Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Interview

In den USA packte Ismail Osman die Lust am Journalismus

Ismail Osman (38) studierte in den Staaten russische Geschichte, als er auf den Geschmack kam. Heute ist er stellvertretender Leiter der «Zentralschweiz am Sonntag», regional. Zwischendurch jobbte er auch als Kölsch-Ausschenker und am Joghurt-Fliessband.
Roger Rüegger
Basketballer und Weltenbummler: Ismail Osman, Redaktor und stellvertretender Leiter der Zentralschweiz am Sonntag, regional. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 29. Juni 2018)

Basketballer und Weltenbummler: Ismail Osman, Redaktor und stellvertretender Leiter der Zentralschweiz am Sonntag, regional. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 29. Juni 2018)

Ismail Osman, viele Journalisten haben auf indirektem Weg zum Beruf gefunden. Deiner führte über die USA, wo du russische Geschichte studiert hattest. Das ist nicht die Ausbildung, die in einer Schweizer Redaktion zwingend nötig ist.

So weit kommt’s vielleicht ja noch. In den Journalismus bin ich damals einfach reingerutscht. Ich schrieb mich in einen Journalismuskurs ein. Nicht weil mich Journalismus damals besonders interessierte, sondern weil ich dachte, es sei ein guter Test, um zu sehen, wo ich sprachlich stehe.

Die Sprache hast du anscheinend perfekt beherrscht. Oder wieso bist du beim Beruf hängen geblieben?

Die allererste Aufgabe im Kurs war es, ein Porträt einer Person mit einem interessanten Beruf zu schreiben. Ich irrte einen Tag lang durch die Stadt Boston, die ich noch kaum kannte. Irgendwie landete ich im Café des Boston-Aquariums, eines vierstöckigen zylinderförmigen Beckens voller Meerestiere. Ich sah, wie eine Taucherin ins Becken sprang und begann, die Haifische zu füttern. Ihre Aufgabe lag darin, die Haie davon abzuhalten, kleinere Fische zu fressen. Ich bin sofort zum Beckenrand gespurtet, um sie beim Auftauchen abzufangen.

Eine gute Story.

Sehr. In dem Moment, als ich sie ins Aquarium springen sah, wusste ich, dass mir dieses Journalismusding Spass machen könnte.

Um dies herauszufinden, musstest du in die USA?

Nach der Sekundarschule wusste ich nicht, was ich mit mir anstellen sollte. Ich war ein eher schwieriger Teenager. Es gab keine Lehre, die mich auch nur im Entferntesten angesprochen hätte. Meine Eltern fanden: «Du musst mal weg.»

Wie weg?

Ich ging für ein Dreivierteljahr nach Toronto zu Verwandten. Dann reiste ich durch Kanada und Teile der USA, bis ich in Boston landete, wo mein Bruder Basketball in einem Highschool-Team spielte. Dort passte es. Plötzlich öffneten sich ganz viele Teenagerknöpfe, die ich noch hatte. Ich konnte mir vorstellen, dort zu leben und zu studieren.

Gesag, getan?

Nicht ganz so schnell. Meine Eltern erwarteten, dass ich für einen Teil des Studiums selber aufkomme. Also kehrte ich zurück und jobbte als Gerüstbauer, schraubte Computerfestplatten zusammen oder stand auch schon mal am Fliessband bei der Emmi. Zwei Jahre später legte ich die nötigen Prüfungen ab und studierte in Boston und Amherst. Ende 2005 kehrte ich wieder in die Schweiz zurück.

Nach Luzern?

Das war das Ziel. Aber es war zunächst ein Schock. Ich hatte das Gefühl, die Decke falle mir in diesem kleinen Städtchen auf den Kopf. Nach zwei Wochen flüchtete ich nach Köln zu einem Kollegen und jobbte an einer Bar, wo ich Kölsch ausschenkte.

Sesshaft scheinst du nicht zu sein?

Kommt noch. Nach einem halben Jahr war ich bereit für Luzern. Zuerst absolvierte ich ein Praktikum in der Musikredaktion bei Radio 3Fach. Bald bewarb ich mich bei der «Neuen Luzerner Zeitung».

Mit Erfolg, denn du bist schon lange im Haus am Maihof. Welche Redaktion war deine erste Station?

Als ich bei der «Neuen Luzerner Zeitung» anfing, gab es noch das Magazin «Montag». Das junge Team des Magazins hatte weitgehend Narrenfreiheit, das war für mich ein perfekter Einstieg.

Anhand welcher Kriterien hat man dich beim «Montag» auf­genommen?

Ich musste eine Schreibprobe abliefern. Ich legte eine Kurzgeschichte vor, mit der ich später einen Literaturpreis gewann, der mit einigen tausend Franken dotiert war.

Das erzählst du so nebenbei. Das kann nicht jeder von sich behaupten. Wie hast du das Geld eingesetzt?

Ich kaufte mir eine wunderbare Gitarre und gründete eine Band. Logisch, oder?

Wo hast Du Gitarrespielen gelernt?

Nirgends. Ich kann’s eigentlich auch nicht – aber ich habe selber herausgefunden, wie man den Verstärker lauter aufdreht, und noch fünf Halleffekte drangehängt, und es klingt wunderbar.

Zurück zur Zeitung: Du warst einige Jahre im Ressort Kanton. Pflichtstoffe wie Kantonsrat, Delegiertenversammlungen und Gemeindeversammlungen bestimmten deinen Alltag. Wie hat dir dieser Abstecher zugesagt?

Das Tagesgeschäft ist für Journalisten eine gute Schule. Man sollte diese «Schleiferei» einmal durchleben. Jüngere Journalisten fürchten vielleicht, dass sie, durch die nüchterne Natur dieser Themen ihren «eigenen Stil» verlieren könnten. Das ist meiner Meinung nach nicht so. Falls man wirklich Stil hatte, versteht man danach besser, wie man diesen einsetzen kann.

Mit deinen Geschichten in der «Zentralschweiz am Sonntag» kannst du dich anders austoben. In der Ausgabe vom 25. Juni hattest du eine Geschichte übers Fahnenschwingen. Hast du selber eine Fahne geschwungen?

Nein, alleine der Preis von über 1000 Franken für eine Fahne hat mich abgeschreckt. Ich habe schon einmal meine Gitarre in die Luft geworfen – und bereute es umgehend.

Wie einfach fällt es dir, über Folklore zu schreiben?

Der Kern des Journalismus ist die Neugier. Ob es um eine Gesetzesvorlage geht oder eben ums Fahnenschwingen, ist dabei nicht relevant. Als Journalist hast du die Lizenz, endlos viele Fragen zu stellen. Ist man nicht mehr «Gwundrig», wird’s Zeit für einen neuen Beruf.

Du bist auch ein grosser Basketballfan. Wie hoch oben hast du gespielt?

Sehr tief. Ich kann sowieso kaum über einen Duden springen und habe mir beim Spiel zuletzt drei Bänder gerissen. Ich renne nicht mehr den Bällen nach, dafür stolpere ich öfters über die meiner zwei Kinder.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.