In der Gemeindeverwaltung Emmen darf neu jeder selber entscheiden, wann er arbeitet

Weil die Personalfluktuation in der Emmer Verwaltung sehr hoch ist, hat der Gemeinderat Massnahmen ergriffen. Von flexiblen Arbeitszeiten bis zu Wasserspender im Büro: Die Gemeinde lässt nichts unversucht, um die Zufriedenheit ihrer Angestellten zu erhöhen.

Beatrice Vogel
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Das Hauptgebäude der Gemeindeverwaltung Emmen: Hier soll das Arbeitsklima besser werden.

Das Hauptgebäude der Gemeindeverwaltung Emmen: Hier soll das Arbeitsklima besser werden.

Pius Amrein, 16. November 2017

Während der aktuellen Krise dürfte die Fluktuationsrate des Personals jeglicher Branchen gegen Null tendieren: Jeder ist froh, wenn er einen Job hat. Doch es ist davon auszugehen, dass irgendwann wieder ein annähernd normaler Zustand zurückkehrt. Dafür will die Gemeinde Emmen gerüstet sein. Denn in den letzten Jahren war die Fluktuation des Verwaltungspersonals hoch: Sie lag 2018 bei 7,6 Prozent, 2019 sogar bei 8,4 Prozent. Der Zielwert liegt bei maximal 6 Prozent.

Kriens reagierte mit einer fünften Ferienwoche

In Kriens betrug die Fluktuation im vergangenen Jahr 8,57 Prozent. Auch deshalb hat die Stadt jüngst eine fünfte Ferienwoche eingeführt. Betreffend der Fluktuationsrate ist im Krienser Einwohnerrat ein Vorstoss hängig. Die Antwort des Stadtrats werde voraussichtlich Anfang April vorliegen, sagt Stadtpräsident Cyrill Wiget (Grüne) auf Anfrage. «Grundsätzlich betrachten wir die Abgänge aber individuell, damit wir allfällige Probleme ausfindig machen und entsprechende Massnahmen ergreifen können. Der Schnitt allein ist wenig aussagekräftig», sagt er dazu.

Zurück nach Emmen: Was kann die Gemeinde gegen die vielen Abgänge tun? Klar ist: Deutliche Lohnerhöhungen sind zurzeit nicht realistisch. Der Einwohnerrat hat bei der Budgetdebatte im vergangenen Dezember die generelle Lohnerhöhung auf 1 Prozent beschränkt - der Gemeinderat hatte eine Lohnerhöhung um 2 Prozent beantragt. Nach einer Mitarbeiter- und Gesundheitsbefragung hat der Gemeinderat zusammen mit dem Departement Personelles und Organisation nun einige Massnahmen für mehr Zufriedenheit erarbeitet und teils bereits umgesetzt, wie Patrick Schnellmann (CVP), Vorsteher Finanzen und Personelles, auf Anfrage sagt.

Jeder darf zwischen 6 und 20 Uhr arbeiten

«Die Rückmeldungen der Befragung drehten sich hauptsächlich um die Themen soziale Stressfaktoren, Umgebungsbelastung und Wertschätzung», sagt Schnellmann. Daraus haben sich folgende Massnahmen ergeben, die bereits umgesetzt werden: «Wir haben die Arbeitszeiten ausgeweitet. Zwischen 6 und 20 Uhr kann jeder selbst entscheiden, wann er arbeitet, solange er sein Pensum erreicht. Zudem muss der Schalterdienst in den Abteilungen gewährleistet sein.» Mitarbeiter können also am Morgen früher anfangen, wenn sie einen frühen Feierabend wünschen. Dasselbe gilt für die Mittagspause: Statt einer Stunde können die Verwaltungsangestellten neu nur eine halbe Stunde Pause machen, sofern sie das wünschen. «Zusätzlich haben wir den Fasnachtstag wieder eingeführt, der einst durch Sparmassnahmen gestrichen wurde», so Schnellmann weiter. Jeder Mitarbeiter kann während der Fasnachtsferien einen Tag frei nehmen - zusätzlich zu den regulären Ferientagen.

Mitarbeiter sollen eigene Verbesserungsvorschläge machen

Geplant sind des Weiteren Massnahmen zum direktionsübergreifenden Verständnis, etwa Mitarbeiter-Anlässe, bei denen sich einzelne Abteilungen vorstellen. Mittagsveranstaltungen zu Themen wie Gesundheitsprävention oder Personalentwicklung sind vorgesehen. Und budgetiert wird ein Seminar der Pro Senectute für Mitarbeiter, die vor der Pensionierung stehen. Zudem soll das «betriebliche Vorschlagswesen» wieder aktiviert werden: Mitarbeiter sollen Vorschläge für Verbesserungen des Betriebs machen können. «Diese Möglichkeit gibt es in unserem Intranet bereits, aber wir möchten eigentlich im Rahmen der digitalen Transformation neue Ansätze diskutieren und einfachere Möglichkeiten aufgleisen», so Schnellmann. «Allerdings wurde der geplante Workshop dazu wegen des Corona-Virus abgesagt.» 

Per Sportpass ins Hallenbad

Bereits bis anhin hat sich die Gemeinde an Weiterbildungen für Mitarbeiter finanziell beteiligt, allerdings erst nach Abschluss der Weiterbildung. Schnellmann: «Es hat sich gezeigt, dass gerade jüngere Mitarbeiter froh wären, wenn sie schon währenddessen unterstützt würden, vor allem, wenn ihr finanzielles Polster nicht so gross ist.» Dies soll künftig ebenfalls vermehrt der Fall sein. Zu den Massnahmen gehören auch einige unentgeltlichen Dienstleistungen. So stehen den Mitarbeitern neu vier Sportpässe - etwa fürs Hallenbad und dergleichen - zur Verfügung. «Im Rahmen des 125-Jahre-Jubiläums der Wasserversorgung Emmen werden zudem Wasserspender aufgestellt, bei denen man Mineralwasser beziehen kann», sagt Schnellmann. 

Löhne sollen transparent werden

Grundsätzlich habe sich der Gemeinderat vorgenommen, offener und transparenter zu kommunizieren, und etwa im Intranet laufend über interne Beschlüsse und Entwicklungen zu informieren. Auch sollen die Lohnbänder transparent aufgezeigt werden. «Wir werden die Führungsgrundsätze überarbeiten und für Kaderleute entsprechende Schulungen durchführen. Ziel ist eine einheitliche Grundhaltung zum Thema Führung», sagt Patrick Schnellmann. Der Gemeinderat will die Massnahmen fortlaufend reflektieren und evaluieren, und damit das Thema Personalzufriedenheit aktuell halten. «Es ist ein Prozess und wird uns lange beschäftigen», so Schnellmann. «Schade ist, dass er durch die Corona-Krise ins Stocken geraten ist.» Sobald sich die Situation normalisiert habe, wolle der Gemeinderat den Ball wieder aufnehmen.

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