Video

In Amerika ist der Luzerner Wrestler «Cesaro» ein Superstar

Den Megger Claudio Castagnoli kennen Millionen – allerdings nur
als den Wrestler «Cesaro». Am heutigen Mittwochabend mischt er das Hallenstadion auf.

Federico Gagliano
Drucken
Teilen
Claudio «Cesaro» Castagnoli (rechts) führt seinen Giant Swing bei einem Kampf in Wien vor. (Bild: PD)

Claudio «Cesaro» Castagnoli (rechts) führt seinen Giant Swing bei einem Kampf in Wien vor. (Bild: PD)

Fast zwei Meter gross, 105 Kilogramm schwer – Claudio Castagnoli ist nicht zu übersehen. Der gebürtige Megger lächelt freundlich, wirkt während des Interviews fast etwas schüchtern. Am Abend wird er eine ganz andere Seite von sich zeigen: Als «Cesaro» wird er vor Tausenden von Zuschauern in den Ring im Zürcher Hallenstadion steigen, seine Gegner verhöhnen und die Fans anheizen. Castagnoli ist nämlich Wrestler – und seit 2011 das erste deutschsprachige Mitglied des weltgrössten Wrestling-Imperiums, dem amerikanischen World Wrestling Entertainment Inc. (WWE).

Auf Instagram folgen Castagnoli 2,1 Millionen Menschen. Damit liegt er zum Beispiel genau zwischen den Schweizer Fussballern Granit Xhaka (2 Millionen Followers) und Xherdan Shaqiri (2,5 Millionen Followers). Trotzdem ist der 38-Jährige in seinem Heimatkanton Luzern fast unbekannt – das störe ihn aber nicht, erzählt er. Vor der Europa-Tour WWE-Live, die heute in Zürich endet, sei er für ein paar Tage hierher zurückgekehrt, um sich auszuruhen. Weil das nicht oft vorkomme, schätze er die Anonymität hier. Einmal sei er erkannt worden: Beim Trainieren im Megger Wald.

Obwohl er nun schon lange in Florida mit seiner Partnerin lebt, sei er immer noch eng mit Luzern und der Schweiz verbunden. «Meine Familie und Freunde sind immer noch hier», erzählt er, «und obwohl die Geschäfte in der Altstadt anders sind, bleibt Luzern für mich im Kern immer gleich.» Sein Heimweh versteckt er auch nicht vor seinen Fans: Im September postete er drei Bilder auf Instagram und schrieb: «Diese Bilder habe ich vor 15 Jahren gemacht, bevor ich in die USA ausgewandert bin. Die Zeit vergeht so schnell und ich vermisse mein Zuhause jeden Tag etwas mehr.» Für seine Kämpfe ist er ständig auf Tour, jede Woche verbringt er viele Stunden im Flieger.

«Cesaro» (in der Mitte) muss beim Kampf in Wien auch einstecken. (Bild: PD)

«Cesaro» (in der Mitte) muss beim Kampf in Wien auch einstecken. (Bild: PD)

Vor zehn Jahren, im März 2009, erzählte er bereits in einem Interview mit dieser Zeitung von seinem Traum, einmal Teil der WWE zu sein. Den Traum hat er sich nun schon seit acht Jahren erfüllt – und nun? «Ich will noch mehr Titel, das ist klar», sagt er. Davon gibt es in der WWE viele unterschiedliche, Cesaro hat bereits acht – sechs im Zweierteam, zwei Solo. Das Ziel sei aber die WWE-Championship oder die WWE Universal Championship – die beiden wichtigsten Schwergewichtstitel der Organisation.

Gewinnen heisst im Wrestling aber, dazu auserkoren zu werden – dass die Kämpfe gestellt sind, weiss inzwischen jeder. Dazu muss man vor allem bei den Fans gut ankommen, was bei Cesaro der Fall ist. Wenn man die Kommentare bei Videos seiner Kämpfe liest, taucht dort oft der Wunsch auf, dass die WWE Cesaro mehr ins Rampenlicht rücken soll. Er gilt nicht nur als sympathischer Kämpfer, sondern ist auch körperlich einer der Stärksten im Ring. Sein typischer Wurf, der «Giant Swing», hat er auch schon gegen Gegner angewandt, die 50 Kilo schwerer sind als er. Dies hat ihm den Spitznamen «King of Swing» eingebracht. Cesaro wird aber auch als «Swiss Superman» oder «Swiss Cyborg» bezeichnet.

Schwerer Stand als Ausländer

Die grossen Namen der WWE sind jedoch Figuren wie Hulk Hogan, Randy «Macho Man» Savage oder John Cena, Charaktere, die ihre amerikanische Herkunft stets mit geschwellter Brust hinausposaunen. Wenn Hogan in den 90er Jahren den Ring betrat, schallte Rick Derringers Song «I’m a real American» (Ich bin ein echter Amerikaner) aus den Lautsprechern. Wie soll ein Schweizer in solche Fussstapfen treten? Castagnoli blickt zu Boden, wird etwas ernster. «Ich würde nicht sagen, dass es nur Amerikaner schaffen können. Aber englischsprachige Wrestler haben einen Vorteil. Sobald die Fans einen Akzent hören, heisst es: der spricht komisch. Das heisst aber nur, dass es für die anderen etwas länger dauert.» Im Moment sei er zufrieden, wo er ist.

Und was ist mit Hollywood? Viele Wrestler wechseln vom Ring zum Filmset. Castagnoli selbst hat auch schon Hollywood-Luft geschnuppert, als er 2008 beim oscarnominierten Film «The Wrestler» als Statist mitwirkte. «Wenn sich etwas ergeben würde, bin ich offen dafür. Aber Los Angeles ist mir etwas zu anstrengend als Stadt – vielleicht dann in ein paar Jahren», sagt er. Bei einem Projekt wäre er aber sicher dabei: «Wenn jemand neue Bud-Spencer-Filme drehen will, wäre ich sofort dabei.»

Ein Megger im Wrestling-Olymp

Dem Profiwrestler Claudio Castagnoli aus Meggen ist ein grosser Coup gelungen: Der Showman, der sich im Ring Antonio Cesaro nennt, ist neuer United States Champion der US-amerikanischen Wrestlingliga WWE.