In der 171 Jahre alten Mühle von Burgrain entstehen drei Wohnungen und ein Atelier

Jetzt kommt Bewegung in die seit Jahren leerstehende Burgrainmühle in Alberswil. Sie wird für rund drei Millionen Franken umgebaut. 

Roger Rüegger
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Architektin Gabriela Steiner und Mühlenbesitzer Paul Fuchs vor der eingerüsteten Burgrainmühle. (Bild: Nadia Schärli, Alberswil, 14. Oktober 2019)

Architektin Gabriela Steiner und Mühlenbesitzer Paul Fuchs vor der eingerüsteten Burgrainmühle. (Bild: Nadia Schärli, Alberswil, 14. Oktober 2019)

Die Burgrainmühle ist seit drei Monaten eingerüstet. In und ums markante Gebäude unterhalb der Sankt Blasius Kapelle, das seit Jahren leer steht, ist in Leben eingekehrt. Zumindest tagsüber, wenn Fachleute der Hoch und Tiefbau AG Sursee (H&T) zu Werke gehen. Die Handwerker haben die 1848 erbaute Mühle ausgehöhlt. Nun wird mit der Sanierung und dem Umbau fortgefahren.

Obwohl sich jahrelang niemand um die Instandhaltung und Pflege des verlassenen Gemäuers kümmerte, setzte die Zeit dem Bauwerk nicht besonders zu. Sehr zur Freude des Besitzers Paul Fuchs, der das Grundstück ausserhalb des Dorfes Alberswil 2015 erworben hatte. «Die Bausubstanz ist sehr gut, die massive Natursteinmauer und die Holzkonstruktion scheinen weitgehend intakt», sagt der Geschäftsführer und Inhaber der H&T AG.

Mietpreis beträgt rund 2000 Franken

In den oberen Geschossen entstehen auf einer Fläche von je 140 Quadratmetern drei sehr grosse Wohnungen. Der ehemalige Mühleraum im Erdgeschoss kann laut Fuchs für ein geeignetes Kleingewerbe entsprechend ausgebaut werden. «Er könnte als Wohnatelier dienen für jemanden, der ein Kunsthandwerk betreibt. Wir sind beim Ausbau flexibel.» Die Gesamtanlagekosten beziffert er mit rund 3 Millionen Franken. «Die Sanierung solcher Gebäude ist ein teures Hobby.» Der Mietpreis für eine Wohnung bewegt sich um 2000 Franken.

Fuchs, der sich als Fan alter Bauten bezeichnet, hat Erfahrung bei Sanierungen dieser Art. So steckte er in die Renovation des alten Rathauses und ehemaligen Gasthauses Adler in Sursee von 2012 bis 2015 viel Herzblut, und trug mit dem Erhalt des Gebäudes einiges zur Aufwertung der Altstadt bei. Es sei ihm auch bei der Burgrainmühle in Alberswil ein Anliegen, dass der ursprüngliche Charakter des Gebäudes beibehalten werde. Als Beispiel nennt er die Tür- und Fensterverdachungen oder die Eckpilaster. Die Mühle am westlichen Rand der grossen Wauwiler Ebene und am Fuss des Burghügels Kastelen soll bis Ende 2020 zwar in altem Glanz erstrahlen. Moderne Elemente dürfen dennoch Platz haben.

Im August haben die Bauleute die Arbeiten aufgenommen. Als Architektin holte Fuchs Gabriela Steiner, Inhaberin der Steiner Architekten GmbH, ins Boot. «Ein schönes Bauprojekt und eine interessante Herausforderung», wie Steiner betont. «Ein solcher Umbau ist für mich ein Traum. Interessant bei Altbauten ist, dass man immer mit Überraschungen rechnen muss. Das ist in Alberswil nicht anders. So gilt es auch bei dieser Sanierung, teilweise sehr spontane Entscheidungen direkt auf der Baustelle zu treffen.» Im Fall der Burgrainmühle seien es etwa die Fenster, die nach Lösungen verlangen, weil praktisch bei jedem der Hohlraum ein anderes Mass aufweise. Und auch die Isolation sei knifflig. «Die Fassade des Gebäudes bleibt im Originalzustand erhalten. Selbst die ursprüngliche Farbe wird rekonstruiert. Deshalb ist es unmöglich, die Wand auf der Aussenseite zu isolieren», erklärt Steiner.

Balkone im Süden, ein Treppenhaus im Norden

Eine der aussen sichtbaren baulichen Veränderungen sind die grosszügigen Balkone an der Südfassade. Früher führte eine Holztreppe zum ehemaligen Haupteingang im ersten Geschoss. Diese Eingangstür bleibt als Zugang zum Balkon bestehen. Änderungen an der Fassade wurden in Absprache mit der kantonalen Denkmalpflege getroffen. Die Erschliessung der Wohnungen erfolgt von der Nordfassade her. Geplant war ein Treppenhaus mit Lift. Die Denkmalpflege konnte jedoch nicht von dessen Notwendigkeit überzeugt werden, zumal der Treppenhausturm in der Fassadenansicht zu dominant wurde.

Die alte Mühle im Burgrain. (Bild: Pius Amrein, 30. September 2015)

Die alte Mühle im Burgrain. (Bild: Pius Amrein, 30. September 2015)

Auch die Dachwohnung wird intern ab dem 2. Obergeschoss erschlossen. An dieser Stelle wurde in den 1940er-Jahren ein Anbau mit Sichtmauerwerk errichtet, der dem Auge wenig schmeichelt. Diesen haben die H&T-Baufachleute als eine der ersten Handlungen auf dem Bauplatz entfernt. Durch die Positionierung der einzelnen Anbauten, wie Garagen- und Gartenhaus, werden im Aussenraum verschiedene Plätze definiert. Dadurch kann eine räumliche Distanz zum Strassenraum geschaffen werden.

Nun geht es zügig vorwärts. Im Mühlekeller sind während der Bauzeit massive Baumstämme als zusätzliche Stützen installiert worden. Wenn der Umbau fertig ist, werden diese wieder entfernt. Dann tragen vier mächtige runde Säulen aus Eichenholz sowie die Fassade das Gewicht des Gebäudes. Fuchs schätzt, dass jede 70 Tonnen aushalten wird. Die Konstruktion des Gebäudes ist eine Herausforderung an die Statik. Die oberen Geschosse werden entsprechend konstruiert. Die Folge daraus ist, dass drei verschiedene Wohnungen entstehen. Es war Fuchs ein Anliegen, den Innenausbau zeitgemäss zu realisieren. Mit der Denkmalpflege wurde geklärt, welche Bauteile und Einrichtungen im Innern des Gebäudes erhalten werden.

Kraftwerksanierung würde eine halbe Million kosten

Ursprünglich war auch die Wiederinstandstellung des Wasserkraftwerks geplant. Dieses Vorhaben hat Fuchs jedoch vorderhand sistiert. «Seit das neue Energiegesetz 2018 in Kraft getreten ist, werden kleine Wasserkraftwerke mit Leistungen unter 1 Megawatt nicht mehr mit Einspeisevergütungen unterstützt», erklärt Fuchs.

Ab 1897 ersetzte der Strom vom Burgrain die Dampfkraft, mit welcher die Ziegelei Gettnau bis anhin betrieben worden war. Und auch die Stadtbeleuchtung in Willisau wurde ab 1906 mit Elektrizität aus dem Wasserkraftwerk Burgrain beliefert. Das erneuerte Kraftwerk hätte Strom für zehn Haushalte produziert. Die Erneuerung würde mit gut einer halbe Million Franken zu Buche schlagen. Fuchs, der schon als Bub von der Wasserkraft fasziniert war, sucht in einem zweiten Schritt nach Lösungen.