beim Überqueren des Dorfplatzes in Adligenswil. Denn von der Fassade der reformierten Thomaskirche hängt ein buntes Netz – eine Installation der Künstlerin Vera Staub. Das Werk besteht aus Textilgarn und hat die Grösse von 12 mal 8 Meter. Nach der Montage steht Vera Staub vor ihrem Werk, steigt wieder auf die Leiter, knüpft da und dort noch einen Knopf oder kürzt das Garn. Vera Staub bezeichnet das Netz als «eine Kunstaktion zur flüchtigen Ewigkeit, eine meditative Installation». Für sie ist ihr künstlerisches Wirken in Adligenswil eine Premiere.

Zuerst das Werk, dann die passende Bibelstelle

Jahre zuvor hatte sie ihr «überfliessendes Netz» in Luzern bereits an der Lukaskirche wie auch in der Maihofkirche präsentiert. Die Künstlerin lässt sich beim Erstellen von der Nase leiten, gehe vorwärts ohne Plan, wie sie betont. «Wer davor steht, wird sich unweigerlich seine Gedanken machen, das Netz regt an», sagt Staub.

Stoff-Installationen gibt es auch im Innern der Kirche, etwa einen geknüpften Kreuzgang. Dieser entstand als Gemeinschaftswerk. «Zwischen 20 und 30 Personen knüpften gemeinsam und schätzten dabei, dass sie den Kopf ausschalten und so meditativ agieren konnten», erklärt Staub. Netze, so die Künstlerin, verbinden unweigerlich die Menschen und geben ihnen Sicherheit, auch im übertragenen Sinn. Staub nennt solche Installationen «Biblionen»: «Das Wort habe ich erfunden. Es setzt sich zusammen aus Bibliothek, Bibel und Ion. Es sind Werke im Dialog mit der Bibel.»

Staub nimmt aber nicht zuerst einen Text aus der Bibel und fertigt dann ein Werk an, sondern geht den umgekehrten Weg: «Ich schaffe ein Werk und wenn ich fertig bin, suche ich den passenden Bibeltext.»

Die Künstlerin Vera Staub mit ihrem «Biblion» aus Textilgarn im Innern der Kirche.

Die Künstlerin Vera Staub mit ihrem «Biblion» aus Textilgarn im Innern der Kirche.

Noch mehr kreative Wortschöpfungen

Biblionen ist übrigens nicht ihre einzige Wortschöpfung, wie sie schmunzelnd erzählt: «Eines meiner Lieblingsworte ist die Schwangerkeit. Das verwende ich gerne, weil wir doch alle das ganze Leben lang mit irgend etwas schwanger gehen.» Pfarrerin Ursina Parr-Gisler hält am Ostersonntag – morgens um sechs – den Gottesdienst. Zu Beginn versammelt man sich vor der Thomaskirche um eine Feuerschale. «Jeder bekommt ein Holzscheit, das er ins Feuer legt. Damit verbrennt er seine Fehlbarkeiten und reinigt sich», beschreibt Pfarrerin Parr-Gisler den Auftakt. Dass in Adligenswil Ostern bereits zur solch frühen Morgenstunde gefeiert werde, habe beinahe Tradition, wenigstens die letzten acht Jahre. «Es wird gelesen, gebetet und gesungen. Mit den Liedern und Texten verknüpfen wir die Bibel mit dem Hier und Jetzt. Denn es gibt für alle Lebenssituationen eine Bibelstelle, die passt», ist die Pfarrerin überzeugt.

Hinweis: Infos zur Künstlerin auf www.verastaub.ch

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