In Buchrain gibt's bald mehr Betreuungsgeld – auch für Kita-Plätze

Die Gemeinde Buchrain unterstützt aktuell nur die Betreuung durch Tageseltern. Ein Eintrag auf einer kantonalen Website lässt jedoch anders vermuten.

Gina Bachmann
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Die Kinderbetreuung durch Kitas wird in Buchrain derzeit nicht subventioniert. (Symbolbild: Dominik Wunderli)

Die Kinderbetreuung durch Kitas wird in Buchrain derzeit nicht subventioniert. (Symbolbild: Dominik Wunderli)

In der Kita Chenderhus Rägeboge in Buchrain spielen jeden Tag rund 20 Kinder aus mehreren Gemeinden der Umgebung. Obwohl die Tarife für alle Kinder gleich hoch sind, müssen die Eltern für diese Tagesbetreuung unterschiedlich tief ins Portemonnaie greifen.

Denn während Gemeinden wie Ebikon die Eltern mit Betreuungsgutscheinen finanziell unterstützen, ist dies in Buchrain nicht der Fall. Trotzdem befindet sich die Gemeinde auf einer öffentlich einsehbaren Liste der kantonalen Dienststelle Soziales und Gesellschaft, die 35 am Gutscheinsystem «teilnehmende Gemeinden» für interessierte Eltern aufführt.

Zu unrecht, wie die Leiterin des Chenderhus Rägeboge, Monica Merakli, findet. Der Eintrag der Gemeinde auf der Plattform kinderbetreuung.lu.ch führe Eltern, die nach Buchrain ziehen möchten, in die Irre, so Merakli. Bereits mehrere Eltern aus Buchrain hätten bei ihr nach den Gutscheinen gefragt. Das Angebot werde seitens der Eltern nämlich seit langem gewünscht, sagt die Kita-Leiterin.

Tageseltern werden unterstützt, Kitas nicht

Betreuungsgutscheine wurden erstmals in der Stadt Luzern eingeführt. Die Idee dahinter ist, nicht die Kitas zu subventionieren, sondern die Eltern direkt finanziell zu unterstützen. Dadurch können die Eltern die von ihnen bevorzugte Kita selber wählen. Allenfalls entscheiden sie sich für eine, die ausserhalb ihrer Wohngemeinde liegt, dafür näher am Arbeitsort. Die Gutscheine gibt es auch für Eltern, die statt der Kita eine Betreuung durch Tageseltern bevorzugen.

Im diesem Bereich ist auch die Gemeinde Buchrain schon mehrere Jahre aktiv. Zwar nicht mittels Betreuungsgutscheinen, sondern durch den Verbund Tageselternvermittlung Rontal Plus. Dabei zahlt die Gemeinde sowohl für «gebende» als auch «nehmende» Eltern Unterstützungsbeiträge. Der Grund, warum Buchrain nur die Betreuung durch Tageseltern unterstützt, liegt laut Sozialvorsteher Stephan Betschen (FDP) unter anderem darin, dass die Gemeinde nach einem vom Stimmvolk abgelehnten Budget 2015 die Subventionen für Kitas aus Spargründen streichen musste.

Ein umfassendes Konzept zur Rückerstattung von Betreuungskosten für Kinder im Vorschulalter, das Kitas mit einschliesst, will die Gemeinde nun einführen. Die Grünen Buchrain hatten dafür eine Petition durchgeführt und 80 Unterschriften gesammelt. Für nächstes Jahr wurde ein entsprechender Posten ins Budget der Gemeinde aufgenommen. Betschen rechnet mit einer Einführung auf das Schuljahr 2020/2021.

Gemeinde und Kanton rechtfertigen den Eintrag

Es stellt sich die Frage, ob der Eintrag auf der Kantons-Website unter der Überschrift «Betreuungsgutscheine» aktuell gerechtfertigt ist. Stephan Betschen antwortet auf Anfrage: «Meines Erachtens wird weder auf der Seite des Kantons noch auf der Seite der Gemeinde Buchrain explizit erwähnt, dass Buchrain Betreuungsgutscheine – insbesondere für Kitas – ausstellt.» Zudem stehe auf der Website, dass die Bedingungen für anspruchsberechtigte Eltern und die Auszahlungsmodalitäten von jeder Gemeinde selbst festgelegt werden können. Wann und warum Buchrain auf dieser Liste gelandet ist, weiss Betschen nicht.

Laut Beatrice Buri, der für die Aktualisierung der Plattform zuständigen Fachperson der Dienststelle Soziales und Gesellschaft, steht Buchrain seit Ende Mai 2019 auf der Liste. Die Gemeinden meldeten sich in der Regel selbst, wenn sie ein Gutschein-System eingeführt hätten. Die Ausgestaltung liege in der Kompetenz der Gemeinden. Bei Buchrain sei der Eintrag aufgrund der Ergebnisse einer Erhebung bei allen Gemeinden im Februar 2019 erfolgt, so Buri. Der Eintrag informiere darüber, dass Buchrain die Betreuung bei Tageseltern einkommensabhängig subventioniere.

Gutscheine können grossen Unterschied machen

Vor allem für wenig verdienende Eltern stellen Betreuungsgutscheine eine beträchtliche Entlastung dar. In der Gemeinde Ebikon beispielsweise erhält ein Paar, das mindestens 120 Prozent arbeitet und dessen massgebendes Jahreseinkommen zwischen 40'001 und 45'000 Franken beträgt, pro Betreuungstag 48 Franken von der Gemeinde. Schickt das Paar sein Kind in die Kita Chenderhus Rägeboge in Buchrain, zahlt es also statt des Tagestarifs von 97 Franken nur noch 49 Franken aus eigener Tasche.