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Kommentar

In der «Ära Le Théâtre» brauchen Emmer Vereine eine faire Regelung

Unsere Analyse zur undurchsichtigen Vergabe von Vereinsbeiträgen der Gemeinde Emmen.
Beatrice Vogel
Beatrice Vogel, Redaktorin Stadt/Region Luzern

Beatrice Vogel, Redaktorin Stadt/Region Luzern

Emmer Vereine, die die Räumlichkeiten des privaten «Le Théâtre» nutzen wollen, haben es derzeit schwer: Die Mieten sind hoch, und es gibt keine Konzertsubventionen von der Gemeinde mehr. Deshalb wollen die Vereine vermehrt über private Sponsoren Gelder akquirieren, so wie es die Musikgesellschaft, das Orchester Emmen und der Jodlerklub Maiglöggli nun mit dem neuen Dachverein «EMiLT» tun (wir berichteten). Als die Gemeinde Emmen noch Betreiberin des Zentrums Gersag war, profitierten die Vereine von einer vergünstigen Saalmiete von 800 respektive 900 Franken, wenn sie Eintritt verlangten. Hinzu kamen moderate Preise für die eher bescheidene Haustechnik. Oft wurde die Miete sogar ganz erlassen; die Vereine konnten dafür einen Antrag auf Unterstützung für den jeweiligen Anlass stellen.

Neu kostet die Saalmiete 1700 Franken. Hinzu kommen Kosten für die Bestuhlung (1.50 Franken pro Stuhl) und gegebenenfalls 2000 Franken für die gestufte Tribünenrampe (1000 Franken, wenn sie schon steht). Einzig wer Catering dazu bucht, zahlt weder Saal noch Bestuhlung, da diese Kosten durch den Catering-Umsatz gedeckt sind. Am teuersten ist die Technik – auch weil nur hauseigene Techniker das komplexe Mischpult bedienen dürfen. Dass die Auslagen für die Vereine deutlich höher sind, lässt sich nicht von der Hand weisen. Zwar profitieren sie dafür von hochwertigem Equipment und Unterstützung – auch im kommunikativen Bereich – durch die Betreiber. Doch die Vereine haben auch gar keine Alternative – einen vergleichbaren Saal gibt es in Emmen nicht.

Was die Vereine jedoch besonders trifft und ärgert: Die Unterstützung der Konzerte durch die Gemeinde ist weggefallen – obwohl der Gemeinderat bei der Übergabe ans Le Théâtre versprochen hatte, die Subventionen würden weiter fliessen. Zu erklären ist dies mit einem Passus in der Vereinbarung zwischen Gemeinde und Le Théâtre. Zu möglichen Vereinsanlässen heisst es: «Die Gemeinde Emmen wird diese Veranstaltungen im Rahmen der bewilligten Budgets auch in Zukunft finanziell unterstützen.» Als der Einwohnerrat dies absegnete, waren die Konsequenzen wohl nicht jedem klar. Man vertraute darauf, dass die Gelder weiter fliessen. Da jedoch wegen der schlechten Finanzlage in den letzten Budgets keine Gelder für Vereinsanlässe eingestellt wurden, ist die Gemeinde gemäss oben genanntem Passus auch nicht zur Unterstützung verpflichtet.

Man kann sich nun über den Gemeinderat ärgern, der sich mit diesem «Trick» elegant aus der Affäre zieht. Doch könnte der Einwohnerrat eingreifen, indem er bei den künftigen Budgets entsprechende Beiträge einplant. Dies ist in der aktuellen finanziellen Situation jedoch unwahrscheinlich. Tatsache ist: Die Situation für Emmer Vereine ist unbefriedigend. Der Bericht über die Vereinsunterstützung, der mittels CVP-Postulat verlangt und kürzlich durch den Gemeinderat vorgelegt wurde, bestätigt dies. Der Einwohnerrat hat diesen am vergangenen Dienstag zur Überarbeitung zurückgewiesen. Zu wenig transparent und umfassend sei er, wurde moniert. Man könne daraus keine Schlüsse ziehen, ob die Unterstützung fair verteilt ist. So fehlen etwa Angaben zu Mieterlassen für Räumlichkeiten, aber auch die Leistungen, welche die Vereine für die Gemeinde erbringen.

Seit 2008 existiert in Emmen ein Reglement über Beiträge an Vereine und Institutionen. Darin steht, dass die Gemeinde auf ein Gesuch hin Vereine unterstützen darf, die bestimmte Kriterien erfüllen. Die gesamte Beitragshöhe wird durch den Einwohnerrat beschlossen, die Verteilung der Gelder liegt aber beim Gemeinderat. Dabei ist insbesondere bei kulturellen Vereinen nicht klar, nach welchen Kriterien sie Beiträge erhalten. Die im Bericht aufgeführten Pauschalen wirken willkürlich gewählt, da kein Schlüssel für deren Errechnung aufgeführt wird. Einige Vereine haben zwar mit der Gemeinde Leistungsvereinbarungen abgeschlossen. Was darin genau enthalten ist, wird ebenfalls nicht ersichtlich.

Viel klarer geregelt sind hingegen die Bedingungen für den Jugendsport. Die Subventionen setzen sich dort aus Grund-, Kopf- und Qualitätsbeiträgen zusammen.Grundsätzlich – und vor allem in finanziell schwierigen Zeiten – sollte die Beitragsvergabe transparent sein. Gemeinderat und Parlament tun gut daran, diese neu zu regeln – und zu vereinfachen. Im Reglement über die Vereinsbeiträge sollte nicht nur festgehalten sein, welche Kriterien die Vereine erbringen müssen, um Unterstützung zu erhalten. Es sollte auch einen Verteilschlüssel für die zu Verfügung stehenden Gelder geben – ähnlich wie er bereits für die Sportvereine existiert. So könnten die Vereine nach der Festsetzung des Budgets sogar selber ausrechnen, welchen Beitrag sie maximal erhalten. Auch braucht es eine einheitliche Regelung für die nicht-monetäre Unterstützung der Gemeinde Emmen: Räume, Sportanlagen, Arbeit durch Gemeindemitarbeiter sollten für alle auf gleiche Weise zugänglich sein oder in Rechnung gestellt werden. Nur so können alle Vereine fair und transparent behandelt werden, ohne dass ein Konkurrenzkampf entsteht.

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