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In der Luzerner Altstadt gibt es «Phantom-Räume» in den oberen Etagen

In der Luzerner Altstadt sind die Hierarchien klar: Am lukrativsten sind die Erdgeschosse. Die Nutzung der oberen Stockwerke dagegen ist oft schwierig. Das führt teils zu skurrilen Situationen.
Robert Knobel
Die Weggisgasse 21: Der einzige Hauseingang führt über den Schuhladen. (Bild Robert Knobel, 21. Mai 2019)

Die Weggisgasse 21: Der einzige Hauseingang führt über den Schuhladen. (Bild Robert Knobel, 21. Mai 2019)

Es ist so eine Sache mit der Luzerner Altstadt: Die Häuser sind seit Jahrhunderten dieselben – aber die Nutzungsart und die Bedürfnisse von Bewohnern und Geschäften ändern immer schneller. Die Geschichte des Hauses an der Weggisgasse 21 zeigt diese Problematik exemplarisch: Vor hundert Jahren war dort ein kleines Optikergeschäft im Erdgeschoss ansässig. Da dieses immer mehr Platz brauchte, wurden irgendwann die Wohnungen in den oberen Etagen «geopfert». Damit brauchte es auch keinen separaten Hauseingang mehr – 1926 wurde er entfernt, zugunsten einer grösseren Schaufensterfront. Doch seit einigen Jahren werden die Ladenflächen wieder kleiner. Auch das Schuhgeschäft, das seit 2011 an der Weggisgasse 21 eingemietet ist, belegt nicht das ganze Haus – auch weil die Gebäudeversicherung von der Nutzung des obersten Teils abgeraten hatte. Resultat: In den Obergeschossen stehen Räume leer.

SP stellt kritische Fragen an den Stadtrat

Wer durch die Altstadt spaziert, dem fallen sofort weitere solche Beispiele auf: Die meisten Läden erstrecken sich höchstens auf zwei Etagen, doch die Schaufensterfront nimmt die ganze Gebäudebreite ein. Wie gelangt man da bloss in die oberen Stockwerke, mag man sich fragen – zumal längst nicht jedes Haus über einen Innenhof oder eine Hintergasse erschlossen ist. Die SP wollte es genauer wissen und reichte im Stadtparlament eine Interpellation ein. Nun liegt die Antwort des Stadtrats vor. Er bestätigt, dass es in der Altstadt solche «Phantom-Räume» ohne eigenen Zugang gibt. Neben der erwähnten Liegenschaft an der Weggisgasse sind zum Beispiel auch Häuser an der Eisengasse und der Kapellgasse betroffen.

Die Stadt wird erst bei Umbauplänen aktiv

Allerdings seien das wenige Einzelfälle, welche schon seit Jahrzehnten bestehen. «Dabei handelt es sich um altrechtliche Entscheide, die damals so gefällt wurden», sagt die städtische Baudirektorin Manuela Jost (GLP). Die Bewilligungen hätten weiterhin Gültigkeit, auch wenn sie überhaupt nicht mehr den heutigen Vorstellungen von Raumnutzung entsprechen. Einfluss nehmen kann die Stadt erst dann, wenn der Grundeigentümer grössere Umbauten im Gebäude plant. «Dann setzen wir uns dafür ein, dass wieder alle Stockwerke genutzt werden können», sagt Jost. So wird der Besitzer beispielsweise verpflichtet, den einst aufgehobenen Hauseingang wieder herzustellen. Generell gelte es aber, die öffentlichen und privaten Interessen gegeneinander abzuwägen, sagt Jost. Man könne auch niemanden zwingen, alle Räume zu vermieten. «Klar ist aber, dass wir grosse Umbauten und Neubauten ohne eigenen Eingang für die oberen Stockwerke nicht bewilligen würden», betont Manuela Jost.

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